Blitze


                                 
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„Die Utopisten von heute
  sind die Realisten von morgen.
  Und die Realisten von heute
sind morgen tot.“


                                     Elisabeth Mann-Borgese

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                                         Erst dann …
                                   „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
                                     Sind Schlüssel aller Kreaturen,-
                                     Wenn die, so singen oder küssen,
                                     Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
                                     Wenn sich die Welt ins freye Leben
                                     Und in die Welt wird rückbegeben,
                                     Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
                                     Zu ächter Klarheit werden gatten,
                                     Und man in Mährchen und Gedichten
                                     Erkennt die wahren Weltgeschichten,
                                     Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
                                     Das ganze verkehrte Wesen fort.
                                     Erst wenn gleich warmen Sommerwinden
                                     Die Menschen sich zusammenfinden,
                                     Um dem fatalen Weltgeschehen
                                     Endlich vereint zu widerstehen …
                                     Dann fliegt vor einem geheimen Wort
                                     Das ganze verkehrte Wesen fort.


                      Novalis (Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg) / 1800
                                               ab Zeile 13: Ergänzung durch Konstantin Wecker / 2014

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                                André Scheer am 15.2.2017 in der jW:
          Es gibt einen Witz, der besonders gern in Lateinamerika erzählt wird:

          „Warum hat es in den USA noch nie einen Putsch gegeben?
                – Weil in Washington keine US-Botschaft existiert.“



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    „Die Kultur einer parlamentarischen Demokratie kommt weniger
        darin zum Ausdruck, dass am Ende Mehrheiten entscheiden,
     sondern darin, dass Minderheiten eigene Rechtsansprüche haben,
    die weder der Billigung noch der Genehmigung durch die
                                jeweilige Mehrheit unterliegen.”

           Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in seiner Eröffnungsrede
                                  zur aktuellen Parlaments-Legislaturperiode.


 

Gibt es überhaupt noch ein Thema, bei dem sich die SPD von der
CDU unterscheidet und wo Gabriel nicht Merkel hinterherläuft?
Da kann man gleich das Original wählen, statt eine billige Kopie.
Gabriel macht die SPD nicht nur zur Splitterpartei, sondern schon
jetzt zum billigen Jakob eine Großen Koalition 2017. Kein Wunder:
Die SPD verliert auch weiterhin mehr Mitglieder und liegt mit
  noch 451.543 Zahlenden nun hinter der CDU.       
Quelle: Telepolis


 

      Justiz? – Es geht doch!

            Von Wiglaf Droste
Wer »Bild-Zeitung« sagt, lügt schon mit. Bild ist keine Zeitung, sondern ungeklärter Schlamm, eine Mixtur aus Blut, Kodder und Samenklatsch, die
reine Ranschmeiße an jeden und Aufstachelung zu jedwedem niedrigsten Instinkt. Sogar tote Fische verfügen über weit mehr Charakter als Bild-Macher und -Leser, sofern diese des Lesens kundig sind; die Fischlein weigern sich, in Bild eingewickelt zu werden.
Nun wurde das ultra-aggressive Verblödungshetzblatt zu einer Strafe von 635.000 Euro verurteilt, vom Kölner Landgericht, zu zahlen an den juristisch
vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochenen Jörg Kachelmann, dessen Ruf und Karriere, was immer man von beidem halten mag, in die Jauchegrube Bild versenkt wurde. Eine besonders üble Rolle spielte dabei Alice Schwarzer,
die ihr Eintauchen in die Bild-Gülle für kritisches Gerichtsreportertum auszu- geben versuchte.
Inzwischen ist die um jeden Preis mediengierige Darrme als Steuerbetrügerin bekannt und gerichtsnotorisch; Kontopfändung und den Rest des Lebens schleimige Emma-Editorials schreiben wäre ein mildes Urteil für sie. Selbst- verständlich hat Bild – und das schon vor dem Urteil, was eine klare Aussage ist
– Berufung eingelegt; möge das Kölner Oberlandesgericht die Zwetschgen am Baum haben und das Strafmaß bestätigen oder erhöhen. Die Tage, an denen der Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, dessen Bolidenkopf von Helmut Kohl ent- wickelt wurde, und Alice Schwarzer die Handtücher werfen müssen, werden keine schlechten Tage für die Menschheit sein.

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        Tabu Israel-Kritik?
Kritik an der Politik des Staats Israel ist in Deutschland mit einem Tabu belegt. Politiker müssen fürchten, sich damit ins Abseits zu manövrieren. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft und viele jüdische Gemeinden scheinen eine Haupt-aufgabe darin zu sehen, öffentliche Kritik an der völker- und menschenrechts-widrigen Politik Israels zu verhindern. Landauf, landab wird gegen israel-kritische Veranstaltungen Sturm gelaufen, werden Bürgermeister und Kirchen- obere unter Druck gesetzt, ihre Räumlichkeiten israelkritischen Gruppen zu entziehen, denen Antisemitismus unterstellt wird (s. SZ: „Tumult statt Dialog‘“, 1.12.2015).
    Dabei zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung aus jüngster Zeit, dass Kritiker Israels ganz überwiegend nichts mit dem rechten politischen Spektrum zu tun haben, so gut wie keine antisemitische Vorurteile pflegen und über den israelisch-palästinensischen Konflikt viel besser informiert sind als die übrige Bevölkerung.
     In den letzten Jahren häufen sich Proteste gegen Äußerungen, die sich gegen die anhaltende Besatzung und Kolonisierung des Westjordanlandes und die Blockade des Gazastreifens wenden. Vor einem Jahr wurde in Nürnberg der israelische Friedensaktivist Reuven Moskovitz bei einem Auftritt von Vertretern der DIG, der Israelitischen Kulturgemeinde und des Jüdischen Studentenbunds niedergeschrien. Auf Druck dieser Gruppen erlaubt der Dekan keine Veranstal-tungen des Nürnberger Evangelischen Forums für den Frieden mehr im Haus der Kirche in Nürnberg.
     Die massive Störung von Vorträgen wie im Gasteig in München deutet auf eine neue Qualität des Vorgehens der Israel-Lobby hin, die offenbar meint, weil die Juden Europas den Holocaust erleiden mussten, brauche sich der Staat Israel an keinerlei Gesetze zu halten. Mit Empörung wird reagiert, wenn die EU darauf besteht, dass Israel den Assoziierungsvertrag korrekt einhält.
     Ist es nicht legitim, von Israel das Gleiche zu verlangen wie von jedem anderen Staat? Muss die Artikulation solcher Forderungen vom Münchner Oberbürgermeister verhindert werden?
                                                 Prof. Dr. Rüdiger Baron, Röthenbach (SZ / 7.12.2015)
                                                      s. Auskünfte / Notate: Ein Mailwechsel - Stolpersteine

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„Es gibt zwei Wege, eine Nation zu erobern und zu versklaven.
 Der eine ist durch das Schwert. Der andere durch die Verschuldung.“
                              Adam Smith
(1723-1790), Ökonom und Moralphilosoph

„Ergib dich nicht der Stimmung dessen, der dich beleidigt, und folge
  ihm nicht auf den Weg, auf den er dich schleppen möchte.“

                  Marc Aurel (161-180): Römischer Kaiser, letzter Stoa-Philosoph

„Ich habe keinen Ärger mit dem Vietkong. Kein Vietkong hat mich
 jemals einen Nigger genannt.“
           Muhammad Ali, Boxchampion,
    zu seiner Weigerung, zum US-Krieg in Vietnam einzurücken / 1965)
 
 

„Der deutsche Faschismus brauchte sechs Jahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen. Der Neoliberalismus schafft das locker
in gut einem Jahr“
                                              
                   Jean Ziegler, Vizepräsident des UN-Menschenrechtsrats (10/2012)

 

          „Die EU ist eine jämmerliche Großmacht, geführt von einer ganz
           mediokren Kommission, die keinerlei kollektiven Willen zeigt, im
           Mittleren Osten politisch tätig zu werden.“         Jean Ziegler  (8/2015)

 

                   „Bush is black. Obama ist der dritte Präsident Bush.“
                                               Dave Dictor, Leader der US-Punkband MDC (7/2015)

 

„Die Einmischung deutscher Richter in die politische Debatte hat jetzt  schon sichtbare Folgen: Aus Muslimfeinden werden ‚Islamkritiker‘,
als handele es sich um eine wissenschaftliche Disziplin. Statt Neonazi
oder Rechtsextremist schreibt man lieber juristisch unverfänglich ‚Rechtspopulist‘. Und aus Rassisten könnten, wenn der Trend der deutschen Rechtsprechung anhält, demnächst ‚Ausländerskeptiker‘ werden.“    
                                               Knut Mellenthin (jW / 11.8.2015)

„Erst die Griechenlandkrise, dann die VW-Krise, es folgte die Flüchtlingskrise, jetzt die Terrorkrise. Die Geschwindigkeit, mit der eine Krise die andere ablöst, nimmt bedenklich zu, die Aufmerksamkeit für ältere Krisen schwindet entsprechend. Sie scheinen medial ausgereizt.
Und so entsteht der Eindruck, die alten Krisen seien gelöst – schließlich sind sie ja nicht mehr in den Medien.“
                                                       Alexander Kritikos
(FR / 30.11.2015)

„Denkfaulheit, Feigheit, Rechtschreibschwäche und Internetanschluss
  – das ist in diesen Zeiten oft eine unglückliche Kombination.“

                     Frank-Markus Barwasser (Kabarettist „Erwin Pelzig“) / 2016


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Wiederholung
 „ … Nur weil das Wort vom Krieg vermieden wird, ist der Krieg schließlich noch nicht vermieden. Aber die nüchterne Analyse des kata- strophalen Scheiterns der letzten militärischen Anti-Terror-Missionen –
das endlose Debakel in Afghanistan oder der Krieg am Ende des Krieges im Irak – sollte schützen vor jener hypermoralisierten Idee vom Krieg als Instrument der Befriedung. Was den gegenwärtigen Diskurs über einen Krieg in Syrien so fragwürdig macht, ist keineswegs die Dominanz militärischen Denkens, sondern die geradezu spektakuläre Abwesenheit militärischer Argumente. Es scheint, als seien derzeit die Befürworter eines Krieges gerade dort überproportional vertreten, wo es an militärisch-strategischer Kompetenz mangelt.“

