Giuseppe Verdi (1813 ‑ 1901)

Die Räuber

I Masnadieri

 

Melodramma in quattro parti di Andrea Maffei
sec. Friedrich Schiller — Deutsche Fassung Hans Hartleb
Uraufführung: 22. Juli 1847, London, Her Majesty’s Theatre

Amateur-Mitschnitt aus der Wiener Volksoper
r. live 23.9.1964

Leitung: Argeo Quadri

 

Maximilian Graf von Mohr Thomas O’Leary
Karl, sein erster Sohn Jean Cox
Franz, sein zweiter Sohn Marcel Cordes
Amalia, Nichte des Grafen Christiane Sorell
Armin, Diener des Grafen Adolf Dallapozza
Pastor Moser Frederick Guthrie
Roller, Karls Gefährte Wolfgang Zimmer

 

Chor & Orchester der Wiener Volksoper

 


 

Die Handlung

 

Ort und Zeit: Böhmen, Sachsen, Franken — Beginn des 18. Jahrhunderts

 

Erster Teil

 

Karl Moor hat sich einer Räuberbande angeschlossen. Des wilden Lebens überdrüssig, sehnt er sich nach Vaterhaus und Braut zurück. Er bittet brieflich um Vergebung. Doch sein missgünstiger Bruder Franz fingiert einen strikt abschlägigen Antwortbrief. Verzweifelt schwört Karl seinen Kumpanen Treue. Sie ernennen ihn zum Hauptmann. — Franz glaubt sich auf dem Weg zu Aufstieg und Macht. Er lässt dem alten Grafen Karls Tod in der Schlacht melden. Frohlockend will er dessen Braut Amalia gewinnen. Der Graf bricht ohnmächtig zusammen, Amalia flieht.

 

 

Zweiter Teil

 

Von Armin, des Grafen Diener, erfährt Amalia, dass der Graf und ihr Verlobter Karl noch leben. Franz versucht, um sie zu werben, bedrängt sie. Er wird abgewiesen. Hasserfüllt droht er Vergeltung an. — Karl hat seinen Gefährten Roller aus der Haft befreit und führt ihn zur Bande zurück. Die Räuber sehen sich von der Miliz umstellt. Um ihr Leben fechtend, stürzen sie sich in den Kampf.

 

Dritter Teil

 

Amalia ist in den Wald geflohen. Dort begegnet sie dem heimgekommenen Karl. Als er erfährt, was geschehen ist, macht er sich auf die Suche nach dem Vater. Armin führt ihn zu einem verlassenen Turm, in dem Franz den alten Mann einkerkern ließ. Der Graf ist dem Wahnsinn nahe; er erkennt seinen Sohn nicht mehr. Karl sendet Bewaffnete aus, um den ruchlosen Franz festzunehmen.

 

 

Vierter Teil

 

Franz wird von furchtbaren Alpträumen geschüttelt. Er lässt den Pastor Moser rufen. Da er keine Reue zeigt, wird ihm Absolution verweigert. Panisch ergreift Franz die Flucht. — Karl gibt sich seinem Vater zu erkennen, der ihn sterbend segnet. Als die Räuber statt des entkommenen Franz Amalia herbeiführen, erfährt diese von Karls Leben in Gesetzlosigkeit. Um nicht sein zu erwartendes unehrenhaftes Ende erleben zu müssen, bittet sie um den Tod. Karl ersticht die Geliebte. Er verlässt die Räuber, um sich der Justiz zu stellen.

 


Unterschätztes Melodram
aus Verdis Belcanto-Periode

 

Sturm und Drang — in Melos getränkt

 

Im Mittelpunkt der dramatischen Handlung von Schillers Jugendwerk Die Räuber, vollendet 1779/80 an der Stuttgarter Militärakademie, steht der Konflikt zweier Brüder. Der vom Vater bevorzugte, kraftvoll-geniale erstgeborene Karl Moor fällt der Intrige des Bruders Franz zum Opfer: Der Vater verdammt den Lieblingssohn. Der wird aus Verzweiflung über erlittenes Unrecht zum Hauptmann einer Räuberbande und damit in persönliche Verbrechensschuld verstrickt. Zum Schluss deckt Karl die schändlichen Machenschaften seines Bruders auf, kann aber den eigenen Verstrickungen nicht mehr entkommen: Der den Gefährten geleistete Treueschwur verhindert seine Rückkehr an die Seite der Geliebten. Auf ihren eigenen Wunsch tötet Karl schließlich Amalia und stellt sich, nun allen Verpflichtungen enthoben, der Justiz.

