Heinrich Bender 

 

      (∗ 11.5.1925 - † 24.5.2016), Dirigent, Pianist, Musikpädagoge, Bayerischer
    Staatskapellmeister, 1. Dirigent der Bayerischen Staatsoper 
und Leiter des
    Opernstudios der B
ayerischen Staatstheater (1959 - 2001)— siehe Profile


 

Lieber, verehrter KUS,
Ihre Mail mit dem fabelhaften Menschenrechtspoem hat mir den Final-Kick gegeben, meine schon begonnenen Reime zu Ende zu führen. Sie tragen das Motto des ersten der sieben Weisen des klassischen Altertums Thales:
 

Cognosce te ipsum

 

Ein Mensch, von …telligenzquotient

durchschnittlich In…, hat schlicht verpennt,
wie sich die Welt um ihn verändert,
derweil er nur mit sich verbendert
in seinem Turm aus Elfenbein.
Dort glaubt er, ganz er selbst zu sein —
doch schafft in ihrem Widerschein
die Außenwelt zuweilen Pein!
Die Sache wird erst recht verzwickt,
wenn er mit Mühe an sich schickt
in Harmonie und gleicher Lust
die beiden Seelen seiner Brust
in Gleich- und Wohlklang einzubinden
und so den rechten Weg zu finden.
Doch, ach, sie steh’n im Widerstreit:
Schizophrenie nennt man das heut’.
Selbst Platon sah die Sache schon
in allegorischer Façon:
Zwei Gäule zieh’n der Seele Wagen,
bereit, mit ihm dahinzujagen.
In Höhen einer sich erhebt,
der and’re stets nach unten strebt;
mit unterschiedlicher Tendenz
zieh’n zwei PS den Seelen-Benz.
Moral: Das Ganze ist zum Kotzen!
Es gilt, dem Widerstreit zu trotzen,
gelassen, stoisch sich gerieren,
ein abgeklärtes Leben führen.
Das ist nicht leicht, und prozental (← dichterische Freiheit!)
gelingt’s das ein’ und and’re Mal.
Doch wer gezwungen zu empfinden,
wie Kraft und Physis langsam schwinden
verspürt den Spruch Der Geist ist willig,
das Fleisch indessen schwach
als billig.
So kommt es einem tröstlich vor,
hat man den alten Satz im Ohr:
Ut désint víres, támen est
laudánd’ volúntas!
Und das lässt
mich viele schwere Fehls verbüßen
und alle Leute herzlich grüßen.
So tut’s nun dieser Zeilen Sender
aus München Ihr und Euer Bender

 

 


 

Ode auf das HAfG

("Memoria publica Hamburgi pro Carmina
et cantores impressos in compactos discos.")

 

Ich preise Stars auf Opernbrettern,
nicht angesagt in Riesen-Lettern,
nein, die, die täglich man gehört,
wenn sie verblichen, tief entbehrt.
Es klingen noch im Ohr die Lieder,
man hörte sie gern leiblich wieder.
Ihr Hall lebt tief im Menschenherzen:
der Liebe Zauber, Jubel, Schmerzen,
der Lyrik Reiz, des Schreckens Blässe,
der Helden Power, Wucht der Bässe.

Gehörtes wieder neu bewegen,
Gefühle wieder neu erregen,
die seinerzeit tief eingebrannten,
ist schwer, derweil von den Genannten
man wenig aufgezeichnet findet,
was das Erlebte neu entbindet.
Es ist bekannt, beim Hörgenießen:
Die medialen Katalysen,
CDs verschiedener Fraktur
sind aktivierender Natur.

Nicht wichtig ist die Sensation!
Carusos hohes c, der Ton
war wirklich zwölf Sekunden lang,
wenn er ihn als Manrico sang. 
Stets hatte Verdi protestiert —
im Grab hat er wohl revolviert!

Drei Herren haben sich gefunden,
der Sache mit Passion verbunden,
als Fan, Getreuer, als Student
die Sängerwelt ein jeder kennt.
Sie bildeten ein Komitèe
und gründeten das HA-f-G,
den großen Schatz von schönem Singen.