                                                Carolin Emcke (SZ-Gastkolumne / 5.12.2015)

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 Ja, so ist sie / die SPD.....
Ich bin dafür und bin dagegen.
Ich sag mal ja – und dann von wegen.
Ich rufe Hüh und auch mal Hot,
Ich geh mal langsam und mal flott.
Ich bin fürs Gestern und fürs Heute.
Ich bin für Wohlstand aller Leute.
Ich schaff viel Armut mit Hartz Vier.
Ich bin erst anti, dann dafür.
Ich bin für Frieden, klar: durch Krieg.
Ich bin für Rückzug und für Sieg.
Ich bin für Himmel und für Hölle.
Ich steh für Null und alle Fälle.
Ich liebe Hitze, doch auch Eis.
Ich bin für Weizen und für Mais.
Ich bin für Mensch und auch für Tier.
Trink längst Champagner, mag auch Bier.
Zähl aufs Vergessen meiner Wähler.
Bin drum der Lüge bester Hehler.
Ich spiel Partei für jedermann,
Damit mich jeder wählen kann
.
                                                                                     Helmut Eckert



Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an. 
Und der Arme sagte bleich: 
Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

                                                                                     Bertolt Brecht



„Am sympathischsten sind mir die Leute

deren Bekanntschaft mir erspart geblieben ist.“

                                                                                     Wiglaf Droste



"Die Öffentlich-Rechtlichen machen sich in jede Hose,
 die man ihnen hinhält, und die Privaten senden das,
 was darin ist."
                                                        Dieter Hildebrandt

 

 

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GroKo-EU nach Merkel-Schäuble-Gabriel
Schäuble im Juli 2015 erstmals vor Merkel an der Spitze der Popularitätsskala deutscher Demoskopen
"Schäuble ist korrupt (siehe seine schwarzen Koffer) - und er genießt
im Zusammenhang mit seinem Altersstarrsinn und seiner Ideologie-Verbohrtheit die Macht. Dieser Mann gehört abgesetzt - sofort!

Die Idee eines vereinten Europas kann uns schnuppe sein. Schon immer.
Es ist viel wichtiger, dass wir mit den verschiedenen Völkern glücklich nebeneinander wirtschaften und leben können. Der Kapitalismus aber
lässt das nicht zu - das müssen wir doch nach Hunderten von Jahren endlich begriffen haben!

Solidarität mit Griechenland und allen Völkern, die unter der Knute
der Finanzverbrecher leiden müssen. Proletarier aller Länder vereinigt euch!"

                                    Quelle: Der Freitag / Posting von comparse, 27.7.2015

 

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Verseuchte Sprache
Der Neoliberalismus hat mittlerweile die Sprache geprägt, und viele fallen darauf hinein: Merkel und Schäuble retten Griechenland, so sagen uns viele Medien, dabei haben sie die Banken gerettet. Die
Politik der Haushaltskürzungen nennen die Neoliberalen Reform-politik und Sparen, beide Begriffe sind in unserem Sprachgebrauch positiv besetzt, dabei stehen sie ausschließlich für Sozialabbau. In München werden Wohnungen für Millionen Euro erworben und bleiben leer stehen; sie dienen der Kapitalanlage. Dafür ziehen immer mehr Menschen weit weg, dahin wo die Mietpreise noch halbwegs erträglich sind. Im privatisierten Teil des Gesundheitswesens werden Kapital-anleger mit 16-prozentiger Rendite bedient - Krankenschwestern und Helfer hingegen unter Tarif bezahlt. Die jungen Leute, die eine Vier- Tage-Woche fordern, haben verstanden, dass uns die Produktivitäts- steigerungen schon seit lange stattliche Arbeitszeitverkürzungen erlauben würden. Bezeichnend, dass Sebastian Schoepps Reflektinoen über den Bedeutungswandel von Sprache im Neoliberalismus auf SZ Seite 45 stehen. Warum nicht auf Seite 1?

                                                      Ludger Elmer, Weichs (SZ, 20.8.2015)

 

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  "Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch
   stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, 
   einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode
   schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur 
   weniges davon ist in unserem Staat verboten.“
             Bertolt Brecht


  „Es lebt ein Geschlecht auf Erden, das Geschlecht derer, die sich nie
   umblicken, die nicht leiden, die nicht lieben, die nicht krank werden.
   Es ist ein Geschlecht aus Diamant. Und es zerschneidet das Geschlecht
   aus Glas.“
    
                                               Jean Cocteau (‚Die große Kluft‘)

  “Das Lügen von oberster Stelle bleibt der Modus operandi der US-Politik,
   zusammen mit Geheimgefängnissen, nächtlichen Operationen von
   Spezialeinheiten, dem Ignorieren der Kommandokette und Ausschluss
   aller derer, die Nein sagen könnten.”

                Seymour Myron Hersh (US-Investigativjournalist, Pulitzerpreisträger)

  „Das ständige Nachwachsen des guten Glaubens – das ist das Einzige,
   worin die Deutschen den anderen wirklich genial überlegen sind.“

                                      Robert Neumann in seinem Roman „Der Tatbestand“

  „Ich diskutiere nicht – ich belehre. Ich habe keine Gedanken – nur Kenntnisse.“
                                                     Joseph Roth live (bezeugt von Friedrich Torberg)
 

„Ja, es ist schlimm. Da beschließt die griechische Regierung erste unbedingt
  nötige Hilfsmaßnahmen für die Ärmsten, und dann sitzen in Brüssel die
  Herrschaften beisammen und erregen sich, und der brutalst dümmliche
  Schulz (SPD) reißt das Maul auf: Das ist nicht abgesprochen! Was heißt:
  Das ist nicht erlaubt! Und sie alle zusammen merken gar nicht mehr, wie
  weit sie sich von jeder Mitmenschlichkeit, von jedem Humanitätsgedanken
  überhaupt entfernt haben. Die Wut treibt Tränen in die Augen.“
                                                                                 
@ Medienstachel / 20.3.2015

   „No vietcong ever called me nigger.“
                       Muhammad Ali in der Begründung seiner Kriegsdienstverweigerung anlässlich
                                                                              der Abkommandierung als GI nach Vietnam1967


  „Eine Haltung haben. Dafür gerade stehen. Ein Opfer bringen.
    Klingt alles staubig, jaja. Aber nichts macht einen größer als das.“

                                                                
Holger Gertz / Nachruf auf Ali - SZ, 6.6.2016

      „Wer gegen rechts kämpfen will, muss links stehen.“
                                             Erik Marquardt / Mitglied des Parteirats von B'90/DIE GRÜNEN,
                                                                                 zur Arbeit am Bundes-Wahlprogramm seiner Partei 2017

           


                                           „Das kleinere Übel“ ist die Ausrede der Mitläufer.
                               Schlimmeres verhindert hat es nie, herbeigeführt immer.

                                                                Hermann Gremliza / "Haupt- und Nebensätze"
 

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                Schämen Sie sich, Herr Gabriel!
  Von der CDU ist man ja einiges gewöhnt. Von der SPD etwas weniger, weil
sie in den letzten Jahren zu dem Drama, das sich in Europa und besonders in
Südeuropa abspielt, ja zumeist schweigt. Jetzt aber hat der SPD-Vorsitzende Griechenland im Schäuble-Duktus ermahnt, „Reformen“ durchzuführen. Laut Spiegel-Online sagte er (höchst passend) der BILDzeitung: “Ein drittes Hilfs- paket für Athen ist nur möglich, wenn die Reformen auch umgesetzt werden.
Wir können nicht einfach Geld dorthin schicken.”
  „Die Reformen“– so etwas im Zusammenhang mit Griechenland zu sagen,
ist eine grandiose Unverschämtheit. Man kann nur wiederholen, was wir vor kurzem dazu gefragt haben: Die Löhne um 25 Prozent zu senken ist keine Reform, oder?
  Das Ergebnis der wichtigsten Reformen: Die Reallöhne pro Stunde in Grie- chenland sind in Euro auf der rechten Skala (einmal mit Verbraucherpreisen, einmal mit Produzentenpreisen gerechnet) aufgezeichnet, auf der linken Skala befindet sich die Arbeitslosigkeit. Die wichtigste Forderung an Griechenland
von der sog. Großen Koalition, aber auch der vorherigen Koalition in Deutsch- land war: das Land dazu aufzufordern, durch einen „flexibleren“ Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu werden. Von der Troika wurde folglich mit der Billigung Deutschlands enormer Druck auf die dortigen Löhne ausgeübt. Der war dann „erfolgreich“, denn es kam zum starken absoluten Absinken der Reallöhne. Sie sanken ab 2009 von 15,50 Euro bis 2014 auf 12,70 Euro aus Sicht der Verbraucher und noch stärker aus dem Interesse der Produzenten.
                                              
              Heiner Flassbeck auf Flassbeck-Economics

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      Umdenken.
Die bundesdeutschen Medien gehen unverzagt davon
  aus, dass alle DGB-Gewerkschafter/innen die Einheit der Arbeitenden im
  Lande, zumindest jedoch ihres Betriebs oder ihrer Branche und deren Schutz
  vor Gewalttaten des Kapitals verfolgen. Doch sind nicht die Zustimmung zu
    den Hartz-Gesetzen, die Nationale Plattform Elektromobilität, die Tarif- abschlüsse der letzten 15 Jahre, der freiwillige Verzicht auf gleichen Lohn auch für Leih- arbeit, die Transfergesellschaften mit DGB-Personal als Trägern und Tausende weitere Verhaltensbeispiele Beleg dafür, dass ganz große Teile der Betriebsräte, der Gewerkschaftsbürokratie und gewerkschaftlichen Aufsichts- räte fest mit dem Kapital verbunden sind? Wenn dem so ist, dann bedeutet Einheitsgewerkschaft die sklavische Unterordnung unter dessen Politik. Das
sog. „Tarifeinheitsgesetz“ ist die Belohnung der DGB-Mächtigen für ihre Super-Politik im Interesse von Staat und Kapital. Wir gehörten vor 30 Jahren derselben Partei an und haben an die Aktionseinheit im DGB geglaubt. Das war schon damals irrig. Hohe Zeit zum Umdenken!
                                                                 Herbert Thomsen,
Bremen
                                                              10 Jahre IG-Metall-Aktivist bei einer Großwerft

