Gasteintrag von Max Brym **)

Elsässer – Rechtsextremist

Seit 2009 gibt es die „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“. Boss dieser Vereinigung ist der umtriebig-standortwandlerische Vielfach-Ex-Linke Jürgen Elsässer. Elsässer war einst Mitglied im „Kommuni- stischen Bund“, um am Anfang der 1990er Jahre zum Chefideologen der sich so nennenden „Antideutschen“ zu werden. In den Neunzi- gern war Elsässer an der Spaltung der Redaktion von jungeWelt beteiligt. Er war dann Mitbegründer des Zentralorgans der Antideut-schen: „Jungle World“. Anschließend ging er zu „konkret“ mit der Begründung, die „Jungle World“ sei ihm nicht antideutsch genug (ob Brym da die Reihenfolge nicht etwas aus dem Blick verliert – Elsässers Wandlungen sind allerdings unübersichtlich in ihrer Tempodynamik / KUS). In dieser Zeit entdeckte Elsässer jede Menge Antisemitismus auch und gerade dort, wo keiner vorlag. Nach seinem kurzen Gast- spiel bei „konkret“ landete er wieder bei der „Jungle World“. Dort entwickelte er ein immer nationalistischeres Programm. Er klagte eine „Einheitsfront von Gauweiler bis Lafontaine“ ein (oder an - ?).

Die Konzeption einer Querfront zwischen „Rechts und Links“ war entwickelt von dem NS-Dissidenten Otto Strasser und ansatzweise ausprobiert durch General Schleicher gegen Ende der  Weimarer Republik. Sie ist – in der Nachahmung - eine Quintessenz der Politik-vorstellungen des Jürgen Elsässer.

Wegen seiner nationalistischen Artikel flog Elsässer bald aus der Redaktion der
jungeWelt und letztendlich auch aus dem Team des „Neuen Deutschland“. Umgehend gründete er die sogenannte „Initiative gegen das Finanzkapital“. An seiner Seite befand sich sehr schnell der ehemalige Trotzkist und Diplom-Philosoph Peter Feist. Dieser bezeichnet sich jetzt als Militärhistoriker. Die Propaganda von Jürgen Elsässer ist dem Wesen nach heute in keiner Form mehr anti- kapitalistisch. Elsässer unterscheidet zwischen produktiven heimatver-bundenen Industriekapitalisten und gierigen Finanzhaifischen mit kosmopolitischer Orientierung. Als Sitz dieser Finanzhyänen macht er die Ostküste der USA aus. Dort sitzt für Elsässer der Hauptfeind, und gegen den will er den Nationalstaat verteidigen.

Die Theorie von Elsässer ist jedoch bekannt. Die Unterscheidung zwischen „schaffendem“ und „raffenden Kapital“ ebenso. Elsässer bedient mit seiner Kapitalismuskritik altgewohnte antisemitische Ressentiments - im Stil des NS-Ideologen Gottfried Feder mit dessen „Brechung der Zinsknechtschaft“. Besonders in Herz geschlossen hat Elsässer den Iran-Präsidenten Ahmadinedschad. Der Verteidigung dieses autoritären Exzentrikers widmete Els
ässer ein ganzes Buch in seiner Broschüren-Reihe compact im Kai Homilus Verlag. In Artikeln zur Würdigung Ahmadinedschads bezeichnete er Menschen aus dem Iran, die als Gegner des Regimes protestierten, mit Begriffen wie Disco-Miezen und "Anhänger der Love Parade".

Will Elsässer eine neue Partei gründen ? *)
Am 25.9.2010 in traf sich die sog. „Volksinitiative“, eine Gründung Elsässers, zu einer Manifestation in Berlin. Sie hatte das Motto: Der Euro vor dem Zusammenbruch – Wege aus der Gefahr“. Der Abend war zugleich eine Jubelveranstaltung für Thilo Sarrazin. Ein Redner hatte dazu ein eigenes Referat „Deutschland schafft sich ab“ – das darf nicht sein!“ vorbereitet. Thematisiert wurde immer wieder die Notwendigkeit, eine rechtspopulistische Partei in Deutschland zu gründen. An der Konferenz nahmen 800 Menschen teil. Mit beson- derem Stolz verzeichneten die Veranstalter die Reden des radikal EU-feindlich engagierten Briten Nigel Farage (UKIP) und des Staats-rechtlers, EU-Verächters und FPÖ-Propagandisten Karl Albrecht Schachtschneider.


