Zuschriften


Klaus der Reimer (sehr frei nach Theodor Fontane)

 

Der Reimer Klaus wohnte am Bach,

Am Lüßbach bei Münsings Schloß.

Da sah er eine blonde Frau,

Sie mühte sich ab mit dem Elektro-Ross.

 

Sie saß auf einem Elektro-Ross,

Der Rahmen war lackiert so fein,

Und hell an jeder Speiche hing

Ein silberblankes Glöckelein.

 

Und Klaus der Reimer zog den Hut

Und fiel auf's Knie, er grüßt und spricht:

"Du bist die Himmelskönigin!

Du bist von dieser Erde nicht!"

 

Die blonde Frau hält an ihr E-Ross:

"Ich will dir sagen, wer ich bin;

Ich bin die Himmelsjungfrau nicht,

Ich bin Feli, die SZ-Königin!

 

"Nimm deine Harf und spiel und sing

Und laß dein bestes Lied erschalln,

Doch wenn du meine Lippe küßt,

Bist du mir ewiglich verfalln!"

 

"Wohl! Ewiglich, o Königin,

Zu dienen dir, es schreckt mich kaum!"

Er küßte sie, sie küßte ihn,

Ein Vogel sang im Maienbaum.

 

"Nun bist du mein, nun zieh mit mir,

Nun bist du mein auf alle Jahr."

Sie ritten durch den grünen Wald

Wie glücklich Klaus der Reimer war!

 

Sie ritten durch den grünen Wald

Bei Vogelsang und Sonnenschein,

Und wenn sie leicht am Lenker zog,

So klangen hell die Glöckelein.

Vom Freund, Mitstreiter, Nachbarn & Münsinger Kultur-Agenda-Sprecher
Christian Kohn, Sohn des Weltrang-Bassisten Karl Christian Kohn (1928-2006)
als Dankesgruß an KUS für Neujahresreime 2020


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   „Einfach der Wahnsinn!“
                                                                             Sehr geehrter Herr Spiegel
,
beim Recherchieren über Thomas Tipton bin ich auf das Hamburger Archiv für Gesangskunst gestoßen und habe mir die Kassette mit den 3 CDs zu Thomas Tipton
(Vol. 1) bestellt, in der Sie den fabelhaften Text des Begleitheftes verfasst haben.
    Die CD hat mir Augenblicke wiedergeschenkt, an die ich mich seit über 53 Jahren
als einen Höhepunkt meines Opernerlebens erinnere: es geht um Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper von 1966 unter G. Patané. Damals habe ich in München gelebt und wir besuchten mit der Schule eine der Generalproben, in der der Tenor Nikola Nikolov den Herzog sang, z.Z. der Generalprobe war er indisponiert und verzichtete
auf die hohen Töne. Offenbar war ich in der Premiere, denn die Sänger trafen sich im Anschluss an die Aufführung im Spatenbräu gegenüber der Oper zum Essen und ich bewunderte und beneidete sie von meinem Tisch aus - in angemessener Entfernung.
    Das Schlussduett des 2. Aktes von Gilda und Rigoletto, eigeleitet durch Rigolettos Wutschrei "No, vechio, t'inganni", war natürlich der Höhepunkt und - so erinnere ich mich - musste es wiederholt werden, so raste das Publikum!
    Erika Köth & Thomas Tipton sangen das auch noch in einem der Sonntagskonzerte
im Kongresssaal des Deutschen Museum, vielleicht war es auch hier, dass das Publikum die Wiederholung forderte.
    Aber diese Ekstase, mit der die beiden dieses Duett singen bzw. gesungen haben, scheint mir einmalig zu sein. Er voller tödlicher Wut und Rachetaumel gegenüber dem Herzog, sie in Panik und verzweifelter Liebe zu ihm. Einfach der Wahnsinn.
    Im Vergleich dazu klingt das Duett in meiner Aufnahme mit Leo Nucci und June Anderson von1989 (mit Pavarotti unter Riccardo Chailly) wie tot...

    Vielen Dank für Ihren informativen Text und auch für die Veröffentlichung der Aufnahmen von damals, die mir die "alten" bzw. jugendlichen Schauer wieder über
den Rücken jagt!
                                                                                             Mit freundlichen Grüßen
:
                                                                                                      Dr. med. Helmut Grosch
                                                                                                                     Kirchstr.26
                                                                                                                  47441 Moers


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 ... wirklich ein wunderschönes Timbre

                                                                                       Lieber Herr Spiegel,

Ich bin einer der "zwei Buben", die der Sänger Lawrence Winters nach seinem Tode in Hamburg hinterlassen hat. Für Ihren liebevollen,umfassenden, für mich ungemein informa-tiven Artikel über meinen Vater, speziell auch im Sinne seines Wirkens als Sänger, möchte ich Ihnen aus vollem Herzen danken. 

Ich fand es auch immer schade, dass die verfügbaren Aufnahmen von ihm eher populärer Natur sind - trotz der schönen Stimme, ür mich musikalisch weniger interessant. Ich habe eine ziemlich schwache MP3 Kopie mit Ausschnit-ten aus Nabucco in einer Aufführung der Hamburger Staats-oper - trotz der eher niedrigen Tonqualität finde ich seine "Dio di Giuda" eine der schönsten,die ich je gehört habe. Ich wünschte sehr,dass ich seine Winterreise gehört hätte - vielleicht wäre dann sogar die von mir heißge-liebte Fischer-Dieskau/Gerald Moore Version aus 1971 vom Podest gefallen :-) 

Mit 18/19 hatte ich eine alte 78er Shellack-Platte in einem unserer Schränke gefunden - dann leider wieder verloren - es waren unveröffentlichte, möglicherweise privat realisierte Aufnahmen meines Vaters von "Sylvia", "An die Leier", und  "Der Wanderer". Dies war für mich das mächtigste Stück auf der Platte, und seine Interpre-tation hat alle Register gezogen, von einem fast bedroh-lichen "Ich komme vom Gebirge her" zum traurig-verloren-sehnsüchtigen "Wo bist du, o mein geliebtes Land?" Er hatte wirklich ein wunderschönes Timbre (bronzen, kupfer-flammend, wie sie es so schön ausdrücken) aber für mich ist es die Fähigkeit seiner so vorzüglich trainierten BelCanto Stimme, tiefes Gefühl und Mitgefühl zu vermit-teln, ohne dabei je schmalzig zu wirken. Er war echt ein Mensch, und mit 63 wünschte ich immer noch, dass wir alle ein wenig mehr von ihm gehabt hätten. 

Meine allerherzlichsten Grüße aus Hamburg, und nochmals vielen Dank!

Oliver Whisonant
                                   Hamburg, 10.08.2021 

 P.S.
 Abgesehen von Einträgen zu meinem Vater empfinde ich Ihre Website
 insgesamt übrigens als ein Kleinod, eine Oase in der kommerziell-politischen 
 „See von Plagen“, zu der das Internet heute verkommen ist.


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© Klaus Ulrich Spiegel