Gaetano Donizetti (1797 – 1848)

Die Favoritin

 

La Favorite / La Favorita

Oper in vier Akten von Eugène Scribe
nach Alphonse Royer & Gustave Vaëz (1840 Paris)
Deutsche Fassung von Franz Abt

Rundfunkproduktion des Südfunks Stuttgart
r. Januar 1960 Stuttgart

Leitung: Hans Müller-Kray

 

Alfons XI, König von Kastilien Raymond Wolansky
Leonore Gusman, seine Favoritin Ira Malaniuk
Fernand, Novize Heinz Hoppe
Balthasar, Prior von San Jakobus Otto von Rohr
Don Gaspard, Königlicher Offizier Georg Jelden
Ines, Leonoras Vertraute Else Mühl

 

Südfunk Vokalensemble
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart

 

 


Die Handlung

 

Ort und Zeit: In Sevilla und im Kloster San Jacobus um 1340

 

 

Erster Akt — Im Kloster / Auf der Löweninsel

 

Der Novize Fernand gesteht dem Prior Balthasar, dass er das Kloster verlassen wolle. Er habe sich in eine Dame verliebt. Der Prior beschwört ihn, die Macht der Kirche und die Strafe des Himmels zu fürchten. Doch er muss den Jüngling ziehen lassen. — Fernand lässt sich zur Löweninsel bringen. Dort lebt die Dame seines Herzens mit ihrer Gefährtin Ines und einer Dienerinnenschar. Fernand befragt Ines, wer die schöne Geliebte ist, kann aber nichts erfahren. Er bekommt ein vom König unterzeichnetes Offizierspatent. Darum vermutet er die Inselgesellschaft im Umkreis des königlichen Hofes. Leonore di Gusman, so heißt die geheimnisvolle Schöne, die in Wahrheit die Favoritin des Königs ist, hegt Liebe für Fernand, schreckt aber vor einer Verbindung zurück. Sie schickt Fernand fort. Der schwört ihr ewige Liebe. Im Kampf gegen die Mauren will er Ruhm und Ehre gewinnen.

 

 

Zweiter Akt — Im Palast des Königs Alfons XI

 

Die königlichen Heere haben die maurischen Fürsten von Granada und Marokko geschlagen. Der junge Hauptmann Fernand hat sich dabei ausgezeichnet. Er soll am Hof geehrt werden. — Der König berät sich mit seinem Vertrauten Don Gaspar. Er möchte seine Favoritin Leonore ehelichen. Ein Legat des Vatikans überbringt den päpstlichen Einspruch gegen diese Mesalliance. Don Gaspar berichtet dem König, Leonore sei ihm nicht treu. Der König ist tief betroffen, als die Favoritin gesteht, in einen Offizier verliebt zu sein, dessen Namen sie nicht preisgeben will. Da dringt der Prior Balthasar mit einer Schar Mönche in den Palast ein und droht dem König mit dem Kirchenbann, wenn sich dieser nicht von seiner Favoritin trenne.

 

 

Dritter Akt — Am königlichen Hof

 

Der König hält Ines des Verrats an ihm für mitschuldig und will sie einkerkern lassen. Den zur Ehrung erschienenen Fernand fordert er auf, eine Belohnung zu verlangen. Fernand erbittet Leonores Hand, die der resignierte König gewährt. Leonore wird bewusst, dass Fernand keine Kenntnis von Ihrer Beziehung zum König hat. Sie beauftragt Ines, ihn einzuweihen. Doch diese wird von Don Gaspar, dem Königsbefehl gemäß, verhaftet. Fernand wird zum Grafen erhoben und zur Trauung geführt. Missgünstige Höflinge eröffnen ihm höhnisch, dass er soeben die Geliebte des Königs geheiratet hat. Von diesem Spott tief gedemütigt, gibt Fernand alle Ehren zurück, zerbricht sein Schwert und verlässt den Hof.

 

 

Vierter Akt — Im Kloster San Jakobus

 

Fernand ist vom Prior wieder ins Kloster aufgenommen worden. Nun soll er die Gelübde ablegen. Wehmütig denkt er an die — wie er glaubt — betrügerische Frau seines Herzens zurück. Krank und todesmüde wankt die vom Hof verstoßene Leonore herbei. Fernand beschuldigt sie bitter des Betrugs an ihm. Sie klärt ihn über die Tatsachen auf und erfleht seine Verzeihung. Die beiden wollen ein neues Leben beginnen. Doch es ist zu spät: Leonore stirbt in Fernands Armen.

