Andrea Trauboth
Wieslaw Ochman
Jörn W. Wilsing
Dieter Schweikart

Petra Wolf
Piotr Liszkowski
Mircea Nedelescu


Berliner Konzertchor
Orchester der Staatsoper Poznán
Mieczyslaw Dondajewski
 

Stanisław Moniuszko (1819-1872)

Halka

Tragische Oper in vier Akten, von Wlodzimierz Wolski (1824-1882)
Uraufführung 1. Januar 1858 im Teatr Wielki in Warschau

Konzertante Aufführung der deutschen Fassung
r. 26. Januar 1992 - Berlin, Sendesaal des Senders Freies Berlin SFB


Leitung: Mieczyslaw Dondajewski

Stolnik, Schlossherr, Truchsess des Königs (bs):     Dieter Schweikart
Zofia Pomian
, seine Tochter (ms):                                          Petra Wolf
Janusz Odrowaz
, Gutsherr, ihr Verlobter (b):                     Jörn W. Wilsing
Dziemba
, Verwalter des Stolnik (bs):                              Piotr Liszkowski
Halka
, Bauernmädchen, Janusz's Leibeigene (s):                      Andrea Trauboth
Jontek
, leibeigener Bursche von Janusz. (t):                               Wieslaw Ochman
Wiesniak
, ein Vorsänger (t):                                                       Mircea Nedelescu
Dudarz
, Spielmann aus Janusz's Dorf (spr):                            Thomas Schürmann

Chor: Gäste aus dem Adel, Trauzeugen, Brautjungfern, Diener, Volk

Berliner Konzertchor
Orchester der Staatsoper Poznán (Posen)

Die Handlung

Schauplatz:               Die Umgebung der Stadt Krakau
Zeit:                            um 1770 - Zeit der Leibeigenschaft


1. Akt
In Stolniks Schloss findet ein großes Fest statt. Man feiert die Verlobung von Sophie, der Tochter des Truchsess, mit dem jungen reichen Adligen Janusz. Im Schlossgarten erscheint die arme Bauernmagd Halka aus Janusz‘ Gütern in der Tatra. Sie ist von Janusz schwanger und will den Herrn daran erinnern, dass er ihr und ihrem Kind Treue geschworen hatte. Dieser will Ärger und Aufsehen vermeiden. Er wendet der verlassenen Geliebten scheinbar Trost zu und bestellt sie für später zu einem Stelldichein ans Flussufer. Dann eilt er ins Schloss, wo Jubel ertönt und Musik zum Tanz erklingt.

2. Akt
Halka verharrt vor dem Schlossgarten. Sie will ihren Jugendfreund Jontek treffen, der sie aus dem Heimatdorf herbegleitet hat. Jontek, der Halka seit Kindertagen liebt, versucht sie von dem Rendezvous mit dem treulosen Herrn Janusz zurückzuhalten - der werde sie niemals heiraten. Halka ist verzweifelt. Sie versucht erneut, ins Schloss zu gelangen. Sie läutet am Schlosstor, erbittet Einlass. Peinlich berührt, erklärt Janusz sie für verrückt.
Er lässt sie und Jontek vom Schlossgelände fortjagen.


3. Akt
Traurig und erschöpft sind Halka und Jontek in die Heimat zurückgekehrt. Dort feiern die Bauern das Ende ihrer Arbeitswoche mit Tanz und Gesang. Die beiden Rückkehrer berichten vom Scheitern ihrer Mission und vom schändlichen Verhalten des Herrn Janusz. Abrupt endet die fröhliche Feier. Die Dörfler murren und gehen zornig auseinander.

4. Akt
Janusz’s Trauung mit Sophie soll in der heimatlichen Dorfkirche vollzogen werden. Laut klagend und weinend stürzt Halka herbei. Jontek sucht sie zu beruhigen. Die Bauern bilden einen Schutzwall um das verschmähte Mädchen. Der Hochzeitszug erscheint. Zum Ärger der Festgäste und des Verwalters Dziemba ertönt kein Jubel, das Volk steht feindselig stumm. Die Gesellschaft betritt die Kirche. Außer sich vor Verzweiflung versucht Halka, an der Kirchentür Feuer zu legen. Fromme Gesänge halten sie zurück. Angst, Unschuldige zu gefährden, lässt sie resignieren. Sie ruft dem treulosen Geliebten Vergebung zu und stürzt sich vom Felsenufer in den Fluss. Die Hochzeit geht zu Ende, Brautpaar und Gäste verlassen die Kirche. Sie erfahren, was geschah. Unter Flüchen und Drohungen der Bauern verlassen sie das Dorf.