Bei der Europawahl 2009 wurde Farage wieder ins Europaparlament gewählt. Er übernahm zusammen mit Francesco Speroni den Vorsitz in der Fraktion „Europa der Freiheit und Demokratie“ (EFD), einer Nachfolgerin der Ind/Dem-Fraktion. Sie vereint vor allem die britische United Kingdom Independence Party (UKIP) und die extrem-rassisti- sche italienische Lega Nord, dazu einige rechtsstehende Kleinpar-teien. Mit insgesamt 31 Abgeordneten ist sie die kleinste Fraktion des Europa-Parlaments. Fraktionsvorsitzende sind Nigel Farage (UKIP) und Francesco Speroni (Lega Nord). Karl Albrecht Schachtschneider war Mitglied der SPD, dann der CDU, dann der 1994 gegründeten Kleinpartei „Bund freier Bürger“, aus der er jedoch nach einem Halb- jahr wieder austrat. In „Blick nach Rechts“ kritisierte Anton Maegerle Auftritte von Schachtschneider bei rechtsradikalen und rechtsextre-mistischen Parteien.

Das Compact Magazin
Im Kai Homilius Verlag erscheint seit Dezember 2010 ein von Jürgen Elsässer herausgegebenes Medium: das „Compact -Magazin“, seit Dezember 2010 im Buchhandel und an ausgewählten Kiosken erhältlich. Die erste öffentliche Nummer von „Compact“ hatte den Titel: „Der nächste Bundeskanzler- was eine neue Volkspartei erreichen kann“ Über der Schlagzeile ist Thilo Sarrazin mit seinem unsäglichen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ abgebildet. Anlässlich der „Compact“-Premiere gab es in Berlin wieder eine öffentliche Veran-staltung, am 6. Dezember 2010. Dabei fand eine Podiumsdiskussion mit Jürgen Elsässer, Dieter Stein, Oliver Janich, Sulaiman Wilms und Dee Ex statt.

Oliver Janich ist Gründer der „Partei der Vernunft“. Über die Ziele dieser Partei ist auf deren Homepage zu lesen: „In den nächsten Wochen sollen nun in aller Ruhe einige dieser Personen angesprochen werden. Zu den Namen, die in der Frankfurter Siesmeyerstraße erwähnt wurden, zählen neben Thilo Sarrazin, der jetzt aus Sicht der Unternehmer eher unerwartet wieder einmal in die Schlagzeilen geriet, auch die Politiker Friedrich Merz und Hans-Jürgen Irmer, die Wirtschaftsprofes- soren Hans-Olaf Henkel, Hans-Werner Sinn, Wilhelm Hankel, der Jurist Karl Albrecht Schachtschneider, der Journalist Roger Köppel und die frühere Tagesschau-Sprecherin Eva Herman. Insgesamt sollen in nächster Zeit weit mehr als 50 Personen auf ihre grundsätzliche Bereitschaft hin angesprochen werden, beim Aufbau einer neuen politischen Bewegung unterstützend tätig zu werden."

Dieter Stein ist Journalist und Chefredakteur der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Er gilt als Vertreter der neuen Rechten, die Schnitt-mengen zu konservativen Gruppen und Personen sucht. Elsässer nannte ihn auf seiner Website: „Einen vernünftigen und geläuterten Rechten“.

Sulaiman Wilms ist Herausgeber und Chefredakteur der „Islamischen Zeitung“. Diese Zeitung ist kein Medium für gläubige Muslime - im Gegenteil. Sie verortet sich selbst als rechts und konservativ. Immer wieder findet man dort antisemitische Artikel. Ihr Antisemitismus kommt stets mit der Parole auf den Markt:„Die Israelis tun ähnliches wie die Nazis“. Somit hat Wilms kein Problem, mit deutschen Rechten Gespräche und Debatten zu führen.