 


 

Maestro scatenato di Belcanto:
Donizettis Beitrag zur italienischen Romantik

 

Gaetano Donizetti ließ sich, wie alle italienischen Opernkomponisten am Beginn und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, vom Genius des Giove della Musica, Gioachino Rossini, beeinflussen. Im schöpferischen Vorgang der musikalischen Erfindung fallen in Donizettis Schaffen Intuition und Ausdruck meist zusammen. Man muß jedoch unterscheiden zwischen bloßen Ergebnissen eines an Zeitströmungen orientierten meisterlich-raffinierten Handwerks und wahren Äußerungen des Genies. Von Donizettis 75 Opern gehören nicht alle zu den letzteren, doch die große Mehrzahl seiner vielen mehr als ein Jahrhundert lang zu Unrecht vergessenen und sogar verachteten Werke begründen einen Reichtum ohnegleichen an Melodik und Bühnendramatik im Genre der großen Belcanto-Oper. Sie sichern diesem Tonschöpfer einen bedeutenden Platz in der Geschichte der Oper wie der romantischen Musik überhaupt. Sein Leben war so exzessiv, ja besessen wie sein Schaffen — bis zum Tod in der Paralyse.

Donizetti war ein extrem produktiver Komponist. Er schuf 75 Opern, dazu 16 Sinfonien, 19 Streichquartette, über 190 Lieder, 45 Konzert-Duette, drei Oratorien, 28 Kantaten, ferner Solistenkonzerte, Sonaten und diverse Kammermusik. Seine Bedeutung als repräsentativer und über alle Maßen vielseitiger Opernkomponist machen ihn zum verbindenden Faktor der italienischen Musikentwicklung zwischen Rossini und Verdi. Wenn die Romantik in Rossini alle Formen der neapolitanischen Oper erneuerte und Opernbesucher in ganz Europa mitriss, wenn sie sich bei Bellini in ein erregtes, aber aristokratisches, lyrisches Pathos löste, so wirkte das vulkanische Ungestüm von Donizettis romantischem Temperament durch eine außergewöhnliche Fähigkeit, das Ergreifende auszudrücken.

 

Als der Melos-Komponist schlechthin beherrschte Donizetti die musikalischen Techniken mit absoluter Sicherheit. Zugleich besaß er untrüglichen Theaterinstinkt. So konnte er sich ein dramatisch-psychologisches System schaffen, in dem er seine Operngestalten geradezu mitlebend erfasste und in musikalischen Portraits für die Szene entstehen ließ. Solche Fähigkeit zu künstlerisch-menschlicher Hingabe macht nachvollziehbar, wie die Galerie seiner Figuren — Lucia, Leonora, Maria, Zoraida, Imelda, Emilia, Gabriella, Englands Königinnen und deren Kontrahenten oder Partner im Tenor- und Baritonfach — rasch populär wurden und auch nach mehr als einem Jahrhundert erneut werden konnten.

 

In der Melodie-Entwickung und ‑Ausformung wie in der Vermittlung von Gefühlszuständen wird Donizetti von nur wenigen Komponisten erreicht. Das gilt für die lyrische Tragödie wie für die burleske Komödie — in beiden Genres gehört Donizetti zu den säkularen Meistern. Er wusste die Grenzen von Opera seria und Opera buffa so zu überschreiten, dass auch solche Situationen romantisch ausgedeutet wurden, die vor ihm als rein komisch galten. Sein religiöser Ausdruck neigt immer zum Pathos, seine Virtuosität ist immer human durchpulst. So löste sich Donizettis künstlerische Persönlichkeit endgültig von Rossini und schlug einen neuen Weg ein, der zur dramatischen Kraftentfaltung  eines Giuseppe Verdi führte.