      Es ist immer wieder bemerkenswert, dass die Sorge um den großen
Kuchen nur dann aufkommt, wenn sich die Arbeitnehmer ein größeres Stück erkämpfen wollen. Wenn die Unternehmen ihre Gewinne steigern, wenn die Aktionäre ihre Coupons zur Bank tragen, wenn für Leute, die die Arbeit machen, nur Krümel bleiben, beklagen sich unsere Zeitungen nicht darüber.
                                                                                    Jakob Augstein auf SPON.
                                                                                  


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          „Das Fernsehprogramm am Samstagabend ist der Beweis dafür,
          dass der Hirntod nicht das Ende des Lebens ist.“
                                                                   
    Kabarett „Herkuleskeule, Dresden

  Lady Astor, eine erklärte Verehrerin Hitlers, stichelte einst gegen Winston   Churchill: „Wenn Sie mein Ehemann wären, würde ich Ihren Tee vergiften.“ Churchill erwiderte: „Wenn ich Ihr Ehemann wäre, würde ich ihn trinken.“
                                                                                                  Quelle: SZ-Streiflicht / 17.2.2016

    „Der Karneval kennt keine Selbstkritik. Ich habe mal im Rahmen einer TV-Sendung einen türkischen Karnevalsverein gegründet. Das wurde sehr, sehr ernst genommen. Sogar noch, nachdem wir die Sache aufgelöst hatten. Es wurde nicht verstanden, dass man so etwas wie einen Karnevalsclub auch mal nicht so ernst nehmen kann. --- Karneval ist reaktionär. Man kann dem eigentlich nichts Lustiges abgewinnen. Karneval fällt eher in die Kategorie „bizarres Volksfest“ Der Humorprofi ist vom Karneval eher angewidert. --- Deutsche Comedy ist der Versuch, mit den Mitteln des Karnevals Kabarett zu machen.“
                                         Jan Böhmermann
(TV-Moderator & Nightshowmaster)

     „Störend fürs Image der jetzt so leidenschaftlich für gerechte Frauenlöhne auftretenden SPD: Die Partei ist Hauptverantwortliche für ein Heer mehrheitlich weiblicher Unterbeschäftigter, die in der Statistik für die Konstruktion des deutschen Jobwunders herhalten müssen.“
                                       Jana Frielinghaus (jW – Der schwarze Kanal /März 2015)

     Bund und Sachsen: „In beiden Koalitionen hat die SPD im Kindersitz der Regierungslimousine Platz genommen. Ab und zu gibt es dann mal einen Schnuller von der Mutti. In dieser selbstgewählten Rolle steht die SPD in der Gefahr, von einer Volks- zu einer Funktionspartei zu mutieren. Der CDU beim Regieren zu helfen, ist eine Strategie zur Verzwergung der SPD. Sie wird so die Entfremdung von ihren Wählern kaum rückgängig machen können. Und es ist auch keine Strategie, um aus dem Tal der Tränen herauszukommen, in das sie durch das Basta-Eigentor der Agenda 2010 geraten ist. Diese Agenda und die uneingeschränkte Solidarität mit den USA, der Irrweg Afghanistan und der Drohnenkrieg von deutschem Boden – das lastet seit Gerhard Schröder wie eine schwere Grabplatte auf der SPD.
                               Karl Nolle (SPD-MdL in Sachsen, wirtschaftspolitischer Sprecher,
                                    Obmann in U-Ausschüssen zum „Sachsensumpf“/ jW-Interview
)

   „Es gibt Ungeheuer, aber sie sind zu wenige, um wirklich gefährlich werden
     zu können. Gefährlich – das sind die ganz normalen Menschen.“

                                   Primo Levi (zum Grauen über die Shoa und ihre Funktionäre)

    „Das Gerichtsverfahren gegen Oskar Gröning ist eine späte Genugtuung
    für die Opfer und eine Aufarbeitung ihres Leids. Es ist aber vonseiten der 
    deutschen Justiz und des Staates verlogen, einen SS-Buchhalter in sehr
    hohem Alter anzuklagen – hingegen:
    Ehemalige hochrangige Nazis wie Kurt Georg Kiesinger, Hans Globke,
   Hanns Martin Schleyer, Hans Filbinger konnten politische Karrieren machen.
   Von den Unternehmerfamilien Quandt, Flick, Porsche, Bohlen-Halbach zu
   schweigen, deren Erben heute noch von in  der Nazizeit „erworbenen“
   Vermögen profitieren und daraus seit Jahrzehnten großen wirtschaftlich-
   politischen Einfluss beziehen.
    Nach dem Raketenbauer Wernher von Braun sind Straßen benannt, nach
 Hitlers Weltkriegsgeneral Erwin Rommel Kasernen. Es ist einfach Heuchelei,
 wenn die Abarbeitung der Nazi-Verbrechen an den Grönings oder Demjanjuks
 stattfindet, doch anderes NS-Personal mit viel größerer Befehlsgewalt später
 Karrieren machte, sogar Staatsbegräbnisse bekam. Oder deutsche Industrie-
 konzerne eine Entschädigung von Zwangsarbeitern so lange hinauszögern
 konnten, bis möglichst wenige Betroffene noch am Leben waren.  
                           Unglaubwürdig. Zweierlei Maß. Zum Schämen.“
                                                                                   Markus Meister
, Kassel

            USA - Die größte “Show on the road”
„Die USA unterstützten - und in vielen Fällen erzeugten sie - jede rechte Militärdiktatur in der Welt nach Ende des 2. Weltkrieges. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, Türkei, Philippinen, Guatemala, El Salvador, und natürlich Chile. Der Terror den die USA in Chile 1973 ausgelöst haben kann nicht vergessen gemacht und niemals vergeben werden. Hundertausende fanden den Tod in all den Ländern. Hat es sie gegeben? Und sind all die Fälle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort ist ‚Ja‘, sie hat es gegeben und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber Sie wissen es nicht. Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Selbst während es passierte, war es nicht passiert. Es spielte keine Rolle. Es war nicht von Interesse. Die Verbrechen der USA waren systematisch, fort- während, brutal, unbarmherzig, doch nur wenige Menschen haben eigentlich darüber geredet. Das müssen Sie Amerika lassen. Es hat eine eiskalte Macht- manipulation ausgeübt, maskiert als Kraft fürs allgemeine Wohl. Ein brillanter, gar gewitzter, hoch erfolgreicher Akt der Hypnose. Ich sage Ihnen, die USA
sind zweifelsohne die größte ‚Show auf der Straße‘. Brutal, kalt, höhnisch und unbarmherzig, aber auch sehr clever.“

                            Harold Pinter, britischer Literatur-Nobelpreisträger 2005 in seiner
                                                                        vom Mainstream unterdrückten Preisrede.

 

      Zum Obigen:
Wem fallen da nicht die heute unter USA-Kontrolle „nicht passierten“ ermordeten Russen im Donbass, die „nicht passierten“ Toten vom Gewerkschaftshaus in Kiew oder die Verbrannten von Odessa ein? Die NATO-Medien schweigen. Der Schrift-steller Gerhard Zwerenz brachte es 2009 treffend auf den Punkt: „Wieso brauchen wir Astronomie, wenn Astrologie gefragt ist?“ --- Dies ist der Gegner, mit dem es Russland zu tun hat. Wenden wir uns den aktuellen Erscheinungsformen des US-NATO-Imperialismus als Paten der aggressiven Russophobie und des NATO- Ukro-Faschismus der Jahre 2014/2015 zu. Die Beweise für den faschistischen Charakter des Umsturzes und die in der Ukraine herrschende Paranoia sprengen den Rahmen des Themas. Sie sollten in Verbindung mit der Ukro-Faschismus-Leugnung in Deutschland zum Thema werden.                                                                                                                                      „Hinter der Fichte“ / 13.5.2015


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         Panzer zu Rollstühlen ...

          ... oder Warum Wolfgang Schäuble aus der EU
              ausgeschlossen werden muss

                  Von Wiglaf Droste
   Was am 11. und 12. Juli 2015 beim sogenannten EU-Gipfel geschah, kommt
einem Coup gleich, einem Staatsstreich. Vernunftbegabte Menschen aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen sehen das so. In einem Kommentar in der New York Times vom 13. Juli 2015 nannte der US-amerikanische Wirtschafts-nobelpreisträger Paul Krugman die Haltung der EU gegenüber Griechenland »verrückt«. Es handele sich dabei um »schiere Rachsucht, in kompletter Zerstö- rung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe«. Krugman schrieb weiter, die Erpressung Griechenlands sei »vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht annehmen kann – nichtsdestoweniger ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte. Auf eine Art ist die Wirtschaft dabei fast zweitrangig. Aber lasst uns darüber im Klaren sein: In den vergangenen Wochen haben wir gelernt, dass Mitglied der Euro- Zone zu sein bedeutet, dass die Gläubiger deine Wirtschaft vernichten können, wenn du aus der Reihe tanzt«.

   Krugman ist ein Klugmann – und bleibt unerhörterweise ungehört. Freund Friedrich mailte mir, was im Abschlusspapier vom 11./12. Juli 2015 zu lesen ist: »The government needs to consult and agree with the Institutions on all draft legislation in relevant areas with adequate time before submitting it for public consultation or to Parliament.« Die griechische Regierung muss alle relevanten Gesetzesentwürfe den »Institutionen« vorlegen und sich genehmigen lassen, bevor sie überhaupt bekanntwerden.
   Man muss nicht in jede Kerbe hauen, die sich bietet, aber hätte es eine Nazi- Besatzungsmacht inhaltlich sehr viel anders angelegt? Was deutsche Panzer
und die Waffen-SS nicht schafften, das will der deutsche Rollstuhlkommandant Wolfgang Schäuble zu Ende bringen; Schäuble war der erste deutsche Politiker
im Ministerrang, der die nationalsozialistische Wahnvorstellung von der
»Festung Europa« wieder öffentlich in den Mund nahm.
   Deutsche Besatzer kommen nicht mehr im Panzer, sondern im Rollstuhl.
Für Klippen oder Treppen, die sie versehentlich hinabsausen könnten,
haben Natur und Architektur in ausreichender Menge gesorgt. A Dieux, EU.