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Polens Volks- und Nationaloper

Stanisław Moniuszko
Herb Krzywda
 (* 5. Mai 1819 in Ubiel bei Minsk - † 4. Juni 1872 in Warschau)


Moniuszko gilt als Vater der polnischen Nationaloper. Er entstammte dem polnischen Adel, lebte aber keine Land- und Gutsbesitzer-Existenz, sondern wirkte als Komponist, Dirigent und Musikpädagoge. Sein kompositorisches Schaffen umfasst vor allem Lieder, Chorwerke und Opern, viele voller patriotischer Volksmelodien aus der Historie Polen-Litauens. Von 1837 bis 1839 studierte er in Berlin an der Akademie der Künste Komposition und Chordirigieren. Leidenschaftlich erarbeitete er sich die Hauptwerke der klassischen Musik und deren Aufführungspraxen. Den ersten Erfolg hatte er mit der Aufführung Dreier Lieder auf Verse des Dichters Adam Mickiewicz. Der arrivierte Musikverlag Bote & Bock nahm ihn in sein Programm und sorgte für die Verbreitung seiner Werke, die bald auch von der europäischen Musikkritik gewürdigt wurden.

1839 siedelte sich Moniuszko in Vilnius an, heiratete, etablierte sich als Organist, Dirigent, Liedpianist. Seine Familie wuchs auf 12 Personen - das zwang ihn zu Erwerbspflichten mit extremem Berufseinsatz. Er steuerte Großes zur Musik in Polen bei - so mit Bühnenaufführungen der Chorwerke von Haydn, Mozart, Mendelssohn, Spontini, Beethoven. Er selbst komponierte Lieder, Kantaten, Oratorien, dann vorrangig Opern. Er gastierte in Warschau und St. Petersburg, schloss Freundschaften mit Glinka, Dargomyshski, Balakirev, Serov, Mussorgskij, Cui. In Warschau traf er den Dichter Wlodzimierz Wolski, der das Libretto seiner bekanntesten Oper Halka schrieb. 1848 dirigierte Moniuszko privat in Vilnius eine erste Aufführung dieses Werks, noch in zweiaktiger Version.

Es dauerte 10 Jahre, bis es zur offiziellen Premiere im führenden Musiktheater Polens kam. Diese authentische Uraufführung war ein Triumph. Halka wurde umgehend auf ausländischen Bühnen nachgespielt, mit größter Resonanz in Paris und Prag. Der Komponist erwarb sich dabei die Zustimmung von Großmeistern wie Auber, Rossini, Smetana und Liszt. Noch im selben Jahr wurde er zum Chefdirigenten der polnischen Nationaloper im Teatr Wielki ernannt. Im Verlauf der folgenden 15 Jahre kamen dort seine weiteren Opernwerke zur Aufführung: Sielanka, Betty, Flis, Rokiczana, Hrabina, Jawnuta bis zu Paria und Trea, insgesamt 12 an der Zahl, dazu drei Opernfragmente.

1865 erzielte die Uraufführung seiner Oper Straszny Dwór enthusiastische Rezeption und einen Erfolg wie seinerzeit die Halka. Der Komponist wurde zum Professor für Komposition und Musiktheorie am Warschauer Konservatorium berufen. Halka blieb sein Referenzwerk. Deren Stellenwert für die nationale Kultur Polens wird deutlich auch daran, dass nach der Einrichtung der polnischen Verwaltung in Breslau /Wroclaw im Herbst 1945 das dortige Opernhaus mit diesem Werk wiedereröffnet wurde. Es hat bis heute den Rang einer polnischen Nationaloper.

Stanisław Moniuszko starb am 4. Juni 1872 an einem plötzlichen Herzschlag. Sein Grab liegt auf dem historisch bedeutenden Powazki Friedhof in Warschau. Die Beisetzung wurde zum nationalen Ereignis. Seine Musik ist in Polen weit bejubelt und allgemein akzeptiert als Vorbild slawischer Kultur. Von Statuen bis hin zu nach ihm benannten Parks und Straßen, Musikwettbewerben, Musikgruppen, Kulturinstituten – der Name Stanisław Moniuszko steht in der polnischen Gesellschaft für Polens kulturelle Größe.