 

 

Triumphale Krönung des Spätwerks

 

Donizettis Werk wird von der Musikwissenschaft in mehrere Phasen eingeteilt: Die 1. Frühphase unter dem Einfluss Giovanni Simone Mayrs, seines Lehrers in Bergamo. Die 2. Frühphase mit der Entwicklung einer eigenständigen, doch von Rossini anhängigen Tonsprache und ausgreifender Handlungsdramaturgie. Eine Mittelphase mit pathetischer, elegischer Melodik in Nähe Bellinis. Dann die 1. Spätphase, begründet mit der Formel von der Oper der neuen Kürze, die durchaus nicht durch kurze Werke gekennzeichnet ist, aber die klassischen Formen des Belcanto mit Cavatina und Caballetta konzis und effektvoll zuspitzt. Schließlich die 2. Spätphase mit letzten, meist von der französischen Opernform beeinflussten Werken im Schwanken zwischen selbstgewählten Extremen.

 

La Favorite (Die Favoritin) gehört als Donizettis 63. Oper dieser letzten Schaffensphase an. Sie war für Paris konzipiert und dramaturgisch den Bedürfnissen der dortigen Opernformen zugeordnet, ist dennoch eine typische Belcanto-Nummernoper mit Arien, Duetten, Ensembles, aber auch großen Tableaus.

 

Im deutschen Sprachraum wurde und wird das Werk nur selten gespielt. Die italienische Fassung La Favorita ist heute weit populärer und auch auf Tonträgern viel häufiger vertreten. Die deutsche Fassung von Franz Abt ist noch vom Textstil des 19. Jahrhunderts geprägt; sie wirkt für den Rezipienten von heute ein wenig provinziell. Doch die Herrlichkeiten der Melodik Donizettis nehmen unverändert gefangen, auch in einer Formung durch deutsche Sänger und Musiker. Die Rundfunkfassung des damaligen Südfunks Stuttgart von 1960 weist wie üblich einige Kürzungen (vor allem am orchestralen Teil, also den Balletten) auf. Sie gibt einen beispielhaften Eindruck von der fast ganz aus deutscher Musiktradition erwachsenen, heute undenkbaren, verdienstvollen Aufnahmepraxis und Radiokultur der Nachkriegszeit. Entsprechend hoch ist der Repertoire- und Sammelwert anzusetzen.

 


 

Belcanto alla maniera tedesca:
Zeugnis deutscher Nachkriegs-Radiokultur

 

Hans Müller-Kray (∗ 1908 Kray bei Essen – † 1969 Stuttgart) war das jüngste von 14 Kindern des Steinkohle-Platzmeisters Karl Müller, der nebenamtlich das Knappenmusikkorps der Zeche Bonifacius in Essen-Kray dirigierte. Der Sohn Hans lernte noch während seiner Schulzeit das Klavier- und Cellospiel. Er studierte an der Folkwangschule Komposition und Musiktheorie. Sein erstes Engagement erhielt er 1932 am Stadttheater Essen.. Von 1934 bis 1941 war er Erster Kapellmeister am Opernhaus Münster (Westfalen), ab Mai 1942 Chefkapellmeister am Reichssender Frankfurt/M. Vom Kriegsende bis 1948 wirkte er als 1. Kapellmeister am Staatstheater Wiesbaden. 1948 wurde er als Leiter der Hauptabteilung Musik und Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart an den Südfunk verpflichtet. In dieser Doppelfunktion war er bis zu seinem plötzlichen Tode aktiv. Er widmete sich vor allem Werken der neueren Musik, die während der Zeit der NS-Kulturpolitik in Deutschland verpönt und also bis dahin noch nicht zu hören gewesen waren. Zudem beschäftigte er sich umfassend mit der Oper. Es entstanden über 30 Radio-Gesamteinspielungen. Hans Müller-Kray, der 1955 den Namen seines Geburtsortes Essen-Kray annahm, wurde 1961 durch das Land Baden-Württemberg der Professorentitel und der Titel Generalmusikdirektor verliehen. Im Frühjahr 1969 verstarb er an seinem Arbeitsplatz im Stuttgarter Funkhaus an plötzlichem Herzversagen. Inzwischen sind viele seiner Rundfunkaufnahmen auf CD erhältlich. Seine Aufnahmen mit Neuer Musik gehören zum Standard-Repertoire. Zu seinem 100. Geburtstag 2008 erschienen weitere Opern-Aufnahmen, z. T. auch private Mitschnitte, darunter echte Raritäten.