 

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                   Oskar Lafontaine:
              Wertegemeinschaft? Heuchlergemeinschaft!
  Präsident Obama hat Kanzlerin Merkel gelobt, weil Deutschland so viele 
  Flüchtlinge aus Syrien aufnimmt. „Kohls Mädchen“ wird sich gefreut haben.
  Welch eine Heuchelei. Die USA haben den Vorderen Orient in Brand gesetzt.
  Sie haben Saddam Hussein aufgerüstet, sie haben die Taliban und Al-Kaida
  mit Waffen versorgt, sie haben im Verein mit Saudi Arabien und Golfstaaten
  den Islamischen Staat aufgebaut. Es ist Zynismus und Heuchelei wenn der
  Drohnenmörder Obama Deutschland für die Aufnahme von Flüchtlingen
  aus Syrien dankt. Wie lange müssen wir warten, bis wir in Deutschland eine
  Regierung haben, die den USA den blinden Gehorsam verweigert, keinerlei
  Unterstützung für Ölkriege gewährt und fordert, dass die USA die Kosten
   für die Unterbringung der Kriegsflüchtlinge zu tragen haben?
                                                                                

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 SPD – Gesinnungslosigkeit ist Trumpf
    Vorratsdatenspeicherung, Griechen-Bashing, Flüchtlingspolitik,
     Ausländer-Maut, Betreuungsgeld, Privatisierung, NSA–BND,
         Drohnen, Russland, Ukraine, Streikrecht, TTIP usw. usf.


Erkenntnis des geblendeten Grafen Gloster
in Shakespeares KING LEAR:

 „Das ist die Seuche dieser Zeit: Verrückte führen Blinde.“
 („Tis the times plague, when madmen lead the blind“).
 

 

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Führungsstärke

Das Bundesministerium der Soldaten
ist dazu da, in der Welt zu siegen.
Jetzt hat es Millionen Euro verbraten
für Drohnen, die leider gar nicht fliegen.


Die Opposition ist hocherfreut
ob der Massen vergeudeter Steuern.
Sie sieht in der Causa die Möglichkeit,
den Bewaffnungsminister zu feuern.


Der Militärminister hingegen beklagt
diese Pleite und äußert Verdruss.
Aber ihm hat halt niemand Bescheid gesagt,
weshalb er auch nichts verantworten muss.


Der Kriegsminister kennt seine Pflicht.
Er erfüllt sie korrekt und gediegen.
Wenn aber gar keiner mit ihm spricht,
wie soll er wissen, ob die Drohnen fliegen.


Zurücktreten will der Mann mitnichten,
versichert jedoch, dass er sich drum bemüht,
dass seine Leute ihn künftig unterrichten,
was in seinem Hause so alles geschieht.


Denn wenn mal der Feind vor den Türen steht,
stark entschlossen zu ernstem Gefecht,
und man dem Chef nicht sagt, worum’s geht,
das wär’ ihm  dann auch nicht  recht.


                                                                       Günter Krone / jW

 

 

100 Jahre 1914
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

Erfahrung und Intuition
sagen mir: Deutsche Nation


will schon lange wieder dahin
(das hab ich im Instinkt und Urin),


wo es danach hienieden
nur Krieg gibt und keinen Frieden.

                                                                        Wiglaf Droste
                                                                        (bewiesen 30.11.2015)

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Der FreitagWochenzeitung – Herausgeber Jakob Augstein
zum Kandidatenvorschlag von SPD-B’90-Grüne
zum Amt des Bundespräsidenten – Februar 2012
 