Oper als Ausdruck nationalpolischer Identität

Moniuszkos Bühnenwerk Halka gilt als eine Art polnische Nationaloper, ist aber in Sujet und Konzept besser als polnische Volksoper einzuordnen. Musikalisch und inhaltlich ist in ihr ausgedrückt, was die Polen im 19. Jahrhundert durchweg fühlten. Die niederdrückende Realität, dass die eigene Nation durch mehrfache Landesteilungen von der Landkarte Europas verschwunden war und der Begriff "Polen" eher ein Idealbegriff als eine politische Tatsache war - diese Realität suchte sich geistigen Ausdruck in künstlerischen Ideen und Werken. Moniuszkos Musik erreichte und erfüllte solche Bedürfnisse. In ihr erlebten polnische Kunst- und Musikfreunde, wie sie fühlten und dachten. Deshalb war die polnische Nationaloper mehr als in vielen anderen Nationen nicht nur ein Widerschein der politischen Ereignisse, sondern sogar deren Ersatz und Ausgleich.

Das wurde dadurch verstärkt, dass Moniuszko keinen historischen Stoff, sondern zeitgenössisches Milieu und sozialkritische Thematik verarbeitete: die Geschichte der leibeigenen Halka, die von ihrem jungen Herrn verführt und dann verstoßen wird. Damit betritt zum ersten Mal im polnischen Musiktheater eine Protagonistin aus der sozialen Unterschicht die Bühne einer tragischen Oper.

Die balladenhafte, melancholisch schöne Geschichte des armen Bauernmädchens hat Moniuszko mit viel Sympathie für die Titelgestalten vertont. Die Partien der Halka und des Jontek enthalten in dramatisch angelegten Szenen und Arien starke Bezüge zur polnischen Volksmusik. Die Komposition ist leitmotivisch akzentuiert und im Stile des neuen Musikdramas nicht mehr als Nummernwerk strukturiert, sondern durchkomponiert. Neben den Leitmotiven in fließender Melodik dominieren mitreißende Rhythmen traditioneller Tänze: Polonaise, Krakowiak, Mazurka. Moniuszko bezieht auch prägende Strömungen der Zeit mit ein - so den italienischen Belcanto, die Opéra lyrique. Seine Musik „verzaubert an vielen Stellen mit Motiven ländlicher Atmosphäre und Bergen, mit Motiven rauschender Kiefern und Fichten - in hörbaren Abgrenzungen zwischen den Welten des Adels und des Volkes und in gefühligem Melos“, etwa im bewegten Duett zwischen Halka und Janusz. Es gibt deutliche Einflüsse von Auber, Mendelssohn und Lortzing. Kein Wunder, dass man Moniuszko auch als einen Polnischen Donizetti bezeichnet hat.

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Konzertante Oper in Berlin:
Raritäten und Wiederentdeckungen
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Unser Aufführungsmitschnitt von Moniuszkos Halka in deutscher Version ordnet sich einer Berliner Aufführungsreihe mit konzertanten Darbietungen rarer und vergessener Opernwerke in den 1980/90er Jahren zu. Die meisten standen unter der Leitung des Dirigenten Fritz Weise mit seinem Berliner Konzertchor. Gesangssolisten aus Berlin und von großen deutschen Opernhäusern stellten die Sängerensembles. Die Aufführungen wurden im damaligen Sender Freies Berlin aufgezeichnet und gesendet - die vorliegende Halka sogar im SFB-Sendesaal realisiert. Die Tonspuren aus dem Archiv des Mitproduzenten Einhard Luther werden vom Hamburger Archiv für Gesangskunst restauriert, kommentiert und erstmals auf CD zugänglich gemacht. Bisher erschienen: Ruggiero Leoncavallos Der Roland von Berlin, Giacomo Meyerbeers Ein Feldlager in Schlesien, Dvoráks Der Jakobiner. Weitere werden folgen - alle als Begleitveröffentlichungen zur großen CD-Edition zu Ehren des bedeutenden, doch von der Tonträgerindustrie sträflich ignorierten Baritons Jörn W. Wilsing, der in allen Aufführungen zentrale Partien dargestellt hatte.


Mieczyslaw Dondajewski
Dirigent &  Musikpädagoge / *1931 Poznán (Posen)
Einer der führenden Dirigenten Polens. Ausgebildet an den Musikhochschulen von Warschau und Krakau. Seit 1969 in leitender Funktion am Opernhaus Poznán. Zunächst 2. Kapellmeister, dann Chormeister, 1978-1992 Künstlerischer Chef des Hauses. Von 1993 bis 1995 Generaldirektor und künstlerischer Leiter der Oper von Wroclaw. Seit 1972 auch Dozent, später wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Musikakademie in Poznán . Von 1989 bis 1993 Präsident der Musical Society Henryka Wieniawskiego. Ab 1993 freier Dirigent und Autor. Repertoire mit  über 70 Bühnenwerken. Träger zahlreicher staatlicher und internationaler Auszeichnungen.