 

Franz wird getrieben vom Ressentiment des benachteiligten Zweitgeborenen. Seinen irrationalen Gefühlen stellt er eine rationale Philosophie entgegen, die alle Gefühlsbindungen missachtet und sie in reine Negation auflöst. Der im Kern edle Karl hingegen glaubt, durch anarchisches Leben einem ungerechten Schicksal zu entkommen. Als Räuber ein Feind der Reichen und Mächtigen, muss er erfahren, dass den Raubzügen auch Unschuldige, Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Von seiner Freiheit bleibt ihm nur die Freiheit zum Freitod. Doch die verschmäht er und liefert sich der irdischen Justiz aus, deren Unrecht er zuvor bekämpft hat.

 

Schiller setzt so die menschliche Ordnung wieder ein, sei sie auch noch so unvollkommen. Das Drama distanziert sich von zerstörerischer Revolte aus beleidigtem Gerechtigkeitsgefühl (bei Karl) oder aus maßlosem Zynismus (bei Franz). Es formuliert den Abschied von einer Freiheitsgestik, die sich in sich selbst erschöpft. Stattdessen markiert sie einen neuen Freiheitsbegriff, der ohne irdische und überirdische Ordnung nicht denkbar scheint.

 

Giuseppe Verdis und Andrea Maffeis 1847 im Londoner Her Majesty’s Theater — mit der weltberühmten Primadonna Jenny Lind als Amalia — uraufgeführte Opern-Adaption hält sich ungewöhnlich streng an Schillers Tragödie. Freilich musste das riesige Konzept auf viel geringere Dimensionen reduziert werden. Zu den auffälligsten Merkmalen der Oper gehört, neben dem mitreißenden Drive der frühen Verdi-Opern, eine differenzierte Orchesterbehandlung, die mehrfach mit überraschenden instrumentalen Effekten aufwartet. In der Partitur verbindet sich, vor allem in den letzten Akten, eine Vielfalt expressiver musikalischer Momente und pulsierender melodischer Einfälle zu großangelegten innovativen musikdramatischen Komplexen. Das macht das lange ganz vergessene, auch heute auf den Opernbühnen äußerst rare Werk zu einem der interessantesten und aufregendsten Schöpfungen aus Verdis Galeerenjahren, ein Zeugnis des Übergangs vom Belcanto zum Musikdrama.

 

 

Die großen Jahre des zweiten Wiener Hauses

 

Die Wiener Volksoper, in der Nachkriegszeit zunächst eine Art staatliches Operetten‑, Spielopern‑ und Musicaltheater, entwickelte sich in den 1960er Jahren zu einem Opernhaus von Rang, mit ehrgeiziger Spielplanerweiterung, namhaften Dirigenten und Regisseuren und einem attraktiven Sänger-Ensemble aus bewährt-beliebten Wiener Opernstimmen, herausragenden Aufsteigern und ausgewählten Gaststars. Mit einer Reihe sonst in Wien nicht gespielter Raritäten und Ausgrabungen, meisterlich produziert und begeisternd besetzt, konnte das zweite Haus immer wieder in Konkurrenz zur legendären Staatsoper am Ring bestehen.

 

Die Produktion der vom damals renommierten Regisseur Hans Hartleb für die Volksoper erstellten deutschen Fassung von Verdis I Masnadieri war ein Beispiel dafür. Hartleb inszenierte. Der international gefragte Spezialist fürs italienisch-französische Repertoire Argeo Quadri dirigierte. In der Besetzung dominierten, neben der Hausprimadonna Christiane Sorell und dem Alexander-Kipnis-Schüler Thomas O’Leary, vor allem zwei Sänger von internationalem Rang: der spätere respektable Wagner-Tenor Jean Cox und als Stargast der italienische Bariton deutscher Zunge, neben Metternich führende deutsche Verdi-Sänger der 1950/60er Jahre, Marcel Cordes, hier schon von seiner karrierebeendenden Krankheit bedrängt, aber mit einer Sängerdarsteller-Leistung, wie sie kein etwaiger Nachfolger mehr geliefert hat. Vor allem zur Erinnerung an diesen eminenten Sänger und anlässlich seines 90. Geburts­tags am 11.3.2010 veröffentlicht das Hamburger Archiv dieses außergewöhnliche rare Tondokument, trotz seiner klangtechnischen Defizite.