                     WENDIGER PASTOR
Die Wetterfahne von Pastor, Bürgerrechtler und Aktenverweser Gauck hat sich nach der verlorenen Wahl von CDU/CSU in den rosarotgrünen Wind gedreht.
In den wenigen Monaten verbleibender Amtszeit erwartet er nichts mehr von den Verlierern, wohl aber einen pompösen Abschied von den gegenwärtig Regierenden. Er fühlt sich von Rosarotgrün derart beschützt und in ihrem politischen Bett unangreifbar, dass er öffentlich gegen Kohl Front macht. Undenkbar vor wenigen Monaten. Da gerierte er sich noch in schleimiger Servilität. Charakterlump nannte man früher jemanden, der sich borniert, undankbar und selbstsüchtig gegen die wendet, die ihn einst förderten. Dabei hätte er allen Grund, zitternd zu schweigen; denn das Terpe-Dossier (Freitag, 21.4.2000) ist für ihn voller Brisanz.
    Das hatte er mit Angstschweiß auf Stirn und Rücken bereits nach dem Abdruck der Akte in der "Welt" vom 23. April 1991 erkannt. Er musste befürch- ten, dass sich die Akte auch anderen erschloss. Doch West-Lesern blieb sie unzugänglich. Denen fehlten DDR-Intim-Kenntnisse. Ost-Leser indes wurden zum Terpe-Papier nicht gehört oder als Regime-Anhänger mit der Unterstellung abgetan, den ehrbaren Bürgerrechtler Gauck ans Messer liefern zu wollen. Gauck konnte aufatmen. Und sich vehement für den Passus im Stasi-Unterlagengesetz einsetzen, dass Opferakten nur mit Zustimmung der Opfer an Journalisten, Historiker etcetera herausgegeben werden dürfen. Wer aber legt fest, wer Opfer und Täter ist? Die Gauck-Behörde. Es ist hohe Zeit, über all das intensiv nach- zudenken, was mit dem unseligen DDR-Stasi-Erbe zusammenhängt.
     Seitdem ich die Demaskierung Gaucks in der Welt vom 23. April 1991 gelesen habe, weiß, sage und schreibe ich: Das Terpe-Papier reicht aus, ihn wie Tausende andere aus dem Öffentlichen Dienst zu verbannen. Gauck mit dem Stasi-Namen "Larve" ist nach Maßstäben seiner Behörde ein Täter. Ein von der Stasi über- prüfter Täter, wie Stasi-Berichte über Gauck belegen. Daß Gauck im Öffentlichen Dienst verbleibt, wird im Osten als Ungerechtigkeit gewertet und missbilligt. Sonderschutz für einen willigen Vollstrecker ist eine harmlose Beschreibung dieses Umstandes.
    Anmerkungen des Ostlers Peter Michael Diestel – als letzter DDR-Innen-minister sicher auch Kenners der Materie zum Dossier von MfS-Hauptmann Terpe über seine Begegnung mit Larve/Gauck am 28. Juli 1988:
    Gauck erklärte nach der Wende in der FAZ, die auch für ihn zuständige mecklenburgische Kirchenleitung habe vor der Wende jegliche Kontakte zur Stasi untersagt. Über eine ihn betreffende Ausnahmeregelung teilte er nichts
mit. Fand sein Treffen mit dem Stasi-Offizier also ohne Zustimmung seiner vorgesetzten Kirchenbehörde, demzufolge konspirativ statt? Der Stasi-Mann hatte sich am Abend vor dem Treffen telefonisch gemeldet - informierte Gauck sofort seine Kirchenleitung, den Landesbischof? Gauck hat dem MfS-Mann weitere Gespräche in Aussicht gestellt. War sein freundliches Anerbieten von
der Kirchenbehörde gedeckt? Gauck kündigte an, er werde von dem Gespräch mit Terpe den Landesbischof informieren. Fand dies statt? Wenn ja, mit welcher Erwiderung vom Landesbischof? Existiert ein kirchliches Papier, das Auskunft über das Treffen Gauck-Terpe gibt?
    Warum fand das Treffen in Gaucks Wohnung und nicht in einem Dienstzimmer der Kirche statt?
    Pastor Gauck erklärte dem Hauptmann Terpe, er sei nicht gewillt, "mit nicht kompetenten Mitarbeitern des MfS Gespräche zu führen", er werde sich von vornherein verbieten, "mit einem kleinen Leutnant des MfS zu sprechen". -
Das scheint mir nicht die Sprache eines Widerständlers zu sein, sondern die
eines Mitmachbereiten. Mit "kleinen Mitarbeitern" lassen sich "große Dinge" nicht besprechen.
    Bei vielen MfS-Mitarbeitern glaubt Gauck neurotische Züge zu erkennen,
klärt er Terpe auf. Mit wie vielen Stasi-Leuten pflegte der Pastor Umgang, um sich ein solches Urteil bilden zu können?
    Ausführlich sprach Pastor Gauck über den Kirchentag in Rostock - mit Billi- gung seiner Kirche, seines Bischofs? Hatte Gauck in Vorbereitung des Kirchen- tages mit der Stasi zu tun? Mit Zustimmung der Kirche und des Bischofs? Existiert darüber bei der Kirche ein Papier? Weitere bei der Stasi?
    Pastor Gauck rühmte den Dialog zwischen Christen und Marxisten, wie er
mit Vertretern des Bereiches Marxismus/Leninismus auf dem Rostocker Kirchen- tag stattfand, und sprach sich für dessen Weiterführung aus. Er bedauerte, dass der SED-Chefideologe Reinhold daran nicht teilgenommen hatte. - Da wird kein standfester Bürgerrechtler oder Dissident erkennbar, vielmehr einer, der sich der anderen Seite anbiedert.
    Pastor Gauck wünschte sich für die DDR stabilisierende Veränderungen Gorbatschowscher Art. Er befürchtete, dass sich die positiven Zielsetzungen der DDR sonst nicht realisieren lassen. Gauck als DDR-Stabilisator.
    Gauck führt seine BRD-Reisen an. - Warum und wofür erhielt er diese Ver- günstigung durch die DDR-Behörden? Millionen wollten reisen und durften nicht.
    Großen Raum nahm im Gedankenaustausch Gauck-Terpe das Problem DDR-Übersiedler ein. Terpe: "Gauck äußerte, dass er selbst in seiner Gemeinde dahingehend wirksam werden will, dass er die ihm dort bekannten Übersied-lungsersuchenden durch Gespräche, mehrmalige Gespräche beeinflussen will, damit sie in der DDR bleiben." Terpe dankte dafür. - Deutlicher kann man eine Zusammenarbeitsbereitschaft kaum formulieren. Pastor Gauck nahm im Sinne des MfS, der SED, des Staates Ausreisewillige an die Brust.
    Pastor Gauck beschimpfte ausreisewillige junge Angehörige der Intelligenz wie auch Ärzte und Jugendliche, sie besäßen "nur eine Unterentwicklung im Punkt Heimatgefühl". Das Verschweigen politischer Gründe kann als Demuts-haltung gegenüber dem MfS-Hauptmann gewertet werden.
    Hauptmann Terpe dankte Pastor Gauck "für seine Initiativen und für seine langfristig gute Zusammenarbeit". Ausdrücklich verwies der Stasi-Mann darauf, dass er nicht nur persönlich dankt, sondern dass der Dank vom Ministerium für Staatssicherheit insgesamt kommt. - Wofür, Herr Gauck? Allein eine Passage dieser Art hat ausgereicht, Tausende Menschen aus ihrer Berufs- und Lebens- bahn zu werfen.
    Pastor Gauck erklärte, das Gespräch mit Hauptmann Terpe habe ihn ange- nehm überrascht, es habe ihm viel gegeben. Er glaube, "dass das MfS einen echten positiven Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft einbringen wird" - Auch diese Passage wäre anderen zum Verhängnis geworden.
    Gauck bot dem MfS-Mann Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Ökologie an. Dies war für die Partei- und Staatsführung der DDR ein besonders sensibler politischer Bereich, in dem der gefürchtete Einfluss der Grünen aus der BRD vermutet wurde. Gaucks Anerbieten dürfte vom MfS zur Kenntnis genommen worden sein.
     MfS-Hauptmann Terpe teilte Pastor Gauck mit, dass ihn seine in die BRD übergesiedelten Kinder ab sofort besuchen dürfen. - Solch ein Privileg vergab
der Staat nicht ohne Gegenleistung. Ein Klient von mir, der als Jugendlicher die DDR verlassen hatte, wurde verhaftet, als er seine Mutter in Ost-Berlin besuchen wollte. Er wurde anderthalb Jahre ins Gefängnis gesteckt, bis ihn dann die Bundesrepublik mit Hilfe von Professor Vogel freikaufen durfte. Geldleistung der BDR - welche Leistung bot Gauck?
    Pastor Gauck fragte den Stasi-Mann Terpe, ob er etwas dagegen habe, wenn
er - Gauck - den Landesbischof über das Gespräch informiert - Gauck servil.
Wer vorhat zu unterrichten, fragt nicht, der teilt mit: Ich informiere.
    Abschließend bat Pastor Gauck, Kontakt zu MfS-Hauptmann Terpe halten zu dürfen. Der Stasi-Mann gewährte die Bitte. - Notiz des Hauptmanns zur Aus-
wertung des Gesprächs: "Es wird vorgeschlagen, den OV ›Larve‹ zu archi-vieren und einen IM-Vorlauf anzulegen." Klartext: Stasi-Hauptmann Terpe war nach dem Gespräch davon überzeugt, Pastor Joachim Gauck bald als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) in den Reihen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR
zu haben. Als willigen und fähigen Mitarbeiter, als Marxismus/Leninismus-Sympathisanten. Was nach Lektüre des Dossiers zu verstehen ist.
    Inzwischen ist Gauck mit meinen für ihn brisanten Fragen konfrontiert worden. Keine einzige davon beantwortet er. Stattdessen wiegelt er ab und versucht, sich zu entlasten. Es läge ein Operativer Vorgang über ihn vor, der weise ihn als Opfer und nicht als Täter aus. Damit reagiert Gauck so, wie es IM gemeinhin tun: Er leugnet seine enge Stasi-Verbindung. Zudem erklärt Gauck,
er werde gegen meine Aussagen über ihn keine juristischen Schritte unter-nehmen. Wie sollte er auch. Wenn die Stasi-Akten bei ihm genauso wenig oder genau so viel lügen wie bei anderen, dann muss er sich das gefallen lassen.
    Wie immer rechnet Gauck damit, dass vor allem westliche Leser vieles aus dem Ost-Leben nicht entschlüsseln können. Deshalb einige Erläuterungen zum Operativen Vorgang, auf den Gauck zu seinem vermeintlichen Schutz erneut verweist. Dabei stütze ich mich - für Gauck pikanterweise - auf Unterlagen aus seiner Behörde!
    MfS-Chef Mielke erklärte im Zusammenhang mit der Aufgaben bezogenen Suche, Auswahl, Überprüfung und Gewinnung von IM: "Es geht also insgesamt darum, die Anstrengungen wesentlich zu erhöhen, um unter operativ bedeut- samen Personen bzw. Personenkreisen Werbungen durchzuführen". Folgerichtig wurde in Richtlinie Nr. 1/79 für die Arbeit mit Inoffiziellen Mitarbeitern (IM)
und Gesellschaftlichen Mitarbeitern für Sicherheit (GMS) in § 4, Abs. 1 festgelegt: "Zur Erarbeitung von Ausgangsmaterial für die Gewinnung neuer IM sind alle politisch-operativen Arbeitsprozesse und deren Ergebnisse planmäßig und ziel- strebig zu nutzen, insbesondere die Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge ..."
    Hauptmann Terpe schloss den Operativen Vorgang, nachdem die Stasi zu Gauck ein "gutes Verhältnis" hergestellt und seine Bereitschaft zur weiteren engen Mitarbeit festgestellt hatte. Der MfS-Hauptmann schlug vor, einen IM- Vorlauf über Gauck anzulegen. Dazu stellt der § 1 (Grundsätze) der 1. Durch- führungsbestimmung zur erwähnten Richtlinie Nr. 1/79 fest: Personen, die als IM-Kandidaten ausgewählt werden, sind IM-Vorläufe. Pastor Gauck, der sich als Widerständler und Bürgerrechtler feiern lässt, ein IM-Kandidat der Stasi!
    Der IM-Vorlauf hatte nach Richtlinie 1/79, § 4, Abs. 1 u. a. "die Erarbeitung des Werbungsvorschlages" zur Aufgabe und sollte nach § 2, Abs. 2 in einer Akte "den Prozess der Gewinnung als IM" darstellen und festlegen, welche Aufgaben "mit der vorgesehenen Gewinnung" gelöst werden sollen, welche "Einsatzmöglich-keiten zur Lösung von Aufgaben des MfS" bestehen. Schließlich soll die IM-Vorlauf-Akte den "Bericht über die erfolgte Verpflichtung" enthalten. "Die Laufzeit der IM-Vorlauf-Akte wird auf neun Monate begrenzt."
    Man lasse sich also auch nicht von Gaucks Ablenkungsmanöver täuschen,
die Stasi habe so und so viele IM auf ihn angesetzt. Eine solche Überprüfung
des IM-Kandidaten gehörte zu den Pflichtübungen des MfS!
    Eine weitere Überlegung zum Spannungsfeld "Täter-Opfer", in dem sich Gauck als "Opfer" sieht. Schauen wir ins Stasi-Unterlagengesetz (StUG), in die heutige Bibel von Gauck. Wer "Betroffener" und "Dritter" (mithin "Opfer") bzw. "Mitarbeiter" und "Begünstigter" (folglich "Täter") ist, erläutern die Begriffsbestimmungen dieses Gesetzes im § 6. Ob Personen Mitarbeiter, Begünstigte, Betroffene oder Dritte sind, ist nach § 6, Abs. 8 gesondert festzustellen. Maßgebend für diese Feststellung ist, mit welcher Zielrichtung die Informationen in die Unterlagen aufgenommen wurden. Mit anderen Worten: Allein die Sichtweise des MfS als aktenführende Stelle ist für die Zuordnung maßgebend. Die Stasi wollte - siehe Terpe - die Zusammenarbeit mit Gauck intensivieren und ihn deshalb zunächst in den Status eines IM-Kandidaten erheben, um ihn schließlich als IM zu werben.
    Das bedeutet nach StUG: Herr Gauck kann nicht - jedenfalls nicht ausschließ- lich, wie er es tut - den Status eines "Betroffenen" ("Opfers") für sich in Anspruch nehmen.
    Übrigens schließt das StUG aus der "Betroffenen"-Kategorie "Begünstigte" (folglich "Täter") aus. Nach § 6 Abs. 6 StUG zählen zu den "Begünstigten" auch Personen, die vom MfS wesentlich gefördert worden sind. Nicht nur sein vorgesehener IM-Einsatz klassifiziert Pastor Gauck mindestens als "Begünstig- ten" im Sinne des StUG. Mithin ist Gauck nach diesem Gesetz der "Täter"-Seite zuzuordnen.
    Kurzum: Der Einsatz von Gauck als IM war von der Stasi innerhalb einer überschaubaren Frist vorgesehen. Eine Kleinigkeit kam dazwischen: die Wende. Wendig wendete sich Gauck vom Machtfaktor MfS ab und dem neuen Macht-faktor zu. Als wiederum dieser 1998 seine Wende erlitt, wendete sich Gauck wendig dem gegenwärtigen Machtfaktor zu. Wie bezeichnete man früher einen solchen Charakter?
    Unser Grundgesetz garantiert Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Deshalb bleibe ich dabei: Gauck ein Opfer? Nein. Er gehört aus dem Öffentlichen Dienst entlassen.
    Auf Wiedersehen, Herr Gauck!

 

 

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In memoriam Karlheinz Deschner
23. Mai 1924 Bamberg – 8. April 2014 Hassfurt
 

Mancher Uhu meint, die Nacht komme seinetwegen.

 

Zur Liebe braucht man mehr Phantasie als Verstand, mehr Sinn
fürs Ganze als für Details und alle Leidenschaften zusammen.

 

Sicher an der Erlösung ist nur der Erlös daraus. 

 

Heimat ist nicht dort, wo man wohnt, sondern wo man liebt und
geliebt wird.

 

Es gehört viel dazu, eine Brücke hinter sich abzureißen, wenn man
auch keine vor sich hat.