Die Triumvir’n, die das vollbringen
und ihm verleihen Hand und Fuß,
sind Leufgen, Schneider und der KUS —
das KUS Klaus Ulrich Spiegel meint.
In höchster Qualität vereint,
und mit enormer Ambition
betreiben sie die Produktion.
Für’s HA-f-G ein wahrer Segen,
dass diese drei dasselbe hegen.

Die Produktion obliegt Herrn Leufgen.
Er schuf bereits ein stattlich’ Häufgen
Anthologien großer Sänger.
Der Katalog wird laufend länger.
Und Thorsten Schneider trägt das Omen
dess’, was er tut, in seinem Nomen:
oft schnippselt er am Ton herum,
erreicht dabei das Optimum
an digitaler Qualität,
damit der Stimmen Frische weht.

Der Suada KUS’scher Urgewalten
kann niemand was entgegenhalten.
Höchst eloquent und kenntnisreich
kommt niemand seiner Schreibe gleich.
Die Kommentare seiner Hand
belegen größten Sachverstand,
gesangshistorisch, biografisch,
gewissenhaft und sehr emphatisch,
die KUS’schen Booklets: Unerreicht!
Man könnt’ befürchten, dass vielleicht
Don Specchio abgeworben würde,
doch bin ich sicher, dass die Hürde,
die, selbst errichtet, auch nicht fällt,
der Firma er die Treue hält.

Der Lieblingssänger große Zahl —
dem Opernfreund steh’n sie zur Wahl.
So kehrt ihm manch’ erlebtes Stück
im Sinn von Renaissance zurück.
Was er gehört von Bach bis Henze,
zu ordern gibt es keine Grenze.
Ein jeder kann das via Google
auf Nordhalb- oder Südhalbkugel;
es gilt für aller Herren Länder.
Dies weiß zu schätzen: Heinrich Bender

Für KUS

 

Ein Mensch, der tüchtig abgespeckt,

hat wieder süchtig Blut geleckt.

Sein Zustand ist beneidenswert 

für den, der gerne auch entbehrt' 

des üpp'gen Fettes auf der Wamme. 

O schwindet doch, ihr Kilogramme!

 

Trotz aller Mühe beim Entbehren, 

konnt' jener Mensch sich nicht erwehren, 

per Mailpost Freunden zuzustellen

was seinem Herzen will entquellen;

man ist ja ver- und internetzt!

Kaum jemand, der sich nicht ergetzt,

auf diesem Weg sich auszudrücken.

So ließ Don KUS auch mich beglücken.

Ich freute mich, dass mir's gelang -

trotz miserablem Netzempfang -

die Mails von ihm an Land zu ziehen.

 

Ein Grund die Muse zu bemühen!

Ob der Scribent, der dieses schriebte,

sich mit der Muse auch beliebte?

Sie hat ihm einen Schmatz gegönnt,

damit er gleich zum Schreibtisch rennt

Freund KUS gebührend Dank zu geigen,

ein Stück vom Busserl abzuzweigen!

 

Die Mails sind schiere Eloquenz,

man labt sich dran mit Vehemenz.

Es fasst mich an der Zeiten Lauf,

Passati tempi steigen auf

mit Pütz, der Silja, Schlemm und Hille,

del Monaco und andre Kille.

Betrübnis weckte Ungers Sterben,

und Bayreuth steht vor dem Verderben.
 

Was ist nur los mit Wagners Trina?

Ich las es in den Oscarina:

"Die letzte Zuflucht des Versagers

ist Ehrgeiz" - Dummheit eines Lagers, 

die eine Hybris generiert,

mit der sich Politik gern ziert.

Für's neu Gewand wär' Bayreuth offen,

könnt' neues Maß man sich erhoffen,

dass es als prägend' Vorbild gelte -

wie Wieland es in Szene stellte.  

Weißt Du, was daraus werden mag?!

