Wolfgang Lenz
    Basso cantante formidabile
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      Wolfgang Lenz (* 29. Januar 1942 in Bonn, 26. Juli 2019 in Ebenhausen  
       /Schäftlarn vor München) war ein deutscher Opernsänger (Bass = Basso
       cantante und Heldenbariton).
Wikipedia-Eintrag von KUS:

    Leben und Laufbahn
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Er studierte zunächst Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und schloss als Diplomierter Volkswirt ab. Danach erst - mit bereits
25 Jahren - nahm er ein Gesangsstudium an der Münchner Musikhochschule auf. Dort waren die international arrivierte dramatische Sopranistin Marianne Schech seine zentrale Lehrerin und der legendäre Hans Hotter ihm ein interpretatorischer Berater. Auf Schechs Betreiben hin, unterstützt durch den Komponisten und Liedpianisten Hermann Reutter, wurde dem Gesangseleven ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zuteil, das ihm ein Meister-studium bei dem Weltstar-Bariton Tito Gobbi in Rom ermöglichte. Tito Gobbi verdankte Lenz nach eigener Aussage die entscheidende Formung seines stimm-lichen Materials und sängerischen Stils nach den Kriterien der klassischen Schule. Mit Gobbi blieb er bis zu dessen Tod in ständiger Verbindung und gesangstech-nischer Betreuung. Ergänzende Studien konnte er bei Spitzensängern der Epoche anschließen: dem berühmten Tenor Mario del Monaco in Venedig & Treviso und dem Jahrhundert-Bassisten Boris Christoff in Rom & Florenz.


Sein Opernbühnen-Debüt hatte Wolfgang Lenz zum Spielzeitbeginn 1977/78 am Theater St. Gallen: mit der Partie des Jacopo Fiesco in Giuseppe Verdis Simone Boccanegra. Erfolg und Resonanz waren nahezu triumphal (Neue Zürcher Zeitung: „Das Werk hieß diesmal Fiesco!“). Lenz wurde Ensemblemitglied mit einem Vor-zugsvertrag, der ihm Studienaufenthalte bei Tito Gobbi in Rom ermöglichte. Er feierte weitere spektakuläre Erfolge als Méphistophélès in Gounods Faust und in der Titelpartie von Verdis Attila, die eine seiner Glanzrollen werden sollte. Sein Ruf verbreitete sich rasch - und führte ihn an das renommierte Staatstheater Darmstadt, wo Kurt Horres als Intendant und Hans Drewanz als Generalmusik-direktor amtierten. Lenz - durch Erscheinung und Ausstrahlung dazu prädestiniert - überzeugte auch hier sogleich: in zwei deutsch gesungenen daPonte-Partien Mozarts: Graf Almaviva in Figaros Hochzeit (Le Nozze di Figaro) und in der Titelrolle des Don Giovanni.

Das feste Engagement in Darmstadt führte aber nicht zur Übertragung von
sich anbietenden größeren (und Wunsch-)Partien. Auch wurden dem Sänger keine Urlaube für zahlreich sogleich angefragte Gastauftritte im In- und Ausland bewilligt. Damit die gerade aufblühende Karriere keine Verschleppung erfahren sollte (Lenz war bereits über 30 Jahre alt) kündigte er seinen Darmstädter Vertrag und begann - in Abstimmung mit seinem Meister Gobbi -eine Praxis als freier Gastsänger, zunächst an Stadt- und Landestheatern in Deutschland, Schweiz, Österreich, dann auch an führenden Häusern Italiens. Besonders folgenreich war sein Debüt als Heldenbariton mit der Titelpartie von Richard Wagners Der fliegende Holländer beim Festival di Due Mondi in Spoleto unter der Leitung von Christian Badea - ein Auftritt, der nicht nur weitere Engagements, so in Bologna und Venedig, bewirkte, sondern auch als Film-Mitschnitt der RAI dokumentiert wurde und lange als DVD erhältlich war.


Diesen Erfolgen schloss sich in schnellen Zügen eine Solistenkarriere mit vor
allem Basso-cantante- und Heldenbariton-Partien an, die sich zu weiten Teilen auch in Konzertaufführungen mit führenden Orchestern & Chören unter Diri-genten der ersten Rangreihe, dazu auch mit Liedprogrammen, manifestierte und zu Medien- und Weltruhm strebte. Unter anderem bahnte sich, veranlasst durch den Dirigenten Giuseppe Patané, ein Engagement an die Bayerische Staatsoper München an, das nach dem plötzlichen Tod des Dirigenten nicht mehr realisiert wurde. Auch war der Sänger Zeit seiner Laufbahn durch einen Mangel an „Biss und Ellenbogen“ = Durchsetzungstemperament behindert, ein eher wägender, kontemplativer Charakter. Seine Prachtstimme, meisterliche Singtechnik, glän-zende Bühnenerscheinung, Darstellungskraft und Personality hätten ihn dennoch ohne Zweifel in die allererste Sängerreihe geführt (er wurde häufig mit dem
Italo-Bassisten Ruggero Raimondi verglichen).


Sein Wirken erfuhr ein jähes Ende, als ihn ab 2005 eine zunächst falsch diagno-stizierte, dann über Jahre hin von Rückfällen bestimmte schwere Erkrankung an weiteren Präsenzen und Einsätzen hinderte. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er 2007 im Münchner Künstlerhaus mit Brahms‘ Vier ernsten Gesängen. Er brach seine Laufbahn ab, lebte - der Kunst und Musik zugewandt, immer wieder zu Kultur-Events in sein Haus einladend - hauptsächlich in Ebenhausen südlich München, sporadisch auch in Rom, bis ihn im Juli 2019 als Spätfolge seiner Erkrankung „la fine della commedia“ ereilte.