 

Für mich ist ein Unrecht, ein Verbrechen, vor fünfhundert, tausend, fünfzehnhundert Jahren genauso lebendig und empörend wie ein
Unrecht, ein Verbrechen, das heute geschieht oder erst in tausend,
in fünftausend Jahren.

 

Wer in der Liebe Wunder erwartet, vergisst, dass der das größte
schon hat.

 

Je mehr Würde man für eine Sache aufwendet, desto würdeloser
ist sie gewöhnlich.

 

Fragt man sich doch, warum der Herr nur seinen Jüngern erschien
und nicht auch seinen Anklägern und Richtern, vor denen er den
Glauben an seine Auferstehung ja viel wirksamer hätte begründen
können.

 

Sowenig man die Liebe den Prostituierten anvertrauen darf, sowenig
die Religion den Pfaffen.

 

Viele, vielleicht die meisten Menschen scheuen sich, gröbsten Betrug
gerade auf dem für sie »heiligsten« Gebiet anzunehmen. Gleichwohl
wurde nie gewissenloser, nie häufiger gelogen und betrogen als im
Bereich der Religion.

Religionen sind Fertighäuser für arme Seelen.

Moderne Regierungen brauchen keine Hofnarren mehr.

 

Einziger Grund, warum ich kein Kommunist bin: die Kommunisten.


Der Grund, warum ich kein Christ bin: das Christentum.

 

Das Charakteristische des Politikers ist nicht, dass er für eine Partei
agitiert, sondern dass er für jede agitieren könnte.

 

Man hat auf dieser Welt nicht nur die Wahl, mit den Wölfen
zu heulen oder mit den Schafen zu blöken.

 

Moral - meist Predigt dessen, der nicht daran glaubt, für den,
der sich nicht darum kümmert.

 

Schicksal der Kirche? Kein Elefant verfault an einem Tag.

 

Es gäbe wenig Gläubige auf der Welt, kennten sie ihre
Glaubensgeschichte so gut wie ihr Glaubensbekenntnis.

 

Denken überzeugt Denkende. Darum überzeugt Denken selten.

 

Sie machen gute Minen zum bösen Spiel.

Sie überziehen wie Krätze die Welt und halten sich für die
Krone der Schöpfung.

Wer einen Krummstab tragen will, krümmt sich beizeiten.

Den Adel der Arbeit erfanden dieselben Kreise, die auch den
Segen der Armut erfunden haben.

 

Wer nicht denken kann, glaubt. Wer Angst vor dem Denken hat,
glaubt. Wer glaubt, denken zu können, glaubt. Das glauben fast alle.

 

Seit Einführung des Rettungsschusses drückt der deutsche Polizist
gern ein Auge zu.

Heutzutage gilt man schon als guter Christ, wenn man seinen Kirchenaustritt wiederholt verschiebt.

Wäre der Unglaube so ansteckend wie der Glaube, ginge es dann
nicht etwas glaubhafter zu auf der Welt?

 

Der Glaube versetzt Zwerge.

Gott ist der einzige Herr der Welt, der weniger zu sagen hat als
seine Diener.


Blinder Glaube? - Was sonst!

Wo Klerus herrscht, hat Kreuz kein Ende.

"Um Gottes Willen!" - bedeutet das je etwas Gutes?

Dass Glaube etwas ganz anderes sei als Aberglaube,
ist unter allem Aberglauben der größte.


Warum gehen kranke Päpste nicht nach Lourdes?

 

Je größer der Dachschaden, desto schöner und ungestörter
die Aufblicke gen Himmel.


Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wer aber immer lügt,
dem glauben Millionen ein Leben lang.

Aufklärung ist Ärgernis.
Wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher.


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Papst Eugenio Pacelli & Kardinal Joseph Frings (Köln) - Faschistenpartner-Kleriker beisammen.
Die Spruchblase spielt auf den Running-Gag in Ernst Lubitschs Kultfilm To Be Or Not To Be an:
"Soso, man nennt mich also Konzentrationslager-Erhardt".


Korrupt ist, wer für die Begünstigung von Personen und Institutionen
 Geld oder geldwerte Vorteile nimmt oder gibt. Gerhard Schröder, Joseph
Fischer, Ronald Pofalla und all die anderen sind nicht korrupt, weil sie  darauf geachtet haben, den verdienten Lohn für ihre Verdienste erst nach Ablauf ihrer Amtszeit zu kassieren. Journalisten hingegen, die ihr Leben
lang ein bisschen Meinung an den meistbietenden Verleger verkaufen, sind nicht korrupt, weil es albern wäre, etwas anderes von ihnen zu erwarten,
und damit das Merkmal der Täuschung entfällt.“

                                                        Michael Schilling in konkret / ‚welt & macht‘

 

 

Karl Kraus  (1874-1936)

Österreichischer Publizist, Satiriker, Polemiker, Lyriker, Aphoristiker,
Kultur-, Literatur- und Sprachkritiker, Kriegsgegner, Journalismusverächter,
Herausgeber DIE FACKEL

"Der größte deutschsprachige Satiriker des 20. Jahrhunderts" (Alfred Pfabigan)

Politik ist der Freiraum, den die Wirtschaft ihr lässt.

Der Skandal fängt an, wenn die Polizei ihm ein Ende macht.

In keiner Sprache kann man sich so schwer verständigen wie in der Sprache.


Wer andern keine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Der Parlamentarismus ist die Kasernierung der politischen Prostuitution.

Es gibt Frauen, die nicht schön sind, sondern nur so aussehen.

Es gibt Männer, die man mit jeder Frau betrügen könnte.

Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben.

Sie sagte sich: Mit ihm schlafen ja - aber nur keine Intimitäten.

Ich stehe immer unter dem starken Eindruck dessen, was ich
von einer Frau denke.


Zur Vollkommenheit fehlte ihr nur ein Mangel.

Es reicht nicht, keinen Gedanken zu haben.
Man muss auch unfähig sein, ihn auszudrücken.

Dass einer ein Mörder ist, beweist nichts gegen seinen Stil.
Aber der Stil kann beweisen, dass einer ein Mörder ist.

Das Wort "Familienbande" hat einen Beigeschmack von Wahrhaftigkeit.

Die Verzerrung der Realität im Bericht
ist der wahrheitsgetreue Bericht über die Realität.


Nicht alles, was totgeschwiegen wird, lebt.

Künstler haben das Recht, bescheiden, und die Pflicht, eitel zu sein.

Wer das Lob der Menge gern entbehrt, wird sich die Gelegenheit, 
sein eigener Anhänger zu werden, nicht versagen.

Geräusch wird störend nie empfunden,
weil stets es mit Musik verbunden.

Der Politiker steckt im Leben, unbekannt wo.
Der Ästhet flieht aus dem Leben, unbekannt wohin.

Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken,
wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.

Der eine schreibt, weil er sieht, der andere, weil er hört.

Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?

Es gibt seichte und tiefe Hohlköpfe.

Ein Feuilleton schreiben, heißt: auf einer Glatze Locken drehen.

In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.

"Würde" ist die konditionale Form von dem, was einer ist.

 

Man erkennt Deutschnationale daran, dass sie kein Deutsch können.

Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!

Man könnte größenwahnsinnig werden: so wenig wird man anerkannt.

Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut.
Sie hört nicht, was ich sage, und ich sage nicht, was sie hören möchte.

 

Karl Kraus
DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT
5. Akt / 40. Szene:
Kommerzienrat Ottomar Wilhelm Wahnschaffe tritt aus seiner Villa und singt das folgende Couplet, dessen musikalisches Nachspiel zu jeder Strophe von einem unsichtbaren Chor mitgesungen wird, der das Gelächter des Auslands vorstellt.

 


Ich bin ein Deutscher!

 

Ob unter See, ob in der Luft,
wen Kampf nicht freut, der ist ein Schuft.
Doch weil das Schuften ich gewohnt,
so schuft' ich nicht bloß an der Front,
ich kämpf' auch schneidig und gewandt
und halte durch im Hinterland,
ich schufte früh, ich schufte spat,
die Schufte das erbittert hat.
Nur feste druff! Ich bin ein Deutscher!

 

Im Frieden schon war ich ein Knecht,
drum bin ich es im Krieg erst recht.
Hab stets geschuftet, stets geschafft,
vom Krieg alleine krieg' ich Kraft.
Weil ich schon vor dem Krieg gefrohnt,
hat sich die Front mir auch gelohnt.
Leicht lebt es sich als Arbeitsvieh
im Dienst der schweren Industrie.
Heil Krupp und Krieg! Ich bin ein Deutscher!

 

Ich scheue keine Müh' und Plag',
zu wenig Stunden hat der Tag.
Dass fester steh am Rhein die Wacht,
hab' ich die Nacht zum Tag gemacht.
Weil vor dem Krieg ich nicht geruht,
drum gibt es Krieg, und uns geht‘s gut.
Wir schlagen uns mit Vehemenz
und schlagen kühn die Konkurrenz.
In Not und Tod: Ich bin ein Deutscher!

 

Ich geb mein deutsches Ehrenwort:
wir Deutsche brauchen mehr Export.
Um an der Sonn 'nen Platz zu haben,
gehn wir auch in den Schützengraben.
Zu bessrer Zukunft Expansionen
hilft uns so unbequemes Wohnen.
Einst fragt ich nicht nach Gut und Geld,
der neue Deutsche ist ein Held.
Der neue Deutsche ist ein Deutscher!

 

Krieg dient uns, damit Waffen sind.
Wir drehn den Spieß, wer wagt gewinnt.
Das Lebensmittel ist uns Zweck,
drum nehmen wir vorlieb mit Dreck.
Wir mischen Handel mit Gebet,
die Kunst im Dienst des Kaufmanns steht.
Es war einmal, doch jetzt ist's aus,
Walhalla ist ein Warenhaus.
Für Ideale lebt der Deutsche!

 

In solchem Leipziger Allerlei
lebt es sich fromm, jedoch nicht frei.
Fehlt es dann aber auf dem Tisch,
lebt es sich fröhlich, doch nicht frisch.
Lebt von der Hand sich‘s nur zum Mund,
so ist das Leben ungesund.
Denn mehr noch von dem Mund zur Hand
hält durch des Deutschen Vaterland.
Von Idealen lebt der Deutsche!