Wann kommt er, der Johannistag?

 

Don Carlos läuft! Die Staatskapelle

macht leider das nicht auf die Schnelle.

Freund Schmitz, Hornisten-Urgestein,

traf heuer spät in Parzham ein.

Er nahm die Sache in die Hände.

Es braucht Geduld (bis Ferienende?).

 

Jüngst meldete sich Hans A. Hey,

dass er zur Kur in Griesbach sei.

er löchert mich nun schon seit Jahren

doch auch nach Ölbrunn-Dürrn zu fahren.

Ich kann dazu nicht auf mich raffen!

Jetzt greift er gar zu scharfen Waffen,

und sucht mich heim wo ich zu Hause 

in meiner Niederbayern-Klause.

 

Dieweil ich nicht mehr dirigiere,

nur am Computer musiziere,

ich mich beim Reimen delektiere.

und hoffe sehr, dass die Lektüre

bei andern möcht Gefallen finden.

Man muss ja nicht gleich Kränze winden

jedweder Kunst zu Ehr und Lohne! 

Als Dichter bin ich Epigone,

weil Eugen Roth ganz unverhohlen

ich die Idee „Ein Mensch“ gestohlen.

Mit Goethe kann ich wett nicht eifern,

drob könnt man rechtens sich begeifern.


Es grüßt der Dankesverse Sender

aus Niederbayern: Heinrich Bender

 

3. August 2011

 

 

 


 

"Musenkuss für KUS"

 

Ein Mensch, von Musen fasziniert,
ruft diese an, weil Dank gebührt.
Im Versmaß diesen kundzutun
lässt Bendern überhaupt nicht ruhn!
Drum fragt er bei Apollo an,
ob der ihm da nicht helfen kann;
der Töchter Zeusens hehre Sippe
hält nämlich dieser an der Strippe:
Melpomene Tragödien liebt,
Thalia sich komödisch gibt.
Terpsichore macht Mädchen hupfen.
Der Epen Schleier lässt gern lupfen
Kalliope, der Dichtkunst Muse.
Doch als Antik-Beate Uhse
singt ohne Ende die Erato
der Liebe Lust und Leid bis dato.
Der Instrumente Vielgestalt
nützt die Euterpe, dass es hallt
und Polyhymnia führt vor
den multiphonen Musenchor.
Die jetzt am Firmamente schimmern,
um die darf sich Uránia kümmern,
da Zeus, was im Olymp nicht ziemte,
flugs an den Abendhimmel beamte.

Es wird notiert von Clios Griffel,
was er verbrach, der wüste Büffel,
und so der Menschheit nahgelegt,
was mythisch sie so arg bewegt.
Doch ist sie technisch sehr gewachsen
durch Auto, Tele, Digi, Faxen.
Dank dem Erfinder Konrad Zuse
hat es jetzt einfach jede Muse.

Wie Clios Musenbruder KUS,
der keinen Griffel schwingen muss.
Er muss beherzt — auch mit Behagen —
nur seine Keyboard-Tasten schlagen
und so den Bender überreden
sogar in Wiktown aufzutreten.
Dass dies gelungen, sei bescheinigt,
nachdem die Fehlerchen bereinigt.

__________________________________


Zum Jahreswechsel 2012/2013

 

Ein Mensch, der Manches durchgemacht,
dabei auch Etliches vollbracht,
er glaubt am Ende seines Lebens,
dass sein Bestreben nicht vergebens.
Wenn da nicht wäre Fausts Devise,
die einen stürzt in manche Krise:
Dass der Moment, so schön, noch weile
und nicht so schnell erneut enteile,
das dürfe niemals sich ereignen.

Der Mensch nun müsste wahrlich leugnen,
dass er gehuldigt der Maxime,
nach der zu handeln es sich zieme.
Wie schön ist’s doch, noch auszuharren,
nicht gleich auf’s nächste Ziel zu starren,
vielmehr den Augenblick zu bannen,
die Zeit eilt ohnehin von dannen!
Es ist so schwer zu widerstehen,
Verlockungen zu übersehen,
dem süßen Glücke nachzugeben,
statt hehren Zielen nachzustreben.
Nur der Kairós der Alt-Hellenen
kann des Moments Bedeutung schönen:
Den Zeitpunkt darf man nicht verpassen,
die Okkasion beim Schopf zu fassen!