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Bühnen und Podien  (Auswahl)

Staatstheater Darmstadt
Staatstheater Wiesbaden
Stadttheater Bern
Landestheater Klagenfurt
Staatstheater Braunschweig
Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen
Niederrhein-Oper Krefeld & Mönchengladbach
Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg
Hamburgische Staatsoper
Opéra du Rhin, Strasbourg
Teatro Giuseppe Verdi, Triest
Teatro La Fenice di Venezia, Venedig
Teatro Comunale di Bologna
Teatro dell’Opera di Roma, Rom
Opera Comunale Nuova di Firenze, Florenz
(+ Maggio Musicale Fiorentino)
Opéra de Marseille
Teatro alla Scala di Milano, Mailand
Festival di Due Mondi, Spoleto
Festival Sacra Musicale Umbra, Perugia+Umbrien
Festival Internacional de Santander, Cantabria/Spanien
Greek National Opera House, Athen
Earls Court Concert Hall, London
The Israeli Opera House Tel Aviv, Israel


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Opernpartien (Auswahl)

Le Nozze di Figaro (Wolfgang Amadeus Mozart): Conte Almaviva
Don Giovanni (W. A. Mozart): Titelpartie
Il Matrimonio segreto (Domenico Cimarosa): Don Geronimo
Il Turco in Italia (Gioachino Rossini): Selim
La Sonnambula (Vincenzo Bellini): Conte Rodolfo
Lucia di Lammermoor (Gaetano Donizetti): Raimondo Bibident
La Favorita (Gaetano Donizetti): Baldassarre
Fidelio (Ludwig van Beethoven): Don Pizarro
Der Freischütz (Carl Maria von Weber): Kaspar
Medea (Luigi Cherubini): Creonte (Kreon)
The Beggar’s Opera (Gay & Pepusch): Jeremiah Peachum
Nabucco (Giuseppe Verdi): Zaccaria
Attila (Giuseppe Verdi): Titelpartie
Il Trovatore / Der Troubadour (Giuseppe Verdi): Ferrando
Don Carlos / Don Carlo (Giuseppe Verdi) Philipp/Filippo II
Simon Boccanegra (Giuseppe Verdi): Jacopo Fiesco
Aida (Giuseppe Verdi): Ramphis
Falstaff (Giuseppe Verdi): Pistola
Der fliegende Holländer (Richard Wagner): Titelpartie
Tannhäuser (Richard Wagner): Landgraf Hermann & Biterolf
Die Walküre (Richard Wagner): Wotan
Faust (Charles Gounod): Méphistophélès
Die Perlenfischer (Georges Bizet): Nurrabad
Fürst Igor (Aleksandr Borodin): Prinz Galitzkij
Eugen Onegin (Pjotr Tshajkovskij): Fürst Gremin
Salome (Richard Strauss): Jochanaan
Der Golem (Eugene d’Albert): Titelpartie
Tiefland (Eugene d’Albert): Tommaso
Palestrina (Hans Pfitzner): Papst Pius & Kardinal Madruscht
Karl V. (Ernst Krenek): Titelpartie
Penthesila (Othmar Schoeck): Achilles


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Konzertstücke (Auswahl)

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem KV 626
Joseph Haydn: Die letzten sieben Worte HOB XX/1:A

Ludwig van Beethoven: Missa Solemnis op. 123
Ludwig van Beethoven: Sinfonie No. 9 op. 125
Gioachino Rossini: Petite Messe Solennelle
Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Gustav Mahler: Orchesterlieder
Claude Debussy: L’enfant prodigue


Liedprogamme mit Werken von Schubert, Schumann, Brahms, Wolf

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Dirigenten & Orchester (Auswahl)

Gerd Albrecht
Franco Caracciolo
Gabriel Chmura
Oscar Danon
Antal Dorati
Hans Drewanz
Carlo Franci
Heinrich Hollreiser
Peter Maag
Lorin Maazel
Riccardo Muti
Günter Neuhold
Giuseppe Patané
Zoltan Pesko
Baldo Podic
Nello Santi
Ulf Schirmer
Juri Simonov
Horst Stein
Pinchas Steinberg
Emil Tschakarov
Lothar Zagrosek


London Symphony Orchestra
Philharmonia Orchestra London
Boston Symphony Orchestra
Detroit Symphony Orchestra
Israel Symphony Orchestra
Le Orchestre sinfoniche della RAI di Roma, Napoli, Perugia
Orchestre National de Paris
Orchestre Philharmonique de Radio France
Bamberger Symphoniker
Gürzenich Orchester Köln
Akademisches Sinfonieorchester München


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Tondokumente

TV-Produktionen bei:
RAI Roma / BBC / RTF Paris (mit Tito Gobbi)
Radio-TV Belgique
Marschner/DER VAMPYR
- Partie des Sir Berkley - Hommage 1980 Rom
Mitschnitte aus Opern und Konzertauftritten in Privatarchiven:
Verdi/ATTILA, atti 1 & 2
Verdi/DON CARLO & SIMONE BOCCANEGRA - Szenen (mit Tito Gobbi)
Gounod/FAUST - Ausschnitte
Donizetti /LUCIA DI LAMMERMOOR - Ausschnitte
Mozart/FIGAROS HOCHZEIT & DON GIOVANNI - Ausschnitte
Rossini/DER TÜRKE IN ITALIEN - Ausschnitte
Wagner/DER FLIEGENDE HOLLÄNDER - gesamt
Verdi/MESSA DA REQUIEM - gesamt

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© Klaus Ulrich Spiegel