 

Ira Malaniuk (∗ 1923 Stanislaw/Südpolen – † 2009 Zirl) gehörte zu den führenden Altistinnen ihrer Zeit. Sie entstammte einer weißrussischen Familie und war eine Nichte der legendären Salomea Kruszeniski. Ihr Lehrer war der Jahrhundertbassist Adam Didur in Lwów (Lemberg). Später hatte sie dramatischen Unterricht bei Anna von Mildenburg in Wien und nahm Meisterkurse u. a. am Salzburger Mozarteum. 1945 debütierte sie in Graz als Ulrica. 1947 wechselte sie ans Opernhaus Zürich und nahm dort ihren Wohnsitz. Dem Züricher Institut blieb sie bis Ende der 1960er Jahre treu, war aber ab 1952 auch Mitglied der Bayerischen Staatsoper München, seit 1956 der Württembergischen Staatsoper Stuttgart und 1956 – 1968 der Wiener Staatsoper. 1968 – 1977 wirkte sie auch an der Wiener Volksoper. Ihr Ruhm verbreitete sich schnell in ganz Europa. 1951 schon sang sie in der deutschsprachigen Erstaufführung von Strawinskys The Rakes Progress. Im selben Jahr war sie bei der Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele Magdalena in den Meistersingern und Fricka im ersten Wieland-Wagner-Ring. 1951 – 1954 gastierte sie an der Mailänder Scala, 1953 am Covent Garden London. Dann begann sie eine spektakuläre Gastspielreihe mit Auftritten in Paris, Rom, Venedig, Bologna, Neapel, Palermo, Monte Carlo, Brüssel, Barcelona, Buenos Aires. Lange war sie Protagonistin der Bayreuther und Salzburger Festspiele. Ihr Repertoire umfasste den gesamten Mezzo- und Alt-Bereich. Sie war erste Wahl in allen großen Partien von Klassik und Romantik, Belcanto und Verismo, Verdi, Wagner, Strauss bis zur Moderne. Auch als Konzertsängerin war sie international gefragt. Viele Tondokumente, darunter berühmte Rundfunkproduktionen, zeugen von ihrer Bedeutung.

 

Heinz Hoppe (∗ 1924 Saerbeck – † 1993 Mannheim) war ein vor allem in der breiten deutschen Medienöffentlichkeit durch viele Radioaufnahmen, Operettenrollen und U-Musikplatten äußerst beliebter Tenor. Sein goldgelbes Timbre erinnert ein wenig an Josef Traxel, ist aber kerniger im Klang und etwas steifer in der Tonbildung. Nach russischer Kriegsgefangenschaft war er 1949, wie Sándor Kónya, am Konservatorium Detmold ausgebildet worden, hatte 1953 in Münster in Händels Xerxes debütiert, war dann über Bremen an die Hamburgische Staatsoper gelangt, wo er von 1957 – 1970 als 1. Lyrischer Tenor wirkte. Er sang dort nicht nur das gesamte Lirico-Fach, sondern auch viel Moderne, u. a. in den Uraufführungen von Henzes Prinz von Homburg, Křeneks Der goldene Bock und in der deutschen Erstaufführung von Brittens Sommernachtstraum. Er gastierte vorrangig in München, Paris, Madrid, Lissabon und an den führenden Bühnen des deutschen Sprachraums, regelmäßig bei den Festivals von Glyndebourne und Edinburgh. Als Konzertsänger tourte er in Nordamerika, Spanien, Frankreich, Belgien. Auch im deutschen Fernsehen wurde er zum Star. Sein Tenor ist auf vielen Schallplatten, vor allem im leichteren Genre, in Operetten und U-Musik dokumentiert.

 

Raymond Wolansky (∗ 1926 – † 1998) stammt aus Ohio und erhielt seine Sängerausbildung in Cleveland und Boston. 1948 – 1950 sang er zunächst Comprimarii bei der New England Opera Company. 1950 hatte er sein offizielles Debüt als Silvio in Pagliacci in Milwaukee. Dann ging er nach Europa. Sein erstes Engagement als lyrischer Bariton erhielt er 1954 in Luzern, dann wechselte er ab 1956 nach Graz, wo er bei Stoja von Milinkovič weiterstudiert hatte. 1958 wurde er an die Württembergische Staatsoper verpflichtet, die für 30 Jahre sein Stammhaus wurde. Er avancierte im legendären Ensemble der Schäfer‑/Leitner-Ära rasch zu einem der führenden Sänger überhaupt, als Nachfolger von Engelbert Czubok war er die Stammbesetzung für alle Baritonpartien des italienischen und französischen Fachs. Bald war er ein gesuchter und gefeierter Gastsänger an den großen Häusern Europas und der Welt — ständig an den Staatsopern Hamburg, München, Wien, in London, Paris, Brüssel, Zürich, Mailand und den wichtigsten Bühnen Italiens, dann in Übersee von Buenos Aires bis San Francisco, bei den Festivals in Glyndebourne, Edinburgh und Schwetzingen. Im Belcantofach überzeugte er ebenso wie in den lyrischen Partien der deutschen Oper von Gluck bis Strauss. Er sang auch in Reihe von Uraufführungen, so von Menotti, Krenek, von Einem, Reutter, Kelemen, Klebe.