Dee Ex - Auf der Seite der neonazistischen  Hetzseite Altermedia ist über sie zu lesen: „ Die Rapperin Dee Ex bezeichnet ihre Musik als patriotischen Rap. Ihre Fans rekrutiert sie unter den Anhängern des Rechtspopulismus bis zu Autonomen Nationalisten.“

Jürgen Elsässer feierte die Veranstaltung vom 6.12.2010 in Berlin mit diesen Teilnehmern hemmungslos ab. Er sprach von einem „großen Erfolg“ und einer „neuen Diskussionskultur“. In der Tat, die Volks-initiative entwickelt sich relativ schnell. Vor allem im bürgerlich rechts populistischen Milieu ist man begeistert über die linken Wende- hälse Elsässer und Feist. Dennoch bleibt festzuhalten: Die Initiative hat bis dato keinen nennenswerten Einfluss innerhalb der Linken in Deutschland errungen. Abgesehen vielleicht von Stephan Stein, der sich mit einer „Ost-KPD“ als Nachfahre von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gebärdet. Auch Stein liefert immer wieder freundliche Artikel für die Website von Jürgen Elsässer.

Für die meisten Linken ist Elsässer allerdings gestorben. Daraus entwickelt sich eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Treiben der Volksinitiative. Diese Ignoranz sollte sich keinesfalls verfestigen. Die Querfrontpolitik Elsässers und seiner Kameraden ist zwar keine Erfolgsgeschichte, dennoch sollten ihre Wirkungen nicht unterschätzt werden. Elsässer schreibt nicht nur für seine Website und Compact Magazin, sondern auch für andere Medien, darunter die „ Preußische Staatszeitung“. Elsässer wird sogar nach Moskau eingeladen, um an Debatten im dortigen TV teilzunehmen.

Allein der Versuch, mit positivem Bezug auf Thilo Sarrazin und Eva Hermann Anhänger zu gewinnen, hat fallweise Erfolg. Das monat- liche Erscheinen des Compact-Magazins, jetzt auch im Verlagshandel, legt die Vermutung nahe, dass die Elsässer-Gruppe über bestimmte finanzielle Mittel verfügt. Auf der Website der Volksinitiative werden fast flächendeckend in ganz Deutschland Stützpunkte und Gruppen der Initiative benannt.

Besonders gefährlich scheint die enge Verbindung zwischen Volks-initiative und der Internetzeitung „Schall und Rauch“. Fast überall in Deutschland und in der Schweiz gibt es sogenannte Stammtische dieses Mediums. Einmal im Jahr treffen sich diese Stammtische in Deutschland zu einer zentralen Veranstaltung. Auf letzterer tritt auch Elsässer regelmäßig auf. Die Plattform „Schall und Rauch“ will ebenso wie Elsässer in alter Querfrontmanier die „Gegensätze zwischen Links und Rechts“ überwinden. Die Plattform hat esoterische Tendenzen. Sie erklärt alles Ungemach auf dieser Welt mit Verschwörungen.

Für Elsässer wie für „Schall und Rauch“ gibt es kein gesellschaftliches System mit sozialen Gegensätzen, sondern ausschließlich finstere Verschwörungen. Die Stammtische haben ziemlichen Zulauf. In München muss man sich auf der örtlichen Website anmelden, um am München-Stammtisch in Neuhausen teilnehmen zu können. Die Teil- nehmerzahl in München liegt im Schnitt bei 200 Personen. Zwischen „Schall und Rauch“ und der Volksinitiative laufen intensive Gespräche über eine Vereinigung der beiden Gruppen. Wenn noch andere Gruppen und Promis dazu kämen, könnte aus der Volksinitiative eine neue rechte Partei unter Berufung auf Thilo Sarrazin entstehen.

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Quellen:
Website Jürgen Elsässer
Website „Schall und Rauch
Wikipedia-Website „Die Rothe Fahne“
Junge Freiheit Website
Blick nach Rechts Website

 

*) 2016 nicht mehr notwendig. Elsässers Partei ist nun die wahlerfolgreiche, nach der
     Vertreibung ihrer neoliberal-konservativen Gründer nach rechtsextrem hin radikalisierte
     AfD - in seinem Magazin compact so emphatisch gefeiert wie zuvor der Elsässer-
     Wunschbundeskanzler Sarrazin -.