Wenn ungestillt auch Wissenslust
inquisitiv füllt seine Brust,
dann lebt der Mensch durch seine Tat,
der hoffnungsvoll entsprießt die Saat.
Was Goethe postulierend rief
— dabei nützt er den Konjunktiv,
der optativisch includiert,
wenn er emphatisch insistiert —,
liest man beglückt im Faustus Zwo.
Dort äußert sich der Dichter so:

Zum Augenblicke dürft’ ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Tagen
nicht in Äonen untergehn!

Es sei wie folgt noch postskribiert:
Ich stelle fest, ganz ungeniert,
dass Goethe hier exaggeriert,
wenn er Äonen uns serviert.
Dem Dichterfürst sei’s konzediert —
ist doch der Leser stark gerührt!
An Dimension von Zeitgefüge
ich mich mit weniger begnüge,
als unbeirrter Realist
mit dem, was überschaubar ist.
So mag, das ist dann abzuseh’n,
was ich erschaffen, nicht vergeh’n.

Wer möchte schon vergessen werden,
wenn er nicht mehr aktiv auf Erden?
Es heißt, dass man post mortem nicht
dem Mimen Ruhmeskränze flicht.
Doch gibt es Leute, die sich kümmern,
auf ihre Art am Nachruhm zimmern. 
Das HAfG steht auch dafür.

Doch jetzt steht Neujahr vor der Tür.
drum will ich die Betrachtung schließen,
möcht’ Gutes wünschen, herzlichst grüßen
die Freunde aller Herren Länder
und bleiben Euer Heinrich Bender

 

 

 


 

 

Exodus Sommer 2013

 

Ein Mensch, der 88 zählt,
obzwar er sich zuweilen quält,
weiß, dass die 8 bei den Chinesen
stets eine Glückszahl ist gewesen.
Die Schnapszahl lässt indess’ erkennen,
wie schnell die Jahre doch entrennen.
Jüngst hat man golden hochgezeitet,
hat die Erfahrung ausgeweitet
und feiert dies und das alljährlich.
Die Musen küssen nur mehr spärlich,
und um den Reim zu generieren,
mit Gruß verknüpft zu adressieren,
bedarf es mehr und mehr der Zeit,
Intuitions-Empfänglichkeit.

Doch weiter jetzt in Transition
mit erster Singularperson:
Da längst ich nicht mehr dirigiere,
nur am Computer musiziere,
mit Reimen ich mich delektiere
und darauf aus, dass die Lektüre
bei andern möcht’ Gefallen finden.
Man muss ja nicht gleich Kränze winden
jedweder Kunst zu Ehr und Lohne!

Als Dichter bin ich Epigone,
weil Meister Roth ganz unverhohlen
ich die Ein Mensch-Idee gestohlen.
Mit Goethe kann ich wett nichteifern,
drob könnt man rechtens sich begeifern.
Will drum die Verse nur erweitern,
um Adressaten zu erheitern.

Das sei der Zweck gereimter Zeilen.
Wir wollen wieder östlich weilen!
In Birnbachs, Griesbachs, Füssings Thermen
kann Leib und Seele man erwärmen.
Und Wallfahrtskirchen gibt’s in Haufen,
zur nächsten kann bequem man laufen.

Von Niederbayerns Pfaffenwinkel
schwärmt selbst der letzte Golferpinkel.
Wen es auch drängt ’ne Kur zu buchen,
der kann dabei auch uns besuchen.
Die Gegend dort ist einfach Spitze!
Genug der Reime und der Witze!

Von Herzen grüßt der Verse Sender
aus Niederbayern Heinrich Bender

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap

© Klaus Ulrich Spiegel