 


Belcanto alla tedesca

 

Musikalischer Leiter der Wiener Produktion von Verdis Schiller-Oper war der aus Como gebürtige Argeo Quadri (∗ 1911 ‑ † 2004), wie viele seiner Zeitgenossen ein Zeuge der vom 19. Jahr­hundert geprägten Tradition. Er hatte bis 1933 am Conservatorio di Musica Giuseppe Verdi Milano Komposition, Klavier und Orchesterleitung studiert. Von Beginn seiner Laufbahn an konnte er erfolgreich an italienischen Opernhäusern wirken — erst in der Fülle regionaler Staggioni, dann an den führenden Musikbühnen des Landes wie Rom, Neapel, Mailand, Venedig, Genua, Turin, Parma. Ab 1956 war er ständiger Gast am Londoner Royal Opera House Covent Garden, wenig später Chefdirigent fürs italienisch-franzöische Fach an der Wiener Volksoper, dann auch Repertoire-Dirigent im gleichen Metier an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Musikbühnen der Hauptstädte im deutschen Sprachraum, Italien, Holland, Belgien, Frankreich und Übersee verpflichteten ihn für Opernproduktionen: Cimarosa, Bellini, Donizetti, Verdi, Ponchielli, Puccini, die Veristen, aber auch Mozart, Meyerbeer, Thomas, Massenet, Saint-Saëns bis zu Richard Wagner. Er arbeitete mit zahlreichen großen Orchestern zusammen, vor allem in Wien, London, Rom, Milano, Amsterdam, Buenos Aires. Die Schallplattenindustrie übertrug ihm viele Opern-Gesamtaufnahmen (der Katalog nennt 32 Pro­duktionen) und Sänger-Recitals. Die Republik Österreich verlieh ihm den Professorentitel.

 

Marcel Cordes (∗ 1920 ‑ † 1992); eigentlich Kurt Schumacher. Absolvent der Musikhochschulen von Kaiserslautern und Mannheim, Schüler von Richard Schubert und Fritz Krauss, studierte Tenor- und Baritonpartien. Debütierte als Bariton, begann aber als Tenor im Lirico-Spinto-Fach, kam über das Opernhaus Kaiserslautern ans Nationaltheater Mannheim, studierte um und startete ab 1951 am Staatstheater Karlsruhe eine zweite Karriere als Bariton. Sie führte ihn schnell an erste Häuser, ab 1954 als Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper München, von dort mit Teilverträgen nach Berlin, Düsseldorf/Duisburg, Stuttgart, Köln, mit Gastspielen auch in Hamburg und Zürich, an die Staatsoper Wien, Scala di Milano, San Carlo Neapel, LaMonnaie Brüssel, Grand-Théâtre de Genève, Opéra de Paris, zuletzt mit einem weiteren Vertrag an die Wiener Volksoper. In Hunderten von Einzelauftritten wurde er als deutscher Bariton von Weltrang berühmt — namentlich als Interpret von Verdi-Partien, mit Rigoletto, Nabucco, Renato, Boccanegra, Posa und Ford im Mittelpunkt, doch auch mit Werken aus Belcanto, Verismo, deutscher Spieloper und Spätromantik, schließlich von Richard Wagner und Richard Strauss. 1962 bis 1964 sang er bei den Bayreuther Festspielen. Einer Einladung an die New Yorker Metropolitan Opera konnte er 1956 wegen Terminproblemen nicht folgen. Mit großen Orchestern unter bedeutenden Dirigenten war er auch als Konzert- und Liedsänger erfolgreich. Ab 1956 entstanden Schallplatten, seit 1955 noch mehr Rundfunkeinspielungen aus allen Genres, dazu Operngesamtaufnahmen und TV-Auftritte. Zu den neben Verdi dominanten Opernrollen des Sängers gehörten: Wolfram, Figaro, Papageno, Fluth, Enrico, Malatesta, die Hoffmann-Bösewichter, Tonio, Alfio, Marcel, Schichi, Rangoni, Shaklovitij, Fürst Jeletzki. Cordes galt auch als Spezialist für Opernpartien des 20. Jahr­hunderts. Die Ertaubung eines Gehörgangs steigerte seine Stressbelastungen. Mitte der 1960er wurde eine Diabetes-Erkrankung diagnostiziert. Darum zog er sich 1969/70 im Vollbesitz seiner Mittel von der Bühne zurück. Er lebte bis zu seinem Tod in Tirol. Ein Sängerstipendium In memoriam Marcel Cordes bei der Tiroler Academia Vocalis erinnert an den außerordentlichen Sänger. Seine Tonaufnahmen drohten mit Ende der LP-Ära in Vergessenheit zu fallen. Eine große CD-Edition beim HAfG und zahlreiche Wiederveröffentlichungen beleben die Erinnerung an ihn seit 2009 aufs Neue.