**)  Zum besseren Verständnis fehlerbereinigt, korrigiert und redigiert.

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       Nachtrag von Andreas Kemper  – 27. Juli 2016
   Jürgen Elsässer, Herausgeber des „Compact-Magazin“ rief direkt das Militär
   in Deutschland (= "unsere Bundeswehr") auf, eigenständig Grenzbahnhöfe und
   Grenzen gegen die „Invasion“spläne durch die „Volksverräterin“ Angela
   Merkel zu besetzen. Elsässer arbeitet mit dem neurechten Götz Kubitschek
   zusammen. Beide sprachen sich für einen „deutschen Maidan“ aus, also eine
   Platzbesetzung nach dem Vorbild des Aufstandes in der Ukraine, die direkt 
   zum Sturz der Regierung führte. Nach Kubitschek befinden die Deutschen
   im Zustand des „Vorbürgerkriegs“. Ähnlich drückt dies der Thüringer
   Fraktionschef der AfD, Björn Höcke, aus: Die AfD sei die „letzte friedliche
   Chance“. Der mit Elsässer und Kubitschek zusammenarbeitende Höcke
   prognostizierte schon häufiger einen Bürgerkrieg, aber er geht längst noch
   weiter.


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    Jürgen Elsässer – vom KB zur AfD
     
   
* 20. Januar 1957 in Pforzheim. Journalist, Publizist & politischer Aktivist.
    Von etwa 1975 bis 2008 war er Artikelautor, Redakteur und/oder Mitherausgeber verschiedener linksgerichteter Printmedien. Darunter waren der Arbeiterkampf (bis 1991), Bahamas (1991 ff.), Jungle World (1997–2000), junge Welt und konkret (bis 2002) sowie Neues Deutschland (2008). Während einiger Jahre vertrat er Positionen der "Anti-deutschen", ab 2003 die der leninistischen Antiimperialisten.
    2009 gründete er eine „Volksinitiative gegen das
Finanzkapital“, die für Neue Rechte offenstand. Seit Ende 2010 ist er Chefredakteur des rechtspopulistischen Monatsmagazins Compact. 2014 und 2015 trat er bei den Mahnwachen für den Frieden, bei Legida und Pegida auf. 2016 positionierte er Compact als Wahlkampforgan für die rechtspopulisti- sche Partei Alternative für Deutschland (AfD). Er vertritt anti-amerikanische, homophobe und rassistische Positionen, die er mit einer Querfront möglichst weit verbreiten will. Einige seiner Aussagen werden als antisemitisch kritisiert.

    Journalist linksgerichteter Printmedien
In den 1980er Jahren hatte Elsässer für die Zeitung des Kommunistischen Bundes Arbeiterkampf (AK) geschrieben. Mit seinem Artikel „Warum die Linke antideutsch sein muß“ (1990) wurde er Mitbegründer der „antideutschen“ Strömung in der radikalen Linken. Nach der Auflösung des KB (1991) gab er die Zeitschrift Bahamas heraus. Eine Weile vertrat er als Redakteur die vorherrschende Linie der Zeitung junge Welt, die die Olitik des Staates Israel kritisierte und mit Palästinensergruppen sympathisierte. Nach einem Konflikt mit der Geschäftsführung der jungen Welt gründete Elsässer 1997 die Zeitung Jungle World mit und gab sie bis 2000 mit heraus.
    Danach war er unter anderem "gelegentlich Autor" für die
Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und schrieb auch für das Kursbuch. Als Redakteur für konkret rief er, so Steffen Kailitz, zu Aktionen etwa gegen den Historiker Ernst Nolte auf, dessen Thesen den Historikerstreit von 1986/87 ausgelöst hatten.
    Im Februar 2002 trennte sich die junge Welt, im Sommer 2002 auch die Jungle World von Elsässer. Im Dezember 2002 beschrieb er die Zustimmung einiger Linker zum
Irakkrieg der USA als Abkehr vom seit 1945 geltenden pazifistischen „Minimalkonsens“ der westdeutschen Linken. Im Zusammenhang damit entließ konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza Elsässer Ende 2002 als verantwortlichen Redakteur des Politikteils. Ab April 2008 bis 15. Januar 2009 arbeitete Elsässer für die Tageszeitung Neues Deutschland.