 

Otto von Rohr (∗ 1914 – † 1982) war als führender Bassist der Württembergischen Staatsoper gefeierter Favorit des Stuttgarter Publikums und ein international geachteter Protagonist im deutschen Repertoire. Er hatte bei Hermann Weißenborn (dem späteren Lehrer Fischer-Dieskaus) studiert, debütierte 1938 als Sarastro in Duisburg, wurde dort sofort als Nachfolger Robert von der Lindes als 1. Bass verpflichtet. Schon 1941 holte ihn die Stuttgarter Oper, die bis zu seinem Bühnenabschied sein Stammhaus blieb. Seit 1946 hatte er auch einen Gastvertrag am Opernhaus Frankfurt/M. Als Vertreter des allzeit rar besetzten Fachs des Basso profondo war er bald weltweit gefragt: Scala di Milano, Grand-Opéra Paris, Staatsoper Wien, San Carlo Lissabon, Maggio Musicale di Firenze, Teatro Colón Buenos Aires, San Francisco, Rio de Janeiro, führende Opernhäuser in Deutschland (Berlin, Hamburg, München), Schweiz (Zürich, Basel), Italien (Bologna, Genova, Torino, Napoli), Frankreich (Marseille, Strasbourgh). Er sang das gesamte Serioso-Repertoire, von Händel bis Strawinsky, dazu Oratorien, Lieder, Balladen. Sein Wirken ist, namentlich bei Rundfunkanstalten und in Live-Auftritten, breit dokumentiert. Dennoch war er lange fast in Vergessenheit geraten. Nun werden immer mehr seiner Aufnahmen auf CD wieder zugänglich. Das Hamburger Archiv widmete ihm eine CD-Edition.

 

Georg Jelden (∗ 1928 – † 2004) kam aus dem Thomanerchor Leipzig, studierte in Karlsruhe, war zunächst Gasttenor der Staatsoper Stuttgart, schlug dann aber eine reine Konzertlaufbahn ein. Er gehörte zu den führenden Bach- und Händel-Tenören seiner Generation, trat in allen großen Konzertsälen Europas und bei Tourneen durch Amerika auf und war vor allem als Bach-Evangelist und Oratorien-/Kantaten-Solist geschätzt. Seit Mitte der 1970er Jahre wechselte er das Stimmfach zum lyrischen Bariton und sang als solcher auch viel Kunstlied-Repertoire. Dem Konzertsaal blieb er weiterhin treu. Früh wurde er Dozent an der Frankfurter Musikhochschule, 1964 dann als Professor an die Musikhochschule Stuttgart berufen. Er hinterließ viele Schallplatten aus seinem Konzert- und Kirchenmusik-Repertoire.

 

Else Mühl (?) ist in ihren Anfängen nicht dokumentiert; man findet keine Angaben zu Herkunft, Ausbildung und Beginn. Sie erschien nach dem 2. Weltkrieg am Opernhaus Graz (bis 1949), dann bis 1952 am Stadttheater Luzern und bis 1956 am Staatstheater Kassel. Dann arbeitete sie als freie Gastsängerin mit Auftritten in ganz Deutschland, in Rio de Janeiro (1959), Amsterdam (1960) und an italienischen Opernbühnen. Schon 1947 war sie als Konzertsolistin bei den Salzburger Festspielen aufgetreten. Ihr Repertoire war vielseitig im Spektrum von Soubrette, Lyrischer und Koloratursopran verankert. Sie war auch eine beliebte Operettensängern. Nur wenige Schallplatten überliefern ihren klaren, hellen Sopran.

KUS

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© Klaus Ulrich Spiegel