Jörn W. Wilsing
Bariton /* 1940 Hamm/Westf. - † 2010 Stuttgart
Zunächst Industriekaufmann. Gesangs- und Bühnenausbildung an der Musikhochschule Köln bei Clemens Glettenberg, am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium und am Mozarteum Salzburg. Debüt 1964 als Heerrufer im Lohengrin am Landestheater Coburg. Engagements am Münchner Gärtnerplatz-Theater, an den Opernhäusern Giessen, Dortmund, Karlsruhe, dann als universeller Lirico-/Kavalier- und Charakterbariton an der Württembergischen Staatsoper Stuttgart (Ensemblemitglied bis 2006). Württembergischer Kammersänger. Solist der Salzburger und der Schwetzinger Festspiele. Gast an der Bayerischen Staatsoper, der Deutschen Oper am Rhein, der Hamburgischen und der Wiener Staatsoper, der DOB, Staatsoper & Komischen Oper Berlin und den Opernhäusern Nürnberg, Mannheim, Basel. Viele Auftritte in Radio und TV. Gefeierter Buffa-Komödiant und Operetten-Bonvivant. CD-Edition HAfG  10603-06.

Wieslaw Ochmann
Tenor / *1937 Warschau
Polens führender Tenor der 1960-2000er Jahre. Ausbildung bei Gustaw Serafin & Sergiusz Nadgryzowski in Warschau. Debüt als Donizettis Edgardo in Bytom. Seit 1964 erster Lirico am Teatr Wielki Warschau. Weltweite Karriere, vor allem als Mozartsänger und in Belcanto-Partien: Staatsoper Berlin, ROH Covent Garden London. Grand-Opéra Paris, Nationaltheater Prag, Hamburgische und Wiener Staatsoper, Bolshoj Moskau, schließlich Metropolitan Opera New York. Auftritte bei den Festivals von Glyndebourne und Salzburg. Zahlreiche Tonaufnahmen - in Gesamtproduktionen und Recitals. Zuletzt auch in dramatischen und Charakterpartien international gefeiert.

Andrea Trauboth
Sopran / * 1959 Seefeld (Obb.)
Ausgebildet als Musik- und Theaterwissenschaftlerin. Bühnenstudium im Studio der Bayerischen Staatsoper. Debüt-Engagement in Dortmund. Festengagement am Opernhaus Köln. Gastsängerin an der Bayerischen Staatsoper München, Hamburgischen Staatsoper, Semperoper Dresden, Deutschen Oper Berlin, Württembergischen Staatsoper Stuttgart, Staatsoper Wien. Auftritte an der Scala di Milano und den Opernhäusern in Rom, Triest, Wales, Cardiff, Luxemburg, Strasbourg, Lyon uvm. Zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen. Führend im jugendlich-dramatischen Fach.

Dieter Schweikart (auch ‚Schweikard‘)
Bass / 1942 Iserlohn-Hemer (Westf.)
Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Erstes Engagement als 23-Jähriger am Staatstheater Saarbrücken. Engagements an der Staatsoper Hannover, den Bühnen von Wuppertal & Dortmund, der Deutschen Oper am Rhein, dann langjährig am Opernhaus Köln. Gastauftritte in Berlin, Hamburg, Paris, Brüssel, Amsterdam, Rom, Neapel. 12 Jahre lang Solist der Bayreuther Festspiele. Gründer der Kammeroper Herdecke und Leiter der Kinderoper Köln. Studienleiter an der Musikhochschule Köln und Leiter der Internationalen Sängerakademie in Wels.

Petra Wolf-Perraudin
Mezzosopran / *19?? Braunschweig
Mitglied des NDR-Kinderchors. Studium an der Hamburger Musikhochschule. Meisterschülerin von Franco & Loretta Corelli. Sängerförderpreis der Stadt Salzburg. Spezialisierung auf Belcanto-Interpretation und Stimmpädagogik. Langjährige Praxis als freie Opern- und Konzertsolistin. Auftritte in Berlin, Hamburg, Würzburg, Salzburg, Wien, Italien, Frankreich, USA. Opernpartien u.a. Mozarts Sesto, Rossinis Angelina, Glucks Orfeo, Bizets Carmen, S-Saints‘ Dalila, Donizettis Elisabetta, R.Strauss‘ Herodias.
 

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© Klaus Ulrich Spiegel