 

Jean Cox (∗ 1922 ‑ † 2012) absolvierte Gesangstudien an der Alabama University und am New England Conservatory Boston, dann in Frankfurt/.M., schließlich bei Luigi Ricci in Rom und bei Max Lorenz in München. Er debütierte 1951 an der New England Opera Boston als Lenski. Ein Auftritt als Rodolfo beim Spoleto-Festival 1954 führte zum Engagement ans Opernhaus Kiel. 1955 bis 1959 war er am Staatstheater Braunschweig tätig, dann von 1959 bis zum Bühnenabschied Mitglied des Nationaltheaters Mannheim. Schon 1956 begann seine Karriere bei den Bayreuther Festspielen: ab 1956 Steuermann, ab 1969 Erik, ab 1968 Stolzing und Parsifal, 1967 und 68 Lohengrin, 1970 bis 1983 Siegfried. Mit Gastvertrag war er der Wiener Volksoper verbunden. 1958 bis 1973 gab er Gastspiele an der Hamburgischen Staatsoper, 1962 bis 1977 an der Wiener Staatsoper. Er gastierte auch an der Bayerischen Staatsoper, der Württembergischen Staatsoper, am Opernhaus Frankfurt/M. Bei den Bregenzer Festspielen sang er in den 1960ern den Fra Diavolo und in Operetten, sodann am San Carlos Lissabon, beim Festival Aix-en-Provence (Bacchus), an der Deutschen Oper Berlin. Seit den 1970ern war er an der Met NYC (Stolzing), am San Francisco Opera House, der Chicago Opera, der Grand Opéra Paris zu hören. Ab 1975 trat er, nun als Siegmund und Siegfried, an der Covent Garden Oper London und an der Mailänder Scala auf. Weitere Gastspiele führten ihn an die Opernhäuser von Stockholm, Zürich, Genf, Brüssel, Barcelona, Bordeaux, Nizza, Genua, San Antonio, New Orleans, Houston, Pittsburg. Seine Karriere dauerte vier Jahrzehnte lang; noch 1989 sang er in Mannheim den Captain Vere in Brittens Billy Budd. Sein Repertoire reichte von Lirico- über Helden- bis zu Charakterpartien und umfasste mehr als 75 Rollen. Cox war mit der berühmten Altistin Anna Reynolds verheiratet.

 

Christiane Sorell (∗ 1933 Wien) studierte an der Wiener Musikakademie zunächst Violinspiel bis zur Konzertreife. Als Violinsolistin trat sie erfolgreich in ganz Europa auf. Bei Ferdinand Großmann, dem bekannten Wiener Gesangspädagogen, ließ sie zusätzlich ihre Stimme ausbilden. 1955 hatte sie ein bejubeltes Bühnendebüt an der Wiener Volksoper. In Partien des lyrischen und des jugendlichen Fachs, vor allem im italienisch-französischen Repertoire, wurde sie rasch zur zentralen Sopranbesetzung des Hauses, dessen Ensemble sie 20 Jahre lang, zuletzt als Ehrenmitglied, angehörte. Sie war aber auch eine gefragte Gastsolistin, mit Auftritten an der Wiener, Münchner und Stuttgarter Staatsoper und am Opernhaus Frankfurt/M. Seit 1964 hatte sie dazu einen langjährigen Gastvertrag an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Sie gastierte regelmäßig an mitteleuropäischen Bühnen wie Zürich, Bologna, Bordeaux, Lyon. Auch als Konzertsolistin war sie europaweit vielgefragt. Demgegenüber ist ihre Hinterlassenschaft an Tonaufnahmen bescheiden, umso wichtiger dieser Live-Mitschnitt als Belcanto-Heroine.

