Deutschland – linksextrem!

Funde in Süddeutsche Zeitung und jungeWelt am 24. Februar 2015
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Zuerst die Meldung – gezeichnet mit „SZ“, was auf redaktionelle Verarbeitung von Agentur-Einläufen schließen lässt:

Linksradikales Deutschland
Linksradikale und sogar linksextreme Einstellungen haben längst Eingang in die sogenannte Mehrheitsgesellschaft gefunden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstitus Infratest-dimap, die für den Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin vorgenommen wurde. Die Studie stellt fest,
dass im Westen 14 Prozent, in Ostdeutschland 28 Prozent der Bürger eine linksradikale oder gar linksextreme Grundhaltung haben. 13 Prozent der Befragten – deutlich mehr im Osten als im Westen – können sich beispielsweise prinzipiell vorstellen, bei einer Bundestagswahl eine Partei links von der Linken zu wählen. Knapp ein Fünftel in Westdeutschland und knapp ein Viertel in Ostdeutschland plädieren sogar für eine Revolution zur Verbesserung der Lebensbedingungen, weil Reformen das nicht könnten. Und: Jeder Dritte ist zudem überzeugt, dass der Kapitalismus zwangsläufig
in Armut und Hunger führe. 
                                                                            SZ

 

Dem wird tabellarisch beigestellt:


Gegen Staat und Kapital

Zustimmung in Prozent                                             D           Ost       West

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Unsere Demokratie ist keine
echte Demokratie, da die
Wirtschaft und nicht die Wähler                      61        63        61
das Sagen haben


Der Sozialismus/Kommunismus
ist eine gute Idee, die bisher nur                     42        59         37
schlecht ausgeführt wurde


Durch die zunehmende
Überwachung durch Staat und Politik            27         34        25
werden wir immer mehr zu
einer Diktatur

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jW Kommentar


Der Untergang des kapitalistischen Abendlandes droht!

28 Prozent der Ossis und 14 Prozent der Wessis haben eine »linksradikale«
bzw. »linksextremistische« Einstellung. Und fast zwei Drittel der Bürger dieser Republik halten das politische System der BRD nicht für eine echte Demokratie, weil sie glauben, dass die Wirtschaft viel mehr Einfluss auf die Entscheider in Parlamenten und Regierungen hat als der Wähler.


Das ist Befund der neuen Studie von Klaus Schroeder, Chef des »Forschungs- verbundes SED-Staat« an der Freien Universität Berlin, veröffentlicht am 23.2.2015. Ausgewertet wurde eine Umfrage von Infratest dimap unter 1.400 Teilnehmern. Legt man die Kriterien des Forschungsverbundes zugrunde, gehören auch der amtierende Papst oder Jean Ziegler, Schweizer Sozialdemokrat und bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, in die Riege der Ultras, von denen ob ihrer aufwieglerischen Reden eine veritable Terror-gefahr ausgehen könnte. Schroeder unterscheidet immerhin fein zwischen »Radikalen«, die den Kapitalismus »überwinden«, und »Extremisten«, die eine Revolution anzetteln wollen.

Laut Studie denkt jeder Dritte, der Kapitalismus führe zwangsläufig zu Armut und Hunger; 37 Prozent assoziierten ihn mit kriegerischen Auseinandersetzun- gen. Und ganz schlimm: Knapp 30 Prozent gaben an, sie könnten sich echte Demokratie nur ohne Kapitalismus vorstellen. Für eine Revolution plädieren immerhin 20 Prozent. Knapp 60 Prozent der Ostdeutschen und 37 Prozent der Westdeutschen halten den Sozialismus/Kommunismus prinzipiell für eine gute Idee.

Nach Meinung der Verfasser der Untersuchung haben »von Linksextremisten verübte Gewalttaten« in den vergangenen Jahren stark zugenommen – dabei, merke: »insbesondere die Konfrontationsgewalt gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten«.