    Politische Wendung nach Rechts
Seit den 1990er Jahren zeigte Elsässer eine Neigung zu einer Querfront, die linke und rechte Positionen verbindet. In seinem sog. Braunbuch DVU (1998) nannte er die rechtsextreme Partei Deutsche Volksunion „nationalrevolutionär“.
    Wie andere Linke widersprach er den offiziellen Begründungen für den
NATO-Krieg gegen Jugoslawien (1999), darunter den Opferzahlen zum Massaker von Srebrenica (Juli 1995). Dabei ergriff er zunehmend Partei für einen Panserbismus und für verurteilte serbische Kriegsverbrecher.
    Im März 2006 widersprach Elsässer Antisemitismusvorwürfen gegen den Film
Tal der Wölfe – Irak und forderte, die Friedensbewegung solle den Film als Argument gegen die Irakpolitik der USA nutzen. Der österreichische Journalist Karl Pfeifer sah darin eine Hinwendung Elsässers zur „Volksgemeinschaft“, „in der Rechte und Linke sich gegen den gemeinsamen Feind mit Islamisten und türkischen Chauvinisten verbünden wollen.“
    Im November 2006 schrieb Elsässer, mit Staatsgeldern werde „
Multikulti, Gender-mainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können“. Das wurde als Plädoyer für eine Querfrontpolitik der Linksfraktion aufgefasst, ebenso wie ein Interview, das Elsässer der rechtsextremen französischen Zeitung Le Choc du Mois gab.
    In seinem Buch Links oder lahm? (2006) plädierte Elsässer für Plebiszite als Weg
zum Sozialismus, den die
Bolivarische Revolution in Venezuela vorgemacht habe In seiner Publikation Angriff der Heuschrecken zur „Heuschreckendebatte“ plädierte er dafür, „Modernisierungsverlierer“ für eine Verteidigung des Nationalstaats gegen die „globalistischen Attacken der USA“ zu mobilisieren. Bernhard Schmid (Die Wochen-zeitung) nannte das „linken Populismus“, Rüdiger Göbel (jW) dagegen sah darin das „derzeit wohl spannendste wie provokativste Druckwerk zum Zustand und zur Zukunft der Linkskräfte in diesem Land.“
    Am 10. Januar 2009 rief Elsässer in Berlin zum Aufbau einer „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ auf. Ein breites Bündnis „von
Lafontaine bis Gauweiler“ solle den „bewussten Angriff des angloamerikanischen Finanzkapitals“ in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise abwehren. Dabei spiele der Nationalstaat „eine entschei- dende Rolle“. Die „Volksfront“ müsse „die entschädigungslose Nationalisierung des Finanzsektors“ durchsetzen. Dazu kündigte Elsässer einen Kongress an, der auf keinen Fall marxistisch sein werde. Er schloss eine Zusammenarbeit mit der NPD aus. Der NPD-Vizevorsitzende Holger Apfel hatte Elsässers Vorstoß jedoch am Vortag begrüßt: Elsässer wolle „auf nationaler Grundlage den Dualismus von rechts und links durch die Schaffung einer antiglobalistischen und antiimperialistischen Gerechtigkeitsbewegung überwinden“. Die NPD und die neurechte Zeitschrift Junge Freiheit warben für Elsässers Aufruf.
    Die
Linksfraktion dagegen distanzierte sich von Elsässers Initiative; Norman Paech sagte eine Diskussion mit ihm ab. Weil Elsässer „an rechte Parolen angedockt“ habe, kündigte das Neue Deutschland ihm am 15. Januar 2009 den Autorenvertrag. Beim Bremer Landesverband der Linkspartei konnte er seine Initiative am 19. Januar 2009 jedoch vorstellen. Andere Linke kritisierten seinen Aufruf als endgültige Hinwendung zu einer nationalistischen Querfront in der Tradition des Nationalsozialisten Otto Strasser und des Rechtskonservativen Kurt von Schleicher.
    Im Juni 2009 begrüßte Elsässer die Wiederwahl des Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentschaftswahl im Iran als „schöne Schlappe für den Imperialismus“ der USA. Zu dessen Handlangern zählte er die inneriranische Opposition und begrüßte deren Unterdrückung.
    Zu einer Konferenz der „Volksinitiative“ zum Thema „Der Euro vor dem Zusammen-bruch“ (Berlin, 25. September 2010) lud Elsässer die Rechtspopulisten
Nigel Farage (United Kingdom Independence Party) und Karl Albrecht Schachtschneider, rechte Esoteriker und neoliberale Ökonomen wie Max Otte, Michael Mross & Edgar Most als Redner ein.