 

Thomas O’Leary (∗ 1924 Pennsylvania) war nach kurzer Erstausbildung in El Paso/Texas seit den 1940er Jahren Schüler des Jahrhundertbassisten Alexander Kipnis in New York, später noch bei Louis d’Angelo in Rom. Sein Debüt hatte er 1947 als Kezal an der San José Grand Opera (California). Als universell einsetzbarer Bassist kam er rasch zu Engagements in den USA. In den 1950/60ern trat er ständig in Boston, Baltimore, New Orleans, Chicago, Houston, San Francisco und San Diego auf. Dazu nahm er vielfältige Engagements in Europa wahr. Ab 1960 war er Ensemblemitglied am Nürnberger Opernhaus, 1962 bis 1975 dann der der führende Bassist der Wiener Volksoper. Seine Gastspielkarriere führte ihn an die Staatsopern von Wien, Hamburg, München, die DOB Berlin und die Deutsche Oper am Rhein, die Opernhäuser von Rom, Bologna, Triest, Barcelona, Basel, Lyon, Marseille, Köln, Mannheim, Hannover, Graz, Brno, dazu in Canada Toronto und Ottawa. Er war auch als Musical-Star und Konzertsänger erfolgreich. 1975 beendete er seine Laufbahn, in deren Verlauf er das gesamte Hauptpartien-Spektrum des Basso profondo wie Basso cantante absolvierte, von Mozart bis Debussy, Verdi bis Mussorgskij, Wagner bis Orff. Ein nennenswerter Nachlass an Tondokumenten ist in Europa kaum greifbar, die Partie des Grafen Maximilian in diesem Mitschnitt darum von Wert.

 

Frederick Guthrie (∗ 1924 ‑ † 2008) erhielt Gesangsunterricht in Los Angeles, erprobte sich bei einer Opern-Wandertruppe in den USA, musste dann zum Kriegsdienst einrücken, kam so nach Wien und dort zu einem fundierten Studium bei der legendären Elisabeth Rado, dann bei den Sängerstars Josef Witt und Ludwig Weber. Im Konzertsaal hatte er 1953 sein eigentliches Profi-Debüt in Strawinskys Oedipus Rex unter Herbert von Karajan. Er wurde an die Wiener Staatsoper verpflichtet, wo er fast 30 Jahre lang ein universelles Repertoire an Haupt- und Nebenrollen in allen Fächern und Sparten sang. Ab 1958 war er auch Ensemblemitglied am Opernhaus Frankfurt/M. Gastauftritte führten ihn an viele europäische Bühnen, mit den Schwerpunkten Zürich, München, Brüssel, Rom, Triest. Häufig war er auch in den USA tätig, vor allem als Konzertsänger. Er war Solist der Festspiele von Salzburg, Aix und Glyndebourne und Mitwrkender mehrerer Uraufführungen, so in Frank Martins Mystère de la Nativité (Salzburg) und Der Sturm (Wien). Als Gast hatte er viele Auftritte auch in der Volksoper. In Wien gehörte er zu den ständigen Konzertsolisten im Musikverein und Konzerthaus. Anders als Sorell und O’Leary ist er auf Tonträgern, vor allem in konzertanten Werken, gut repräsentiert.

 

Adolf Dallapozza (∗ 1940 Bozen), der attraktive und populäre Wiener Lirico und Operettenstar, ist hier in seinen Anfängerjahren als Comprimario zu hören. Nach gewerblichen Berufsanfängen war er im Buchhandel tätig, absolvierte zugleich ein Gesangsstudium an der Wiener Akademie, wiederum u. a. bei Elisabeth Rado. Einige Jahre sang er im Chor der Volksoper, debütierte dann dort 1962 als Ernesto in Don Pasquale. Schnell etablierte er sich als Solist, zunächst in Kleinrollen, dann als erster Lyrischer Tenor. Sein größter Erfolg war der Chapelou im Postillon von Lonjumeau. Bald kam er als Gast an die Wiener, Münchner und Hamburgische Staatsoper, weiter an die Opernhäuser von Köln, Zürich, Basel, Brüssel, zu den Bregenzer Festspielen und bis an die Scala di Milano, die New York City Opera, das Colón Buenos Aires. Als Operettentenor machte er eine strahlende Medienkarriere mit zahllosen Funk- und Plattenaufnahmen. Der Volksoper blieb er fest verbunden — bis 1995, ab 1984 als Ehrenmitglied. In Wien war er der bevorzugte Tenore di Grazia in deutsch gebotenen Belcanto-Werken, aber auch lyrischen Partien des französischen, slawischen und deutschen Repertoires.

KUS

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© Klaus Ulrich Spiegel