       Studie: Linksextreme Einstellungen sind weit verbreitet
            Die Eigendarstellung des „Forschungsverbunds“ der FU Berlin:

„ Linksextreme Einstellungen sind einer Studie von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin zufolge in Deutschland weit verbreitet. So kam in der repräsentativen Umfrage im Auftrag des Forschungsverbunds SED-Staat der Universität, bei der die Befragten Aussagen über Demokratie und Gesellschaft bewerten sollten, häufig eine kritische Haltung gegenüber der praktizierten Demokratie in Deutschland zum Ausdruck. In der Untersuchung wurden die Teilnehmer befragt, in wieweit sie verschiedenen Dimensionen eines linksextremen Einstellungsmusters zustimmten oder diese ablehnten. Das Muster und dessen Dimensionen hatten die Wissenschaftler zuvor herausgearbeitet. Die Forscher ermittelten auf dieser Basis, dass ein Sechstel der Gesamtbevölkerung (Westdeutschland: 14 Prozent; Ostdeutschland: 28 Prozent) eine linksradikale/linksextreme Grundhaltung hat.

Die durchschnittliche Zustimmung zum Einsatz politisch motivierter Gewalt – sei es gegen Personen oder Sachen oder als Gegengewalt – gegen die als strukturell empfun- dene Gewalt „des Systems“ – lag in der Umfrage bei sieben Prozent. Von den als linksextrem eingestuften Personen befürworteten 14 Prozent Gewaltanwendung. Das
für die Wissenschaftler erstaunlichste und für sie nicht zu erklärende Ergebnis ergab sich bei der Frage nach dem staatlichen Gewaltmonopol. Nur knapp die Hälfte sprach sich
für seine Beibehaltung aus; 46 Prozent waren für seine Abschaffung.

In der Umfrage hielten mehr als 60 Prozent der Befragten die Demokratie nicht für eine echte Demokratie, da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen hätten. Nahezu 50 Prozent konstatierten eine zunehmende Überwachung linker Systemkritiker durch Staat und Polizei, etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) befürchteten der Studie zufolge, dass Deutschland durch eine zunehmende Überwachung von Bürgern auf dem Weg in eine neue Diktatur sei. – Für die repräsentative Umfrage wurden knapp 1400 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap befragt.

Auf Basis der Auswertung von Selbstdarstellungen und Programmatiken typischer linksextremer Gruppen entwickelten die Wissenschaftler eine Skala des Linksextremis- mus, die die zentralen Dimensionen eines linksextremen Weltbildes misst. Die Trenn- linie zwischen links, linksradikal und linksextrem ziehen die Wissenschaftler in dem Grad der Ablehnung der pluralistischen Demokratie. Während Linksradikale den Kapitalismus überwinden wollen, streben Linksextremisten an, die bürgerliche Gesell-schaft zu zerstören und den Staat zu zerschlagen; sie wollen die Revolution.“

Anmerkung Orlando Pascheit, NDS: Leider existiert nur diese Presseerklärung zu der bereits als Buch erhältlichen Studie “Gegen Staat und Kapital – für die Revolution! Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie”. Eine weitere Zusammen-fassung, aber leider keine Bewertung – so wäre es doch hochinteressant zu wissen,
wie die Frage zum Gewaltmonopol des Staates formuliert war – bietet die ZEIT:


     Mehr als 60 Prozent bezweifeln Demokratie in Deutschland
Die Mehrheit der Deutschen hegt einer Studie zufolge Unbehagen gegenüber der derzeitigen Staatsform. Mehr als ein Viertel wähnt das Land gar auf dem Weg in eine Diktatur…
Drei von zehn Befragten gaben an, sie könnten sich eine wirkliche Demokratie nur ohne Kapitalismus vorstellen. 37 Prozent aller West- und 59 Prozent aller Ostdeutschen halten kommunistische und sozialistische Gesellschaftsformen für eine gute Idee, die bisher nur schlecht ausgeführt worden seien. Ein Fünftel fordert eine Revolution, da Reformen die Lebensbedingungen nicht verbesserten.
Wegen der zunehmenden Überwachung der Bürger sei Deutschland auf dem Weg in neue Diktatur, sagten 27 Prozent der Befragten. Am erstaunlichsten fanden die Autoren aber nach eigener Aussage, dass sich nur knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten dafür aussprach, das staatliche Gewaltmonopol “auf jeden Fall” beizubehalten…
Der Studie zufolge haben 4 Prozent ein geschlossenes linksextremes Weltbild, 13 %  stimmten einzelnen Aspekten (mehr als 50 Prozent der Fragen) zu. Damit sehen die Forscher ein linksextremes Potenzial von insgesamt 17 %, wobei es mit 28 % im Osten deutlich höher als im Westen mit 14 % sei.
Quelle:
Zeit Online

 

Anmerkung JK auf NDS: Es ist doch zu fragen was an diesen Aussagen/Antworten
denn so falsch bzw. was daran “linksradikal”ist?

  • In der Umfrage hielten mehr als 60 Prozent der Befragten die Demokratie 
    nicht für eine echte Demokratie, da die Wirtschaft und nicht die Wähler
    das Sagen hätten.
  • Jeder Dritte stimmte der Auffassung zu, der Kapitalismus führe zwangsläufig
    zu Armut und Hunger
    .
  • Mehr als ein Drittel (37 Prozent) assoziierte Kapitalismus mit kriegerischen Auseinandersetzungen.

Was also soll das Ganze? Deutschland sei nach links gerückt – lächerlich! Die herrschende Elite, offensichtlich aufgeschreckt durch den Wahlerfolg der Syriza
in Griechenland und den weiteren Zulauf zu PODEMOS in Spanien, lässt ihre wissenschaftlichen Mietmäuler aufmarschieren.


Von einer Syriza oder PODEMOS ist hier doch weit und breit nichts zusehen.
Die Linke ist zwar durchaus etabliert, kommt aber über maximal 10 Prozent nicht
hinaus. Eine breite linke Basisbewegung, die sowohl für die Syriza als auch für PODEMOS ein wichtiger Ausgangspunkt war und ist, gibt es in Deutschland
auch nicht.

Zitat: “Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass 16 Prozent dem Satz zustimmen, Kapitalismus führe letztlich zu Faschismus. Oder dass 18 Prozent die Gefahr eines
neuen Faschismus sehen. Das hat mich überrascht.” Der Mann macht sich zur Lachnummer. Selbstverständlich ist der Neoliberalismus antidemokratisch (siehe die Herrschaft der Troika über Südeuropa). Der Herr Schroeder sollte einfach einmal bei den Herren Hayek, Buchanan usw. nachlesen. Die neusten Statistiken zur Vermögens-verteilung bzw. Armutsentwicklung kennt er wohl auch nicht. Das “einfache” Volk hat offenbar mehr politisches Gespür als Herr Schroeder in seinem Elfenbeinturm.

 

Ergänzende Anmerkung Wolfgang Lieb: Was politisch links oder gar linksradikal ist,
bleibt eben immer auch eine Frage des eigenen Standpunktes. Der "Forschungsverbund SED-Staat" ist durch  reaktionäre Tendenzen bekannt geworden. Der FU-Politologe Klaus Schroeder, der die Studie herausgegeben hat, vertrat die Auffassung, dass Berichte über steigende Armut in Deutschland vor allem daran lägen,
dass „sich Armutsforscher wichtigtun wollen. So bestritt er auch, dass Ungleichheit gewachsen ist. --- Schröder erklärt alle Ossis, die die DDR nicht als Unrechtsstaat betrachten, als „Verklärer“ und alle die über die übergestülpten Demokratie enttäuscht sind, für Gegner des Systems.

 

 

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© Klaus Ulrich Spiegel