    Chefredakteur von Compact
Im Dezember 2010 wurde Elsässer Chefredakteur des Monatsmagazins Compact und Mitherausgeber neben Andreas Abu Bakr Rieger und dem Verleger Kai Homilius. Elsässer gab an, er wolle mit dem Blatt Debatten zwischen Linken und Rechten jenseits der „Political Correctness“ anstoßen. Er gewann jedoch überwiegend neurechte und rechtskonservative Autoren, die auch in der "Jungen Freiheit" schreiben. Ab der zweiten Ausgabe machte er Anti-Amerikanismus und Anti-Imperialismus zur Hauptlinie des Blattes. Rieger verließ die Redaktion im November 2014 wegen „rassistischer und nationalistischer Positionen“, etwa zu Pegida und zur Russlandkrise.
Compact wird als „Querfront-Magazin“
oder „rechtspopulistisches Magazin mit Hang
zu
Verschwörungstheorien“ oder „Zentralorgan für Verschwörungstheorien“ und als „momentane Speerspitze perfider Agitation gegen die Flüchtlingspolitik der Bundes-regierung“ eingeordnet.

    Redner bei Pegida & Legida
    Ab 21. April 2014 trat Elsässer einige Male als Redner bei den von Lars Mährholz initiierten „Friedensmahnwachen“ auf. Er bezeichnete die Anwesenden, darunter NPD- Vertreter, als „die wahren Antifaschisten“, die aktuell gegen einen neuen Weltkrieg kämpften. „Nicht links, nicht rechts, sondern vorwärts“, sei seine Parole. Gemeinsamer Gegner des „Volkes“ sei die „internationale Finanzoligarchie“, als deren Vertreter er
„die Herren
Rockefeller, Rothschild, Soros, Chodorkowski“ namentlich hervorhob. Diese benutzten die Federal Reserve Bank, „um die ganze Welt ins Chaos zu stürzen“.
    Die Hervorhebung einzelner jüdischer Bankiers als angebliche Lenker des globalen Finanzsystems und Drahtzieher internationaler Krisen wurde als traditionelles antisemi-tisches Klischee kritisiert.
Die Publizistin Jutta Ditfurth bezeichnete Elsässer mit Bezug auf ähnliche Aussagen bei den Mahnwachen als „glühenden Antisemiten“ Elsässer klagte im Mai 2014 gegen diese Bezeichnung und erhielt im Elsässer-Ditfurth-Prozess (Juli 2014; Dezember 2014) zweimal Recht. Er verkündete das als „Finalsieg über Ditfurth“, die jedoch eine Verfassungsbeschwerde einlegte. Deutsche und israelische Journalisten kritisierten die Urteilsbegründung der ersten Instanz als Verengung des Antisemitismus-begriffs auf die Nazizeit.
    Ab Mai 2014 versuchte Mährholz Elsässer als Mahnwachenredner auszuschließen, worauf andere Mahnwachen ihn einluden. Im März 2015 wollten einige Vertreter der
Friedensbewegung die Zusammenarbeit mit den Mahnwachen nur fortsetzen, wenn Elsässer davon ausgeschlossen würde.

    Zur Flüchtlingskrise
  Angesichts der Flüchtlingskrise rief Elsässer am 13. September 2015 in seinem Blog
die Soldaten der
Bundeswehr dazu auf, auf eigene Faust die deutschen Grenzen gegen den weiteren Zustrom von seiner Ansicht nach illegalen Migranten zu sichern. Die öffentliche Zusicherung Angela Merkels, Deutschland werde Flüchtlingen aus Bürger-kriegsländern zumindest ein Bleiberecht gewähren, bezeichnete er als „von der Kanzlerin befohlene Selbstzerstörung“, gegen die deutsche Soldaten ihre „Machtmittel“ einsetzen sollten. In der tageszeitung wurde vermutet, Elsässer wolle mit diesem kaum verhohlenen Aufruf zum gewaltsamen Umsturz absichtlich ein Ermittlungsverfahren provozieren, um auf die nächste „Souveränitätskonferenz“ seiner Zeitschrift Compact aufmerksam zu machen.

    Rezeption bei Rechtsextremisten
Auch im rechtsextremistischen Spektrum wurden Publikationen Elsässers vereinzelt positiv interpretiert, so etwa 2007 von dem NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel. Dieser meinte in einem Beitrag auf der Homepage der NPD, dass Elsässer „Brücken zur NPD“ schlage.
   