 

Für dies Prinzip, und es ist gut,
schwimmt heute der Planet in Blut.
Für Fertigware und Valuten
muss heut' die ganze Menschheit bluten.
Nehmt Gift für Brot, gebt Gold für Eisen
und lasst den deutschen Gott uns preisen!
Gebt Blut – habt ihr das nicht gewusst? –
für Mark: das ist kein Kursverlust!
Darum erhofft Profit der Deutsche!

 

Steht unsre Sache mal so-so,
gibt Wahrheit uns das Wolff-Büro.
Doch geht die andre Wahrheit aus,
verköstigen wir uns doch im Haus,
Fehlt selbst das Fremdwort Surrogat,
wir Deutsche wissen dennoch Rat.
Wir setzen prompt an seinen Platz
das gute deutsche Wort Ersatz.
Auf Deutsch gesagt: Ich bin ein Deutscher!

 

Und wenn die Welt voll Teufel wär'
die Fibel sagt: Viel Feind, viel Ehr.
Drum: Deutschland über alles setzt
sich kühn hinweg zu guter Letzt.
Weil bei uns alles schneidig ist,
die ganze Welt uns neidig ist.
Gott weiß allein, wir sind so brav,
wir wünschen, dass er England straf'.
Beim deutschen Gott, ich bin ein Deutscher!

 

Wir preisen Gott auf unsre Weise
wie vor dem Krieg zum alten Preise.
Zur Ehre Gottes, des gerechten,
woll'n wir auch gern im Schatten fechten.
Gäb's alleweil nur Sonnenschein,
man könnt' des Lebens sich nicht freun.
Das wahre Glück bringt Schießen nur,
drum gaudeamus igitur.
Ein munt‘rer Bursche bleibt der Deutsche!

 

Das eine aber weiß ich nur,
wir Deutsche haben mehr Kultur.
Kultur, bei allen andern Gaben,
ist mit das Beste, was wir haben.
Wir schwärmen für die Schlachtenlenker,
doch sind wir auch das Volk der Denker.
Gern wolln für Schillern und selbst Goethen
wir ein »Denn er war unser« beten.
Mit Bildung schmückt sein Heim der Deutsche!

 

Deutsch ist das Herz, deutsch der Verstand,
mit Gott für Krupp und Vaterland!
Die Grenzen sichert Hindenburch,
im Innern halt ich selber durch.
Wir Deutsche haben zu viel Glück;
geh‘n wir bescheiden drum zurück,
nimmt man, des Sieges sich zu freu‘n,
die eigne Siegfriedstellung ein.
Hurra! sagt in dem Fall der Deutsche!

 

Wir sagen stolz: Viel Feind, viel Ehr!
Belegte Brötchen gibt‘s nicht mehr.
Und mangels derer unentwegt
die Welt mit Bomben wird belegt.
Uns hilft die deutsche Wissenschaft
nebst Gott, der eben England straft
und der den Menschen nur erschuf,
zu dreschen immer feste druff.
Denn Gottes Ebenbild ist nur der Deutsche!

 

Noch lieber lasst uns als den Feind
die Phrase dreschen, die uns eint.
Am Ende wird die Wahrheit stehen:
Der Kampf wird bis zum Ende gehen!
Wir sorgen, dass uns nicht entgeh'
das erz‘ne Becken von Briey.
Der Friede uns nicht int‘ressiert,
eh wir die Welt nicht annektiert.
Die wenigstens gehört dem Deutschen!

 

Es geht uns doch nur um die Ehr'.
Nein, Belgien geben wir nicht her!
Wir halten rein das Ehrenkleid;
in Ehre wissen wir Bescheid.
Der Endsieg unser Recht beweist:
die Welt wird von uns eingekreist!
So muss und wird es uns gelingen,
die Pofelware anzubringen.
Ja, made in Germany ist doch der Deutsche!

 

Nur weil man etwas Sonne braucht,
haben wir die Welt in Nacht getaucht.
Mit Gift und Gasen, Dunst und Dämpfen
woll'n bis zum jüngsten Tag wir kämpfen.
Denn bis wir Gottes Donner hören,
muss unsrer uns Ersatz gewähren.
Drum überall und auf jeden Fall
braust unser Ruf wie Donnerhall.
Ist das nicht praktisch gar vom Deutschen?

 

Schon brennt die Erde lichterloh
dank unserm Fenriswolff-Büro.
Solang es andere Völker gibt,
ist leider unsres nicht beliebt.
Wo man nichts auf die Waffe setzt,
wird unsre Leistung unterschätzt.
Die Welt will weniger Krawall,
und unsrer braust wie Donnerhall.
So hört man überall den Deutschen!

 

Nach Krieg wird noch mehr Arbeit sein
und noch mehr Krieg und noch mehr Pein.
Wie freue ich mich heut' schon drauf,
die Liebe höret nimmer auf.
Ach, wenn nur schon der Friede wär',
damit ich seiner müde wär'!
Es gilt die Technik auszubau‘n.
Zum U-Boot haben wir Vertraun.
Den Fortschritt liebt nun 'mal der Deutsche!

 

Die Wehrpflicht wollen wir verschärfen,
die Kleinen lehren Flammen werfen.
Wir woll'n indes auch für die Alten
die Kriegsdienstleistung beibehalten.
Was wir gelernt, nicht zu verlernen,
lässt uns vermehren die Kasernen.
Die Welt vom Frieden zu befrei‘n,
steht fest und treu die Wacht am Rhein.
Aus der Geschichte lernt der Deutsche!

 

Und wenn die Welt voll Teufel wär',
und wenn sie endlich menschenleer,
wenn's endlich mal verrichtet ist
und jeder Feind vernichtet ist,
und wenn die Zukunft ungetrübt,
weil es dann nur noch Preußen gibt –
nee, darauf fall'n wir nicht herein!
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Und weiter kriegt und siegt der Deutsche!

 

Antonio Gramsci  (1891-1937)

Italienischer Schriftsteller, Journalist, Politiker und Philosoph,
Theoretiker des Sozialismus. Kommunist und Antifaschist

 

 

Alle Menschen sind Intellektuelle, aber nicht alle Menschen haben in
der Gesellschaft die Funktion von Intellektuellen.

 

Die Diktatur des Proletariats wird den großartigen Apparat der industriellen und intellektuellen Produktion, die Antriebskraft der Zivilisation vor drohendem Zusammenbruch retten.

 

Kultur ist Disziplinierung des eigenen inneren Ichs, Inbesitznahme der eigenen Persönlichkeit und Erlangung eines höheren Bewusstseins, mit dem man dazu kommt, den eigenen historischen Wert zu verstehen, die eigene Funktion im Leben, die eigenen Rechte und Pflichten.

 

Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht für jede Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.

 

Sich selbst zu kennen, will heißen, sein eigenes Sein zu leben, will heißen Herr seiner Selbst zu sein, sich von den anderen abzuheben, aus dem Chaos auszubrechen, ein Element der Ordnung zu sein, aber der eigenen Ordnung und der eigenen, einem Ideal verpflichteten Disziplin.

 

Was wir brauchen, ist Nüchternheit: einen Pessimismus des Verstandes, einen Optimismus des Willens.

 

Ich bin ich ein Pessimist infolge meiner Intelligenz, aber ein Opportunist aus meinem entschiedenen Willen.

 

Die Wahrheit zu sagen, ist revolutionär.

 


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      COUNTERPUNCH
   Das Einprügeln auf Jeremy Corbyn
             15. September 2015

   Die neoliberale Gleichschaltung der deutschen Medien hat sich in den letzten Monaten unmissverständlich sowohl durch Hetze gegen eine linke griechische Regierung, als auch gegen eine entschlossene Lokführer-Gewerkschaft manifestiert, die nichts anderes getan hat, als ihre verfassungsgemäßen Rechte in der Interessenvetrtretung ihrer Mitglieder in Anspruch zu nehmen.
   Dass nun ausgerechnet in Großbritannien ein linker Politiker mit einem Erdrutschsieg den innerparteilichen Wahlkampf um die Führung der Labour-Party für sich entscheiden konnte, quittierte das ZDF schon am vergangenen Samstag mit einem rotzfrechen Vorgeschmack auf die kommende Kampagne, der Albrecht Müller offensichtlich so auf die Palme brachte, dass er noch – vollkommen unüblich – am Sonntag, 13.9.,einen Beitrag auf den NDS veröffentlichte.
   ZDF heute 12. September 19.00 Uhr
/ Diana Zimmermann: “Corbyn will die
   Sparpolitik beenden, die Bahn wieder verstaatlichen und möglichst aus der NATO
   austreten. Der überzeugte Radfahrer und Vegetarier gilt nicht nur Konservativen
   als linker Spinner.


