Instant-Demokratie?
Zum Zustand des herrschenden Bewusstsein
- und seiner Vermittlung durch Konzern- wie auch ÖR-Medien

Vom SPD-Parteig in Leipzig 14. & 15. November 2012


Herr Gabriel wird mit 83,7 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der SPD wiedergewählt - eine mehr als Vierfünftel-Mehrheit.

Frau Nahles wird mit 67, 2 Prozent der Stimmen zur SPD-Generalsekretärin wiedergewählt - eine satte Zweidrittel-Mehrheit.

Dies nach einem Katastrophen-Bundeswahlergebnis - mit kaum über einem
Viertel der abgegebenen Wahlstimmen, dem zweitniedrigsten SPD-Wähler-
stand seit Bestehen der Bundesrepublik, nur minimal über dem allerschlech-testen vier Jahre zuvor..


Und die Nahles ist " i n  T r ä n e n ".

"So hättet Ihr mit Andrea nicht umgehen dürfen!" - tönt die Schatzmeisterin.

Gabriels Supermehrheit: " e i n  D e s a s t e r " - sagen die vereinigten
Leitmedien.


Gabriel und Nahles sind "durch diese Ergebnisse deutlich geschwächt",
lese ich bei spiegel-online; FAZ, SZ und "ntv, der Nachrichtensender".


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     Ja, also wirklich:
Wo bleibt denn da die Dankbarkeit der Parteitagsdelegierten
für 15 Jahre grandiose Zustimmungsresonanzen, Vertrauensbeweise,
Augenhöhe-Stände und Regierungstauglichkeits-Nachweise ??
Für den Verlust von Mitgliedern in Höhe von über 45%?
Für zwei krachende Wahlniederlagen als Quittung auf Krieg und Hartz?


Dafür jubeln sie nicht, huldigen sie nicht, stimmen sie nicht kollektiv vor Dankbarkeit und Glück. Nicht zu glauben, sowas!

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Sind Polit-Akteure und kommentierende Begleiter noch ganz bei Trost?

Und sind Parteitagsdelegierte (gern sinn- wie auch meinungsgleich gleich mit Gewerkschafts-Kongressdelegierten, Verbandsversammlungsmitgliedern etc.) gefolgschaftspflichtig, andernfalls nicht respektabel und nicht ernst zu nehmen?

Ich wäre - und wir, die Juso-Generation ab 1968, wären - mit diesem nun
schon 15 Jahre lang die SPD ruinierenden "Führungs"-Personal ganz anders umgegangen. Man kann auch fragen: Wieso sind diese Parteiführer eigentlich
so dreist, sich nach solchen Irrleistungen und Fehl-, ja Mitglieder- wie Wähler-vertreibungs- und Programmverrats-Politiken und den folgerichtigen Reso- nanzen darauf mit der Erwartung auf Nordkorea-Ergebnisse überhaupt
zur Wiederwahl zu stellen?


Was für ein trauriger Haufen an Delegierten, also Mitgliedschafts-Basis-Vertretern, sollen jene abgeben, denen solche Ergebnisse abgefordert werden?
Zu tadeln, weil sie mal nicht auf 90% plus X votierten? Sind wir bei Josef Stalin selig?


Und solche Meinungsbildner werden nicht müde, anderweitig Volkskammer-Realität zu ächten? Was für eine groteske Praxis von Demokratie ist denn das?

Solche gigantischen Mehrheiten – Vierfünftel und Zweidrittel – als Niederlagen, Desaster, unzulässigen Umgang zu werten, das kann nur ein rundum autoritäres Partei- und völlig defizitäres Demokratieverständnis belegen. Bei Akteuren wie Kolporteuren.

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© Klaus Ulrich Spiegel