Die Welt berichtete im Oktober 2014 über Planungen zu einem „Wissenskongress“
der
Alternative für Deutschland, an dem Vertreter der Neuen Rechten, „darunter Jürgen Elsässer“, teilnehmen sollen. Der Artikel zitiert auch einen Blogeintrag Elsässers über die als rechtsextrem eingeschätzte Bewegung Hooligans gegen Salafisten: „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich jemand von HoGeSa zur nächsten Demo für Frieden und Souve- rä nität einladen.“ Am 4. März 2016 trat Elsässer bei der AfD in Ingolstadt auf. Ein Bündnis von Gewerkschaften, Parteien und Fangruppen des FC Ingolstadt 04 mobilisierte für eine Mahnwache gegen diesen Auftritt.
    Elsässer befürwortet in seinem Blog die „
PEGIDA“-Bewegung und die von ihr orga- nisierten Demonstrationen. Am 21. Januar 2015 trat er als Redner auf einer Demonstra- tion der Leipziger „PEGIDA“-Aktivisten („LEGIDA“) auf. Kurz zuvor hatte sich die PEGIDA e.V. aufgrund inhaltlicher Differenzen von der Leipziger Veranstaltung distanziert.

    Rezeption bei Wissenschaftlern & Fachjournalisten
Bereits 2006 wies der antifaschistische Fachjournalist Karl Pfeifer darauf hin, Elsässer habe sich zum Nationalbolschewisten entwickelt, der öffentlich mit Querfront-Strategien kokettiere.
    Für die Gründung seiner „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ wurde Elsässer scharf kritisiert. Thomas Vitzthum analysierte eine
Querfront-Strategie, um eine Zusammenarbeit von rechts- und linksradikalen Antikapitalisten unter Betonung des Nationalismus herzustellen. Die (irrigerweise) als „links“ geltende tageszeitung vermutete, der Wortlaut seiner Erklärung sei so formuliert, um „rechtsextreme Kreise explizit in sein Bündnis integrieren“ zu können. Die Redaktion des Neuen Deutschland warf ihm vor, er habe an „rechte Parolen angedockt“, die „höchst gefährlich“ seien. Sie beendete die Zusammenarbeit mit dem Autor.
    2010/11 attestierte ihm
Mathias Brodkorb ('Endstation Rechts') eine Wandlung „vom Antideutschen zum Antiimperialisten“. Überdies wolle er nunmehr „den Nationalstaat gegen das Finanzkapital in Stellung bringen“.
    Der Politikwissenschaftler Clemens Heni (2010) hält Elsässer für „seit einiger Zeit geistig abgedriftet“. Er schmiege sich „der Ideologie und Sprache des Nationalsozialis- mus sowie des heutigen Rechtsextremismus an“. Heni sieht in Elsässer einen „Freund
des Islam“ und einen Gegner des
Universalismus. Heribert Schiedel vom Dokumenta- tions archiv des österreichischen Widerstands bezeichnete Elsässer als „linksnational“.
    Der Historiker
Volker Weiß (2014) attestierte Elsässer, der sich „von schrill links
nach schrill rechts“ entwickelt habe, einen „prorussischen Kurs“. Elsässer habe eine „populistische Begabung“ und personifiziere gekonnt eine
Querfront-Strategie.
    Der Historiker
Olaf Glöckner (2015) stellt fest, Elsässer werde „inzwischen bescheinigt, zunehmend auch mit rechtspopulistischen Gruppierungen und mit der sächsischen PEGIDA-Bewegung zusammenzuarbeiten.“ Er pflege – wie schon in der Vergangenheit – bestimmte Feindbilder u.a. „internationales Finanzkapital“, „Kriegs-brandstifter“ und „Washington, London und Jerusalem“. Dabei nutze er Provokation und Demagogie. Man könne dies wohlwollend als „diffusen verschwörungstheoretischen Amoklauf“ interpretieren.
   Als „schriller, neurechter Hasardeur“ wurde Elsässer er von dem Soziologen
Oliver Nachtwey (2015) bezeichnet.
    Auch der Rechtsextremismusforscher
Helmut Kellershohn (2015) versteht Elsässer als einen „Querfrontler“ und „Nationalbolschewisten“. Alexander Häusler nennt ihn einen „rechten Querfront-Publizisten“Der Rechtsextremismusexperte Andreas Speit u.a. (2015) hält Elsässer für einen „Neuzugang im neurechten Lager“.

 

 

 

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© Klaus Ulrich Spiegel