Nochmal zum Mitschreiben: Ein Politiker, der andere Vorstellungen als Sparpolitik und radikale Privatisierungen hat, der die NATO als Kriegs- und nicht als Verteidigungsbündnis sieht, der “aus Überzeugung Fahrrad fährt” und kein Fleisch ist, der “gilt als Spinner”. So weit ist es mit unserem öffentlichrechtlichen Staatsfunk gekommen. Die Kampagne gegen Corbyn wird natürlich nicht nur in deutschen Medien betrieben, sondern wohl mindestens so vehement in ihren anglo-amerikanischen Vorbildern. Dazu ein Beitrag von Stephan Lendman von Counterpunch in Übersetzung von FritztheCat:


Stephen Lendman (geb. 1934 in Boston) BA 1956 an der Harvard University. Zwei Jahre US Army, dann MBA der Wharton School der University of Pennsylvania 1960. Publizist zu nationalen und internationalen Themen seit 2005. Seit 2007 Radiomode-rator. 2008 Träger des 2008 den Project Censored Preises und 2011 des International Journalism Preises des Mexican Journalists Club. Er ist Autor der beachteten Bücher: “Banker Occupation: Waging Financial War on Humanity” und “How Wall Street Fleeces America: Privatized Banking, Government Collusion and Class War“. Sein letztes Buch ist: “Flashpoint in Ukraine: How the US Drive for Hegemony Risks World War III” (2014)
Lendman schreibt:
    Der britische Premierminister David Cameron nannte Corbyn eine Bedrohung für die nationale Sicherheit. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist britische Politik wieder inter-essant. Ob der erstaunliche Aufstieg des langjährigen Hinterbänklers Corbyn zum Anführer von Labour einen Unterschied macht, wird sich zeigen.
    Ein Mensch mit einer Handvoll Parteiunterstützern, die versuchen, das versiffte System mit seinem Geldadel zu verändern ist eine, gelinde gesagt, mutige Idee. Die Anhänger Blairs und Thatchers und die Medienmeute sind gegen ihn. Unterstützer der Labour-Partei werden abwertend als „Corbynistas“ bezeichnet. „Corbynismus“ steht für isolationistisch und anti-britisch.
    Ein feindseliger Kommentar im 'London Observer' machte ihn mit dem unbewiesenen Vorwurf schlecht, es gebe „Beweise, dass die Wähler den Corbynismus in seiner gegen-wärtigen Form mit Pauken und Trompeten ablehnen – wenn er überhaupt bis zur nächsten Wahl durchhält.“
    Die Kommentatoren vom Observer behaupten, die „langweiligen Auftritte seiner Konkurrenten“ hätten den Weg zu seinem Sieg geebnet. Liz Kendall, eine Vertreterin des Blairismus, wurde nämlich ordentlich abgewatscht – mit demütigenden fünf Prozent.
    Die Führerschaft Corbyns „stellt für die Labour-Partei die bisher größte Herausforde- rung dar“, behauptet der Kommentar des Observer. Sie haben recht mit der Feststellung, dass er sich im Verändern der Dinge erst noch beweisen muss – bei den tief sitzenden finanziellen Interessen, die in westlichen Gesellschaften und größtenteils anderswo auf Kosten aller die Dinge am Laufen halten.
    Wenn Corbyn die Dinge ein wenig aufrütteln kann, dann gibt es eventuell Hoffnung dafür, den Thatcheristen und Blairisten einen Holzpflock ins Herz zu rammen – keine Minute zu spät!
    Der britische Premierminister David Cameron ist ein Kriegsverbrecher der nur noch nicht angeklagt wurde – er macht gemeinsame Sache mit Obamas imperialer Agenda
und bedroht den Weltfrieden.
    Corbyn will die Menschheit vor der Geißel endloser Kriege retten. Wer ist in Wahrheit eine Bedrohung für die britische und globale Sicherheit? Mit Sicherheit nicht dieser Befürworter von Frieden und Stabilität – vorausgesetzt, seine Aktionen als Chef der Labour-Partei weichen nicht von seiner edelmütigen Rhetorik ab. Die ganze zivilisierte Welt hofft, dass er aus echtem Schrot und Korn ist. Die kriegshetzenden Kriminellen der westlichen Regierungen und Israels bedauern seinen Aufstieg. Bisher gab es kein Glückwunschtelegramm von Obama – oder gleichgesinnten Staats-Schurken.
    Bei seinem Besuch letzter Woche in London hatte Netanyahu ihn brüskiert – er bedauerte Corbyns offene Unterstützung für die palästinensischen Rechte, einschließlich seiner lauten Opposition letzten Sommer zu Israels nackter Aggression gegen Gaza.
    Camerons Twitter-Kommentar war mehr als doppelzüngig: „Die Labour-Partei stellt jetzt eine Bedrohung für unsere nationale Sicherheit dar, für unsere wirtschaftliche Sicherheit und für die Sicherheit unserer Familien.“
    Urteilen Sie selbst. Corbyn ist Vorsitzender der britischen „Stop the War Coalition“.
Er ist für nukleare Entwaffnung und gegen die von den USA angeführte Tötungsmaschi- nerie der NATO. Er will die gewaltsame Austeritätspolitik beenden, die die normalen Leute schädigt und ein paar Reiche noch reicher macht. Und er will die Einschnitte beim Sozialsystem umkehren, um den Bedürftigsten zu helfen.
    Er fordert eine monetäre Lockerung ('Quantitative Easing') für das einfache Volk. Geld, das verantwortlich in die Wirtschaft gepumpt wird, schafft Wachstum und Arbeits-plätze. Wenn die Konsumenten Geld hätten dann würden sie es auch ausgeben. Eine vernünftige Wachstumsspirale ist möglich. Die Politik des Westens hingegen bedient ausschließlich die finanziellen Eliten.
    Corbyn unterstützt Investitionen in lebenswichtige Infrastrukturprojekte, den öffent-lichen Transport und erneuerbare Energien – um die Abhängigkeit von der Saurier-Zitze zu beenden.
    Im August schrieb er in einem Beitrag für den 'Ecologist': „Unsere gemeinsamen Anstrengungen müssen auf einer grüneren Vision von Großbritannien liegen. Und wir müssen jene Wähler erreichen, die sich ernsthaft um die Umwelt sorgen. Nur so können wir ein nötiges Wahlbündnis aufbauen.“ „Zerschlagt die Energie-Kartelle.“ „Kein TTIP mit den USA.“ „Ja zum Recht auf saubere Atemluft.“ - „Wir kämpfen für die gleiche Sache: eine Gesellschaft die in unser aller Interesse geführt wird und auch zum Schutz unseres Planeten.“
    Corbyn ist gegen das Fracking und andere Umwelt-zerstörenden Praktiken. Ob er auch meint was er sagt, das muss sich natürlich erst zeigen.     Trotz über 30 Jahren im Parla- ment war er ein machtloser Hinterbänkler, er hatte nie ein Regierungsamt, geschweige denn ein Parteiführer wie jetzt.
    Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon plapperte Camerons beleidigende Bemerkungen nach. Auch er nannte Corbyn „eine ernsthafte Bedrohung für die Sicher- heit der Nation , die Sicherheit unserer Wirtschaft und die Sicherheit Ihrer Familien.“
    „Ob es um die Schwächung unserer Verteidigungskräfte geht, das Anheben von Steuern auf Arbeit und Einkommen, mehr Schulden zu machen und höhere Sozialkosten, oder die Lebenshaltungskosten durch Gelddrucken zu erhöhen – Jeremy Corbyns Labour-Partei wird der arbeitenden Klasse Schaden zufügen“,
posaunte Fallon.
    Großbritanniens Beteiligung an den endlosen Kriegen der USA verschwieg er genauso wie den Schaden für Millionen einfacher Leute durch Tory-Regierungen und Labour-Regierungen nach Thatcher. Die Behauptung der Konservativen: sie würden weiter für „Stabilität, Sicherheit und Chancen“ kämpfen, ist absurd.
    Daran mangelt es in Großbritannien seit den 70ern. Egal wie ernsthaft – Corbyn allein kann die Dinge nicht verändern. Die einzige Chance (und die ist gering) ist eine Woge nachhaltiger, massenhafter Unterstützung.
    Jahre, vielleicht Jahrzehnte werden nötig sein, die enormen Schäden zu reparieren.
Die meisten Regierungen auf der Welt folgen dem selben zerstörerischen Weg wie die USA und Großbritannien.
    Wenn es Corbyn ernst meint mit der Arbeit am echten Wandel, dann schart er hoffentlich eine starke britische Graswurzelbewegung um sich – die einzige Chance für Licht am Horizont.
                                                                                                             
(PS / 16.9.2015)

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Oscar Wilde – Kunst & Künstler

Vorrede zu Das Bildnis des Dorian Gray

 

Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge.
Kunst offenbaren, den Künstler verbergen, ist das Ziel der Kunst.

Kritiker ist, wer seinen Eindruck von schönen Dingen in einer anderen Form oder in einem anderen Stoff wiederzugeben vermag.

Die höchste wie die niedrigste Form der Kritik ist eine Art Selbstbekenntnis.

Wer in schönen Dingen einen hässlichen Sinn entdeckt, ist verderbt,
ohne liebenswürdig zu sein, was ein Fehler ist.


Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt, hat Kultur.
Aus ihm kann noch etwas werden.


Das sind die Auserwählten, denen schöne Dinge einzig Schönheit bedeuten.

Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher.
Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Sonst nichts.


Die Abneigung des 19. Jahrhunderts gegen den Realismus
ist die Wut Calibans, der seine eigene Fratze im Spiegel sieht.


Die Abneigung des 19. Jahrhunderts gegen die Romantik
ist die Wut Calibans, der sein Gesicht nicht im Spiegel sieht.


Das sittliche Dasein des Menschen gibt dem Künstler einen Stoff
neben vielen anderen; die Sittlichkeit in der Kunst besteht jedoch im vollendeten Gebrauch unvollkommener Mittel.


Der Künstler hat niemals das Bedürfnis, etwas zu beweisen.
Sogar das Wahre kann bewiesen werden.


Der Künstler hat keinerlei ethische Neigungen.
Ethische Neigungen beim Künstler sind unverzeihliche Manieriertheit.


Es gibt nichts Krankhaftes in der Kunst. Der Künstler vermag alles auszudrücken.

Gedanken und Sprache sind für den Künstler Werkzeuge.

Laster und Tugend sind für den Künstler Stoffe.

Vom Gesichtspunkt der Form aus ist Musik die höchste aller Künste. Vom Gesichtspunkt des Gefühls ist die Schauspielkunst die höchste.

Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol.

Wer unter die Oberfläche gräbt, tut es auf eigene Gefahr.
Wer das Symbol herausliest, tut es auf eigene Gefahr.


In Wahrheit ist der Betrachter, nicht aber das Leben ein Spiegel.

Gegensätze in den Urteilen über ein Kunstwerk beweisen seine Neuheit, Vielfalt und Lebenskraft.

Wenn die Kritiker untereinander uneinig sind, ist der Künstler mit sich einig gewesen.

Man kann einem Menschen verzeihen, dass er etwas Nützliches schafft, solange er nicht verlangt, dass man seine Arbeit bewundert. Die einzige Entschuldigung für den, der etwas Nutzloses tut, liegt darin, dass man seine Schöpfung inbrünstig bewundert.

Alle Kunst ist gänzlich nutzlos.

 

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© Klaus Ulrich Spiegel